So lief mein Austausch: Mit „Krasdam“ von Sibirien nach Brandenburg

Anastasia Pawlowa
In der neuen Serie „So lief mein Austausch“ stellt RBTH Projekte des deutsch-russischen Jugendaustauschs aus den Augen der Teilnehmer vor. Den Auftakt macht Anastasia Pawlowa (22), die in diesem Jahr über das Projekt „Krasdam“ Kunst und Kultur in Deutschland erlebt hat.

„Krasdam“ – so heißt das ungewöhnliche Projekt, dank dem ich nach Deutschland kommen konnte. Dieses unverständliche Wort ist eigentlich eine Komposition aus zwei Wörtern. „Kras“ steht für Krasnojarsk, eine Stadt in Sibirien, in der sich die Organisation Interra befindet. Der zweite Teil der Bezeichnung stammt von der deutschen Stadt Potsdam, Sitz des Offenen Kunstvereins. Beide Organisationen veranstalten das russisch-deutsche Projekt, das bestimmt ist für den gegenseitigen Austausch zwischen den Teilnehmern im Bereich Kunst und Kultur.

Insgesamt nahmen 13 Personen aus Russland und Deutschland teil. Zunächst trafen sich die Teilnehmer aus Russland auf dem Alexanderplatz in Berlin und fuhren dann nach Potsdam, um die Stadt kennenzulernen und ins Hostel einzuziehen. In Potsdam haben wir vier Tage gewohnt und machten Ausflüge nach Berlin. Und was wir nicht alles gesehen haben! Den Marmorpalais oder den Cecilienhof – das Schloss, in dem im Jahr 1945 die Potsdamer Konferenz stattfand, das Holländische Viertel, in dem man nach dem Zweiten Weltkrieg ein Haus oder das, was von ihm übrigblieb, für nur einen Euro kaufen konnte, oder die Straße mit Hütten, die im russischen Stil gebaut sind. An einem FKK-Strand, der die russische Seele sowohl an- als auch entspannt, machten wir eine Pause.

Fazit Nummer 1: Die Welt ist nicht aggressiv

Anastasia Pawlowa
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Das war meine erste Auslandsreise. Mein erster Gedanke war, dass die Welt nicht aggressiv ist. Alleine in einem fremden Land zu sein, schien zunächst gefährlich, aber alle Vorurteile verschwanden bereits nach den ersten Begegnungen. Die Menschen waren offen und einladend. Eine große Offenbarung war für mich die Tatsache, dass die meisten Deutschen Englisch sprechen können. Ich fragte eine ältere Dame nach dem Weg zum Hostel und sie erklärte mir problemlos den Weg.

Fazit Nummer 2: Regeln müssen nicht immer sein

Anastasia Pawlowa
Anastasia Pawlowa
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Nach dem kulturellen Teil fuhren wir nach Strodehne, ein deutsches Dorf in Brandenburg, und entfernten uns von der Zivilisation, dem Internet und allem anderen, um kreativ zu sein. Ich war sehr überrascht, als man uns sagte, dass in unserem Camp Menschen im Alter von drei bis 60 Jahren anwesend seien, darunter die Organisatoren, ihre Familien und ältere Teilnehmer des Projekts.

Zunächst schien es uns so, als wären wir im Urlaub, denn es gab keinen klaren Zeitplan wie bei anderen Jugendforen. Nach ein paar Tagen des Nichtstuns baten wir die Veranstalter um einen geregelteren Tagesablauf, aber man sagte uns, dass das Projekt seinen Teilnehmern möglichst viel Freiheit bieten müsse. Deshalb würde es keinen Rahmen geben.

Also arbeiteten wir in den Werkstätten, tagelang. Man konnte sich mit allem beschäftigen, worauf man Lust hatte: Malen, Lieder aufnehmen und selbst komponieren oder Skulpturen kneten. All das fand im Hof statt, in dem sich mehrere kleine und überwiegend theatralische Plätze befanden. Man konnte hingehen und zuschauen. Am 30. Juli fand die Präsentation der Ergebnisse statt.

Fazit Nummer 3: Austauschprogramme lassen Grenzen verschwinden

Anastasia Pawlowa
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Insgesamt kann ich über meine Reise sagen, dass ich eine tolle Erfahrung gemacht habe. Es wäre schön, ein solches Austauschprojekt in meiner Heimat Tschuwaschien zu organisieren, damit unsere Jugendlichen ausländische Schüler empfangen könnten. Vor allem habe ich aber verstanden, dass solche Fahrten Energie verleihen, die Welt wird größer und freundlicher. Sie ist nicht so, wie sie im Fernsehen dargestellt wird. Die Grenzen, die wir uns selbst aufziehen, verschwinden allmählich.

RBTH-Check:

Das sechste russisch-deutsche Künstlerprojekt „Krasdam“ fand vom 17. bis zum 31. Juli statt. Das diesjährige Thema war „Das Tier im Mensch“. Es ging um die bewusste Haltung gegenüber der Umwelt und den umsichtigen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Teilnehmen konnten Personen im Alter von 18 bis 26 Jahren. Einer der Teilnehmer kam von Krasnojarsk bis nach Berlin per Anhalter. Dazu brauchte er 15 Tage.

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