Die letzte Residenz der Romanows: Neun Fakten über den Liwadija-Palast

Andrey Nekrasov/Global Look Press
Der Liwadija-Palast: Romanow-Sommerresidenz im italienischen Stil, Austragungsort der Jalta-Konferenz 1945 und beliebter sowjetischer Kurort. RBTH erzählt die spannende Geschichte des Sitzes russischer Zaren auf der Krim.

1. Die Sommerhauptstadt Russlands

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Das Dorf Liwadija an der Südküste der Krim liegt unweit der Stadt Jalta, die bereits Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem beliebten Erholungsort wurde. Ausschlaggebend dafür waren das Klima, das Ärzte für heilend hielten, und die für damalige Verhältnisse bereits gut ausgebaute Eisenbahnanbindung. Im Jahr 1861 kaufte Zar Alexander II. in dieser Region ein Landgut und ließ einen großen Palast bauen – ein Geschenk für seine Frau. Später wurde in der Nähe ein kleinerer Palast für den Thronfolger Zar Alexander III. errichtet. Alexander III. hielt sich Zeit seines Lebens häufig in Liwadija auf und verbrachte dort auch seine letzten Tage. In der Kreuzerhöhungskirche von Liwadija wurde Nikolai II. gekrönt und seine Frau, die Prinzessin von Hessen-Darmstadt und künftige Zarin Alexandra Fjodorowna, konvertierte an gleicher Stelle zum orthodoxen Glauben.   

2. Die teuerste Sommerresidenz der Zarenfamilie

Russische Zarenfamilie auf der Krim  / TASSRussische Zarenfamilie auf der Krim / TASS

Von allen Liwadija-Palästen, die im Auftrag der Zarenfamilie errichtet wurden, blieb nur ein einziger erhalten – der Palast Nikolais II. Schätzungen zufolge gab der Zar für den Bau vier Millionen Gold-Rubel aus. Die Bauarbeiten begannen im Jahr 1910 und bereits nach 17 Monaten war der Palast fertiggestellt. 

3. Ein Ort für Erholung und Amüsement

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Die Zarenfamilie verbrachte in Liwadija häufig die Frühlings- und Herbstmonate. Ihr Reiseweg führte sie zunächst mit dem Zug von Sankt Petersburg nach Sewastopol. Dort angekommen, setzten sie in einem Schiff über, das die Passagiere standesgemäß in den Hafen von Jalta brachte. Der Zar, seine Frau und die gemeinsamen Kinder genossen die heilende Luft, es wurde ausgiebig in Wasser und Sonne gebadet, Ausflüge in den Park unternommen sowie zu Pferd oder mit dem Auto die Umgebung erkundet. Besonders beliebt waren die Jagd und das Tennisspiel auf einem im Park extra dafür angelegten Tennisplatz. Außerdem fotografierten die Romanows sehr gern. Die Amateurfotos aus der Zarensammlung können auch heute noch bewundert werden: Sie zeigen die Töchter des Zaren, wie sie in den Wellen posieren oder den Zaren selbst, umringt von seiner Dienerschar, auf einem Stein sitzend. Im Frühjahr 1914 besuchte die Zarenfamilie die Residenz zum letzten Mal. Eine Rückkehr im Herbst war vorgesehen, der Ausbruch des Ersten Weltkriegs und die anschließenden Unruhen der Revolution verhinderten jedoch eine Wiederkehr.

4. Ein Architekt für Jalta

Nikolai Krasnow / Archive PhotoNikolai Krasnow / Archive Photo

Für den Bau des Palastes wurde der Architekt Nikolai Krasnow einbestellt. Krasnow stammte aus einfachen Verhältnissen, doch aufgrund seines genialen architektonischen Gespürs wurde er bereits mit 24 Jahren zu Jaltas prägendem Architekten. In vielen Aspekten hat die Stadt ihre Schönheit, die in der russischen Literatur und zahlreichen Memoiren gepriesen wurde, Krasnow zu verdanken. Mehr als 60 Gebäude auf der Krim wurden von ihm konzipiert, größtenteils Villen für den Moskauer Adel. Nach der Revolution 1919 wanderte Krasnow über Konstantinopel und Malta nach Belgrad aus, wo er einige Paläste errichtete, darunter auch die Residenz für Alexander I. von Jugoslawien in Dedin.

5. Ein italienischer Baustil herrscht vor

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Der Liwadija-Palast wurde im italienischen Renaissancestil errichtet – mit offenen Galerien, durchbrochenen Balkons und handgeschnitztem Dekor. Als Ausgangsmaterial für den Bau diente der weiße Inkerman-Stein – eine Art Sandstein, der auf der Krim gewonnen wird. Typisch italienisch sieht vor allem der Innenhof aus: Grüne Arkaden umrahmen einen Springbrunnen aus Marmor, in den Galerien finden sich mit Greifen verzierte Marmorbänke. 

6. Ein historisches Beispiel für eklektischen Stil

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In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war für die äußere und innere Gestaltung die Verwendung unterschiedlicher Baustile, Eklektik genannt, bei Architekten besonders beliebt. Auch der Liwadija-Palast bildet hierbei keine Ausnahme. Für die Gemächer der Zarenfamilie im ersten Stock wurde der moderne Stil gewählt, in der Palastkirche sind byzantinische Muster zu finden, zwei Lichtbrunnen wurden im gotischen Stil mit Chimären sowie im arabischen Stil mit Majolika-Mosaik und orientalischen Ornamenten geschmückt.  

7. Altes Interieur erzählt von der prunkvollen Vergangenheit

 / Vladimir Astapkovich/RIA Novosti / Vladimir Astapkovich/RIA Novosti

Die originale Innenausstattung der Residenz blieb nicht erhalten, denn zu Sowjetzeiten wurde das Gebäude als Kurort umfunktioniert. Zum Glück sind die herausragende Architektur und einzelne Einrichtungsgegenstände aber noch vorhanden. Dazu gehören Säulen, der handgeschnitzte Kaminofen aus Carrara-Marmor im Festspeisesaal, das Empfangskabinett mit Wandplatten aus Rotholz im Jacob-Stil und Messing-Garnitur, ein Billard-Zimmer im englischen Stil sowie ein handgefertigter Wandteppich mit der Abbildung der letzten Zarenfamilie.

8. Vom Palast zum Museum

 / Israel Ozersky/RIA Novosti / Israel Ozersky/RIA Novosti

Nach der Revolution wurde der Palast für einige Jahre als Museum geführt, das der Zarenfamilie gewidmet war. Im Anschluss diente die ehemalige Zarenresidenz als Sanatorium für an Tuberkulose erkrankte Bauern. Nach dem Zweiten Weltkrieg und bis zu Stalins Tod im Jahr 1953 verbrachte der höchste Parteikader seinen Urlaub an diesem Ort. Erst 1993 wurde die Residenz wieder zu einem Museum. 

9. Schauplatz eines historischen Treffens der Alliierten

Konferenz von Jalta, 1945. / Imago/Global Look PressKonferenz von Jalta, 1945. / Imago/Global Look Press

Der Liwadija-Palast wurde zum Austragungsort einer der wichtigsten Konferenzen des Zweiten Weltkriegs – der Konferenz von Jalta. Bei dieser traf sich die Anti-Hitler-Koalition, die aus den Staatschefs der Sowjetunion, den USA und Großbritannien bestand. Im Palast residierte zudem auch Franklin Roosevelt mit seiner Delegation, die 43 Zimmer bewohnte. 

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