Petersburger protestieren gegen Klinikschließung

An der Klinik Nr. 31 scheiden sich in Petersburg die Geister. Foto; PhotoXPress

An der Klinik Nr. 31 scheiden sich in Petersburg die Geister. Foto; PhotoXPress

Die Pläne der Präsidenten-Administration, den nach Petersburg umziehenden höchsten Gerichten ein dortiges Krankenhaus zur Verfügung zu stellen, stoßen auf Protest bei Bürgern und Parlamentsabgeordneten.

Um den 50 Milliarden Rubel schweren Umzug des Obersten Gerichtshofes und des Obersten Schiedsgerichts von Moskau nach St. Petersburg ist ein faustdicker Skandal entbrannt. Die Kreml-Administration plant womöglich, ein städtisches Krankenhaus an die zuziehenden Richter zu übergeben.

Dabei handelt es sich die stadtbekannte Klinik Nr. 31 auf der Krestowski-Insel. Zu Sowjetzeiten war sie ein Elitekrankenhaus für Parteifunktioniere, jetzt verfügt sie unter anderem über eine angesehene Abteilung zur Behandlung von krebskranken Kindern.

Nach den gerade erst abklingenden Aufregungen um das Adoptionsverbot für amerikanische Ehepaare erregt die Nachricht, die Regierung wolle sich gegen kranke Kinder stellen,  Unmut. Vor dem betroffenen Krankenhaus werden Mahnwachen mit Protestplakaten abgehalten, es werden Unterschriften an Wladimir Putin gesammelt, für den 23. Januar ist eine Demo geplant.

 

Ein Todesurteil

In dem Papier einer Arbeitsgruppe, die sich mit dem Umzug der Richter befasst, findet sich der Passus: „Die medizinische Versorgung (der Richter und Angestellten) soll auf Basis des städtischen Klinikums Nr. 31 sichergestellt werden." Und weiter: Personal und Gerätschaften werden auf andere Krankenhäuser verteilt.

Für die Ärzte der Klinik kommt dies einem Todesurteil gleich, schreibt der „Kommersant". Nach einer kürzlich abgeschlossenen Sanierung sei die Ausrüstung „nicht abmontierbar" und würde deshalb verloren gehen.

 

Wer ist der Buhmann?

Die Verantwortlichen schieben sich derweil gegenseitig die Verantwortung zu. Aus dem russischen Gesundheitsministerium verlautet, eine solche Entscheidung liege „ausschließlich in der Kompetenz der Petersburger Stadtregierung". Außerdem sei überhaupt noch nichts entschieden worden, es würde nach „weiteren Varianten gesucht".

Aus der Kreml-Administration war gestern zu hören gewesen, der Vorschlag sei „aus dem Smolny", also der Petersburger Stadtregierung, gekommen. Das wird dort dementiert: „Wir haben lediglich vorgeschlagen, beim Krankenhaus Nr. 31 eine Station für die Gerichtsmitarbeiter einzurichten", sagt Irina Scharipowa vom Komitee für Gesundheitsfragen.

Petersburgs Gouverneur Georgi Poltawtschenko, dem dieser Skandal mit einem Imageverlust droht, hält sich mit Kommentaren zurück. Man dürfe „die Lage von kranken Kindern nicht verschlechtern", war alles, was er bisher sagte.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Russland Aktuell.

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