Politischer Zündstoff: Neue russische Begriffe 2014

Bild: Nijas Karim

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Das Jahr 2014 hat der russischen Sprache einige neue Wortschöpfungen beschert. Die größte Bedeutung hatten geographisch-politisch motivierte - negativ als auch positiv besetzte - Begriffe.

Die Facebook-Gruppe „Slowar goda" (zu Deutsch „Das Wörterbuch des Jahres") erstellt jedes Jahr eine Liste mit den am häufigsten verwendeten Wortneuschöpfungen der letzten zwölf Monate. 2014 spielten vor allem die Ereignisse in der Ukraine eine prägende Rolle. Genau aus diesem Grund berücksichtigte die seit drei Jahren bestehende 500 Mitglieder zählende Gruppe diesmal viele geographische Begriffe.

Spitzenreiter der am häufigsten benutzten Begriffe waren „Krim", wo im März 2014 ein Referendum zur Unabhängigkeit der Halbinsel durchgeführt wurde, „Odessa", wo am 2. Mai 2014 bei einem politisch motivierten Brandanschlag des rechten Randes viele Menschen ums Leben kamen, sowie „Noworossija" (zu Deutsch „Neurussland"), eine in historischer Hinsicht allgemeine Beschreibung der Südostukraine.

Die bekannteste neue Wortschöpfung des Jahres mit geographisch-politischem Bezug war wohl die Wortzusammensetzung „krym nasch" („Die Krim gehört uns!"). Diese Kombination, die sich aus den Wörtern „Krym" (zu Deutsch Krim) und „nasch" (unser) zusammensetzt, wurde sehr bald nach der Angliederung der Krimhalbinsel an Russland zu einem viel benutzten Ausdruck.

Die Aussage „Krym nasch" wird von den Befürwortern der Angliederung an Russland als ein positiv besetzter Begriff betrachtet. Von den Gegnern dieses Ereignisses wird er eher als etwas Ironisches und somit negativ Besetztes betrachtet. Denn jene, für die die Angliederung der Krimhalbinsel ein Fehler war, reagieren eher sarkastisch. Sprüche wie „Die Preise steigen zwar, doch die Krim gehört uns!" oder „Im Land herrscht zwar eine Krise, doch die Krim gehört uns!" machten die Runde.

Man kann dieses Jahr auch von einem euphemistischen Phänomen sprechen: Die auf den ersten Blick neutral wirkenden Wortschöpfungen sollen gezielt kreiert worden sein, um die Wirklichkeit der schweren Konflikte in der Ukraine zu kaschieren. So bezeichnete man beispielsweise die offiziell auf der Krimhalbinsel stationierten russischen Truppen als ein „begrenztes Kontingent" oder sogar „die grünen Männchen" (aufgrund ihrer Uniform). Schon fast ironisch wirkte der Begriff „höfliche Menschen", der darauf

anspielte, dass von den militärischen Truppen in den betroffenen Regionen keine Aggressivität ausging.

Auch einige neue Lehnwörter setzen sich Jahr für Jahr in der russischen Sprache fest. 2014 wurde unter anderem der englische Begriff „selfie", ein mit einem Mobiltelefon aufgenommenes Selbstportrait, das in einem sozialen Netzwerk veröffentlicht wird, auch in die russische Alltagssprache eingeführt. Jegliche Versuche, eine eigene russische Variante des Terminus zu etablieren, blieben erfolglos. „Sebjaschka", die russische Version von „selfie", schaffte es nicht, sich durchzusetzen.

Ein weiteres Beispiel für erfolgreiche Wortneuschöpfungen ist die Abwandlung des Namens Jen Psakis, Sprecherin des US-amerikanischen Außenministeriums. Im Mai 2014 tauchte erstmals die Bezeichnung „sweschie psaki" („druckfrische Psaki") auf. Dieser Begriff soll eine nicht wirklich glaubwürdige Information beschreiben, der jedoch der Nimbus zugeschrieben wird, die unbestreitbare Wahrheit zu sein. Im Juni 2014 folgte im Russischen auch das Verb „psaknut". Es beschreibt die Handlung, eine Neuigkeit, die als Wahrheit gelten soll, öffentlich bekannt zu geben.

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