Dieser CIA-Maulwurf verdiente Millionen von Dollar durch Spionage für die Sowjets

Geschichte
NIKOLAJ SCHEWTSCHENKO
Mit der Spionage für die Sowjetunion wendete Aldrich Ames seinen Bankrott ab und wurde zum Millionär. Doch der luxuriöse Lebensstil währte nicht lange.

Ende 1986 wurde jedem in Langley klar, dass die CIA unmittelbar vor einer Katastrophe stand. In den Jahren vor diesem schicksalhaften Moment war der sowjetische KGB verdächtig erfolgreich bei der Identifizierung, Verhaftung und Hinrichtung von Doppelagenten gewesen, die von diesem Dienst in der UdSSR angeworben worden waren. Die unbequeme Wahrheit war, dass die CIA einen Maulwurf in ihren Reihen hatte. Als dies bekannt wurde, begann die Fahndung nach einem der gefährlichsten und bestbezahlten Spione der amerikanischen Geschichte.

Jagd auf den Maulwurf

In ihrer Verzweiflung, den Schuldigen zu finden, stellte die CIA ein Team für die Jagd auf den Maulwurf zusammen. Es bestand aus drei grauhaarigen Frauen und zwei Männern und verfügte über alle Mittel und Fachkenntnisse, die für die Aufdeckung der undichten Stellen erforderlich waren.

Obwohl es möglich war, dass sich der KGB durch Wanzen Zugang zu den CIA-Dokumenten oder zur Kommunikation verschafft hatte, schien die „Maulwurfsthese“ am plausibelsten.

Im Laufe der Ermittlungen wurde das für die Maulwurfjagd abgestellte Team mehrfach vom richtigen Weg abgebracht. Zunächst betrieb der KGB eine Desinformationskampagne, die das Team zu der Annahme verleitete, der Maulwurf säße im „Warrenton Training Center“, einer geheimen CIA-Kommunikationseinrichtung in Virginia. Das Ermittlerteam war mehr als 90 Personen auf der Spur, die in dieser Einrichtung stationiert waren – ohne eindeutige Ergebnisse.

Das Team verfing sich im nächsten Ablenkungsmanöver, als eine Quelle von sich aus angab, der KGB habe die CIA mit einem in der UdSSR geborenen Maulwurf unterwandert. Nichts davon war wahr, sodass der Maulwurf ungestraft weiterarbeiten konnte.

Bald verfügte das Team über eine Liste aller Personen, die Zugriff auf die Informationen hatten, die an die Sowjets weitergegeben worden waren. „Wir wussten, welche Leute die besten Zugangsmöglichkeiten hatten. So konnten wir die Liste nach den Kanälen, die der Person offen standen, und nach anderen Gesichtspunkten eingrenzen“, sagte Jeanne Vertefeuille, Mitglied des Teams. 

Letztendlich wurde die Liste auf 28 Personen reduziert. Wenn es einen Maulwurf in der CIA gab, stand er oder sie auf der Liste. 

Das Team begann, die Verdächtigen Lügendetektor-Tests zu unterziehen. Einer der getesteten Mitarbeiter war der CIA-Offizier Aldrich Ames, der in der Sowjetunion/Osteuropa-Abteilung der CIA tätig war. Er bestand den Lügendetektortest zweimal erfolgreich.

Scheidung mit verheerenden Folgen

Aldrich Ames begann seine Karriere bei der CIA im Jahr 1962. Er heiratete seine Kollegin Nancy Segebarth, die daraufhin ihren Dienst quittierte. Eine Regel der CIA verbot es Ehepartnern, im selben Büro zu arbeiten.

Ames wurde regelmäßig für seinen Dienst belohnt und befördert. Im Jahr 1969 wurde er zum „Case Officer“ befördert und zu seinem ersten Auslandseinsatz nach Ankara in der Türkei geschickt. Dort hatte er die Aufgabe, sowjetische Geheimdienstmitarbeiter für die CIA zu rekrutieren.

Niemand wusste, dass es mit Ames' Ehe bergab ging. Darüber hinaus fiel Ames mehrfach durch Alkoholmissbrauch auf. Außerdem neigte er dazu, die Einreichung von Finanzunterlagen hinauszuzögern. All diese Missgeschicke wurden jedoch unter den Teppich gekehrt.

1981 wurde Ames nach Mexiko-Stadt versetzt, während seine Frau in den USA blieb. In Mexiko begann er eine Affäre mit einer Kulturattachée in der kolumbianischen Botschaft namens María del Rosario Casas Dupuy, die auch eine von Ames betreute CIA-Informantin war.

