Russisches Haus in Berlin wird moderner

Pawel Izwolskij, Direktor des Russischen Hauses der Wissenschaft und Kultur in Berlin

Pawel Izwolskij, Direktor des Russischen Hauses der Wissenschaft und Kultur in Berlin

berlin24.ru
RBTH hat sich in Berlin mit dem neuen Direktor des Russischen Hauses der Wissenschaft und Kultur Pawel Izwolskij getroffen. Er will Vieles verändern und hat große Pläne. Welche das sind, verrät er im Interview mit RBTH.

Herr Izwolskij, Sie sind etwas länger als drei Monate Direktor des Russischen Hauses der Wissenschaft und Kultur in Berlin. Welche Pläne haben Sie zur Entwicklung Ihres Hauses?

Ich will vor allem dafür sorgen, dass das Haus sowohl inhaltlich als auch administrativ effektiv arbeitet. Um sowohl für das deutsche Publikum als auch für die eigenen Landsleute attraktiv zu bleiben, wollen wir das Haus neu ausrichten und die Anzahl an qualitativ hochwertigen Veranstaltungen erhöhen.

Bald präsentieren wir ein neues Logo des Hauses, der Eingangsbereich und das Foyer werden umgestaltet. Und das für mich Wichtigste – wir installieren in unserem Kinosaal moderne Film- und Soundtechnik.

Die konstruktivistische Architektur unseres Gebäudes im Stile der 1980er Jahre ist einmalig. Wir wollen diese noch mehr hervorheben, in dem wir neue moderne Elemente hinzufügen, ohne dabei die Ganzheitlichkeit des Konzeptes zu beeinträchtigen.

Das Russische Haus der Wissenschaft und Kultur befindet sich auf einer der zentralen Straßen Berlins – der Friedrichstraße. Das siebenstöckige Gebäude wurde 1984 eingeweiht und entstand nach Plänen des deutschen Architekten Karl-Ernst Swora. Ursprünglich war es im Stil des Klassizismus geplant, später wurde jedoch entschieden, sich an Projektlösungen repräsentativer Moskauer Gebäude zu orientieren, die in den 1970er Jahren gebaut wurdenDas RHWK dient der Entwicklung und Vertiefung der russisch-deutschen zivilgesellschaftlichen Zusammenarbeit. Im Laufe der Jahre empfing das Haus sowjetische Kosmonauten, prominente Wissenschaftler sowie Kulturschaffende wie die Ballettlegende Maja Plissezkaja, den weltberühmten Cellisten Mstislaw Rostropowitsch und die Operndiva Galina Wischnewskaja.

Welche Veranstaltungen sind geplant?

Wir sind von allen Repräsentanzen der staatlichen russischen Agentur Rossotrudnitschestwo das größte russische Kulturzentrum im Ausland, nicht nur an der Fläche gemessen, sondern auch hinsichtlich der Aktivitäten. Da es in Berlin bereits sehr viele kulturelle Veranstaltungen gibt, ist es für uns eine besondere Herausforderung, unserem anspruchsvollen Publikum qualitativ hochwertige Produkte anzubieten. Und die Qualität von Veranstaltungen wird nur nach einem Parameter gemessen – der Anzahl der Zuschauer im Saal.

Ganz besonders wollen wir das russische Kino fördern. Wie bereits erwähnt, renovieren wir gerade unseren Kinosaal für 200 Zuschauer. Wir planen tägliche Filmvorführungen von russischen Filmen mit deutschen Untertiteln. Gegenwärtig verhandeln wir mit einem Filmverleih über eine mögliche Zusammenarbeit. Unser Ziel ist es, dass führende Kinotheater für russische Filme in Deutschland zu werden.

Auch Ausstellungen wird es weiterhin geben. Um deren Niveau zu erhöhen, führen wir Gespräche mit verschiedenen potentiellen Partnern und kooperieren bereits mit dem Russischen Kulturministerium, mit vielen russischen Museen, Galerien sowie Malern.

Was ist Ihr Idealbild vom Russischen Haus?

Meine ideale Vorstellung vom Haus ist, dass hier so viele Leute wie möglich  Unterhaltung und Betätigung nach Lust und Laune finden – sei es beim Lernen, bei der Teilnahme an Veranstaltungen oder der Mitarbeit in Arbeitsgemeinschaften oder Interessensgruppen. Im Haus sollten sich tagsüber gleichzeitig etwa 300 bis 500 Besucher aufhalten.

Im Moment steht das Haus am Wochenende oft leer. Dabei finden samstags und sonntags in der Stadt so viele Aktivitäten auf Russisch für Kinder und Erwachsene statt. Genau solchen Veranstaltungen wollen wir das Haus zur Verfügung stellen. Aus diesen Erwägungen heraus entstand das Projekt „Wochenende im Russischen Haus“.

Sein Ziel ist es, Besuchern verschiedener Altersgruppen und Interessen die Möglichkeit zu geben, am Wochenende eine passende Betätigung im Russischen Haus zu finden. Während sich die Kinder in Arbeitsgemeinschaften beschäftigen, können deren Eltern ins Kino gehen, einen Kaffee trinken oder in Büchern stöbern. Deshalb ist es auch geplant, eine Buchhandlung zu eröffnen, beziehungsweise deren Arbeit zu reaktivieren.

