Thomas Overbeck: „Der kalte Krieg ist überwunden“

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Im Interview mit Ostexperte.de spricht Dr. Thomas Overbeck, Präsident des Deutsch-Russischen Wirtschaftsbunds, über die Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern, Investitionen im Russlandgeschäft und Lobbyarbeit.

Dr. Thomas Overbeck, Präsident des Deutsch-Russischen Wirtschaftsbunds. / zvgDr. Thomas Overbeck, Präsident des Deutsch-Russischen Wirtschaftsbunds. / zvg

Was leistet der Deutsch-Russische Wirtschaftsbund?

Wir schaffen lebendige Plattformen für mittelständische Unternehmen im Wirtschaftsverkehr mit Russland und der Eurasischen Wirtschaftsunion, beleuchten sehr unterschiedliche Aspekte und vertreten die Interessen unserer Mitglieder gegenüber der Politik insbesondere in Brüssel. Russland bleibt für viele Tausend Mittelständler unverzichtbar und ein spannender Absatzmarkt.

Wie sieht Ihre Lobbyarbeit aus? Zu welchen Institutionen pflegen Sie Kontakte?

Die politische Kommunikation erfolgt auf allen Ebenen, vor allem aber zur Europäischen Union in Brüssel. Denn die EU-Sanktionen sollten auch bei und mit der EU diskutiert werden. EU-Kommissar Günther Oettinger hat unsere Delegationen mittelständischer Unternehmen wiederholt empfangen, zuletzt Ende Juni.

Was unterscheidet den DRWU von anderen deutschen Verbänden, die im Russlandgeschäft tätig sind?

Wir fokussieren die wirtschaftlichen Interessen mittelständischer Unternehmen im Geschäft mit Russland und der Eurasischen Wirtschaftsunion. Wir schaffen Foren, in denen Unternehmen ihre Erfahrungen unmittelbar kommunizieren können – wer sollte das besser können als sie selbst? Daher fahren wir zusammen mit Mittelständlern nach Brüssel, nicht nur als Verband.

Warum lohnt es sich, gerade jetzt in Russland zu investieren?

Sinnvoll ist ein Investment in ausgewählten Branchen, etwa dem Agrarbereich. Der Rubelkurs ist niedrig, die Anzeichen stehen auf leichte wirtschaftliche Erholung, wer länger wartet wird mit höheren Preisen rechnen müssen.

Anstatt über die Aufhebung der Russland-Sanktionen zu sprechen, wurde zwischenzeitlich wegen Syrien über eine Verschärfung diskutiert. Was halten Sie vom Russland-Kurs der Bundesregierung und der EU?

Deutschland ist fest verankert im westlichen Bündnis. Der kalte Krieg aber ist 25 Jahre überwunden und es liegt im natürlichen Interesse Deutschlands wie der Europäischen Union mit der Russischen Föderation partnerschaftliche Beziehungen zu unterhalten. Wirtschaftliches Wachstum durch intensive gegenseitige Wirtschaftsbeziehungen insbesondere mittelständischer Unternehmen ist der beste Garant für ein friedliches und prosperierendes Miteinander. Wir möchten dazu beitragen, dass sich die Politik in Brüssel und Berlin dies laufend vor Augen führt.

Wie ist die Stimmung bei Ihren Mitgliedern? Gibt es noch so etwas wie „Optimismus“, was eine Normalisierung der deutsch-russischen Beziehungen angeht?

Wer mit Russland geschäftlich verbunden ist weiß, dass Wirtschaft zyklisch verläuft und sieht die Medienlage in beiden Ländern differenziert. Die meisten hätten sich einen deutlich anderen Umgang mit dem politischen Dissenz zwischen unseren Ländern gewünscht und halten die Sanktionen für kontraproduktiv. Es gibt verschiedene – auch globale – Anzeichen für eine bevorstehende wirtschaftliche Erholung, die Talsohle scheint durchschritten.

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