Die Trennung von seiner Frau und seine neue Geliebte, die finanziell auf großem Fuß lebte, brachten Ames in eine finanzielle Bedrouille. Als Teil der Einigung mit seiner Ex-Frau erklärte sich Ames bereit, die Schulden, die das Paar angehäuft hatte, zu begleichen und Nancy dreieinhalb Jahre lang finanziell zu unterstützen, wobei insgesamt etwa 46.000 Dollar veranschlagt wurden. Aus Angst, die Scheidung - und die Gewohnheiten seiner neuen Leidenschaft - könnten ihn in den Ruin treiben, bot Ames dem KGB seine Dienste an.

Der Millionen-Dollar-Spion

Am 16. April 1985 betrat Ames die sowjetische Botschaft in Washington und bot dem KGB die Dienstgeheimnisse der CIA zum Kauf an. Zum Glück für Ames wurde er daraufhin der CIA-Abteilung für die Sowjetunion/Osteuropa zugewiesen, ein Aufgabenbereich, der ihm Zugang zu allen aktiven Fällen und Plänen der CIA-Unterwanderung des KGB und des sowjetischen Militärgeheimdienstes gewährte. Für den sowjetischen KGB war das eine einmalige Gelegenheit, und er war bereit, dafür zu zahlen.

„Hier sind einige Pressemitteilungen, die für Sie interessant sein dürften“, sagte Ames' sowjetischer Kontaktmann bei ihrem ersten Treffen. Nach dem Treffen fuhr Ames zu einem abgelegenen Park und schaute in die Tasche. Darin befanden sich fest eingewickelte 100-Dollar-Scheine. Er zählte insgesamt 50.000 Dollar.

Interessanterweise unternahm Ames keinerlei Versuche, seine Kontakte in der sowjetischen Gesellschaft zu verbergen, als er begann, für den KGB zu spionieren. Die Anwerbung sowjetischer Bürger als Spione für die CIA war seine Aufgabe, und dies bot Ames die beste Tarnung, die er sich erhoffen konnte.

Mit einer solch überzeugenden Rechtfertigung für wiederkehrende Treffen mit seinen Kontaktleuten betrieb Ames aktiv Spionage gegen die USA. Für jedes Treffen mit den von ihm angeworbenen sowjetischen Agenten erhielt Ames Tausende von Dollar. Berichten zufolge ließ sich Ames jedes Mittagessen mit seinem sowjetischen Kontaktmann mit Beträgen zwischen 20.000 und 50.000 Dollar vergüten.

Für Ames war dieses sowjetische Nebengeschäft sehr lukrativ. In den neun Jahren seiner Spionagetätigkeit erhielt der Spion in den USA 2,5 Millionen Dollar in bar, weitere 2,1 Millionen Dollar waren für ihn in Moskau bestimmt. Seine Gesamteinnahmen aus Spionagetätigkeiten beliefen sich auf etwa 4,6 Millionen Dollar, was ihn zum bestbezahlten Spion in der amerikanischen Geschichte machte.

Die Familie Ames schreckte nicht davor zurück, ihre Einkünfte auf extravagante Weise zu verprassen. Schließlich erregte der Lebensstil von Ames innerhalb der CIA Verdacht. Er erklärte seinen Reichtum damit, dass die kolumbianische Familie seiner Frau reich sei, aber die CIA fand bald heraus, dass dies nicht stimmte.

Dan Payne, ein Finanzexperte des Ermittler-Teams, unterzog Ames Finanzunterlagen einer eingehenden Prüfung. Das Spionageabwehrteam verglich die Einzahlungen auf Ames' Konto mit der Chronologie seiner Aufenthaltsorte und Aktivitäten über die Jahre hinweg und entdeckte ein alarmierendes Muster: Ames' Treffen mit dem sowjetischen Diplomaten, den er angeblich rekrutierte, korrelierten mit großen Einzahlungen auf sein Konto.

Die Verhaftung

Als das Ermittler-Team erfuhr, dass Ames für einen Auftrag im Rahmen seines CIA-Dienstes nach Moskau reisen sollte, beschloss es, sofort zuzugreifen.

Am 21. Februar 1994 wurde Ames vom FBI verhaftet, als er nach einem vorgetäuschten Anruf seines Vorgesetzten, der ihn bat, zur CIA zu kommen, um Einzelheiten seiner bevorstehenden Reise nach Moskau zu besprechen, sein Haus verließ. Am nächsten Tag mussten sich Ames und seine Frau wegen Spionage, Steuerhinterziehung und konspirativer Spionage gegen die USA verantworten. Ames bekannte sich schuldig und erhielt eine lebenslange Freiheitsstrafe. Ames' Frau wurde zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt.

Seit Februar 2023 verbüßt der 81-jährige Aldrich Ames seine lebenslange Haftstrafe in der Bundesstrafanstalt mit mittlerer Sicherheitsstufe in Terre Haute, Indiana.