Russisches Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin / Press photo Russisches Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin / Press photo

Welche Angebote gibt es für Jugendliche?

Die Jugend ist eine unserer wichtigsten Zielgruppen. Bei uns finden Musikfestivals und verschiedene Wettbewerbe statt, wir unterstützen studentische Projekte im Bereich Film und bildende Kunst. Zusammen mit Rossotrudnitschestwo führen wir das Programm „Neue Generation“ durch. Das sind Informationsreisen nach Russland für junge ausländische Repräsentanten aus Politik, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft.  

Am schwierigsten ist es, Leute zwischen 16 und 22 Jahren dafür zu begeistern. Grundsätzlich ist es sehr wichtig, allen Zielgruppen ein attraktives Programm anzubieten, das deren Bedürfnissen und Erwartungen entspricht.

Welche Großveranstaltungen finden in der nächsten Zeit im RHWK statt?

Wir werden an den traditionellen Veranstaltungen festhalten. Außerdem wollen wir ein regelmäßiges Jugendfestival „Berliner Treffen“ mit russischen Popstars ins Leben rufen. Im Herbst tritt das Surguter Musiktheater bei uns auf. Als Beispiele der Zusammenarbeit mit deutschen Partnern möchte ich explizit das Konzert des Blasorchesters Berlin-Köpenick im November 2017 sowie das Konzert des Amateursinfonieorchesters des Konzerthauses Berlin zum 100. Jahrestag der Oktoberrevolution hervorheben.

Haben die politischen Spannungen zwischen Deutschland und Russland Auswirkungen auf die Tätigkeit des RHWK?

Wir fördern die Popularisierung der russischen Kultur und tragen zur Entwicklung der kulturellen und wissenschaftlichen Beziehungen unserer Länder bei. Wir dienen als Plattform zum gegenseitigen Austausch und sehen uns als eine Art Brücke für den kulturellen, wissenschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Dialog. Natürlich kann ich nicht behaupten, dass die politischen Rahmenbedingungen keine Auswirkungen hätten, aber ich wurde noch nie damit konfrontiert, dass irgendein Partner aus politischen Gründen die Zusammenarbeit mit uns beendet hätte oder dass Veranstaltungen abgesagt wurden. Die Kulturbrücke zwischen Russland und Deutschland war, ist und bleibt sehr verlässlich. Das wird durch beide Seiten getragen.

Pawel Izwolskij / PressebildPawel Izwolskij / Pressebild

Was tut das RHWK zur Förderung des wissenschaftlichen Austauschs?

Unsere Ambition ist es, die wichtigste Plattform für den kulturellen und wissenschaftlichen Austausch zu werden und das Interesse an den Errungenschaften der klassischen und zeitgenössischen Kultur und Kunst zu fördern.  

Wir arbeiten mit russischen Universitäten zusammen. Einige Partnerschaftsverträge sind bereits unterschrieben – darunter mit der Moskauer Staatlichen Lomonossow-Universität, mit der Russischen Staatlichen Geisteswissenschaftlichen Universität und mit der Universität in Twer. Wir führen Verhandlungen u.a. mit dem Moskauer Staatlichen Institut für Internationale Beziehungen.

Dieses Jahr können Schüler aus Deutschland am Wissenschaftsfestival der Moskauer Staatlichen Lomonossow-Universität teilnehmen, zu dem auch Nobelpreisträger und prominente Wissenschaftler eingeladen sind.

Wie fördert das RHWK das Interesse am Russischlernen?

Wir unterrichten nach russischen Lehrmethoden. Wir streben an, dass die Absolventen unserer Langzeitsprachkurse neben dem Zertifikat noch eine offizielle Bestätigung des Russischen Bildungsministeriums erhalten. Als Repräsentanz in Deutschland, wollen wir Russischkurse nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen Regionen Deutschlands anbieten.

Wir fördern den Schüleraustausch zwischen Russland und Deutschland. Außerdem planen wir ein Abkommen mit der Senatsverwaltung Berlin für Bildung, Jugend und Familie. Es ist darauf ausgerichtet, den Stellenwert der russischen Sprache verglichen mit anderen Fremdsprachen an den Berliner Bildungseinrichtungen zu festigen, den Lehrkräfteaustausch zu intensivieren sowie die russische Kultur unter der Berliner Bevölkerung zu popularisieren.

Zum Schluss eine persönliche Frage: Wie haben Sie sich in Berlin eingelebt?

Die Stadt gefällt mir sehr gut. Wenn man in Berlin lebt, versteht man erst, wie sehr Moskau überbevölkert ist. In Berlin spürt man Freiräume. Bis jetzt habe ich es noch nicht geschafft, alle Möglichkeiten, die die Stadt bietet, zu genießen. Ich versuche zum Beispiel mehr mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Letztes Jahr habe ich am Radrennen in Berlin teilgenommen, und dieses Jahr bereite ich mich auf das in Hamburg vor, obwohl ich kaum Zeit dafür habe.

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