Kein Geld für Blutspender

Ab 21. Januar 2013 wird das Blutspenden gegen Bezahlung in Russland verboten. Foto: ITAR-TASS

Ab 21. Januar 2013 wird das Blutspenden gegen Bezahlung in Russland verboten. Foto: ITAR-TASS

Russland stellt bei der Blutspendensammlung auf ein freiwilliges und unentgeltliches System um. Experten erwarten hierdurch Probleme in der Gesundheitsversorgung, insbesondere von Kindern.

Am 21. Januar 2013 trat in Russland das im vergangenen Sommer erlassene Gesetz „Über das Spenden von Blut und Blutkomponenten" in Kraft, das Blutspenden gegen Bezahlung faktisch verbietet. Geld solle es nur noch bei seltenen Blutkomponenten und Blutgruppen geben.

Als Belohnung für unentgeltliche Blutspenden erhalten die freiwilligen Spender ein Mittagsessen. Zudem wird der einmalig ausbezahlte Betrag für besonders häufige Blutspender (Personen, die in ihrem Leben 40 Mal Blut und Blutkomponenten oder 60 Mal Blutplasma gespendet haben) um 50% auf 250 Euro pro Jahr angehoben. Gleichzeitig wird jedoch die Liste der den Spendern zu gewährenden Vergünstigungen gekürzt.

Vor dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes wurden in Moskau für 100 ml Blutspende 15 Euro gezahlt. Zudem erhielten die Spender eine finanzielle Entschädigung durch Nahrungsmittel in Höhe von 25 Euro.

In dem neuen Gesetz werden auch die Voraussetzungen für mögliche Spender konkret beschrieben. So können nun offiziell nicht nur Russen, sondern auch Bürger anderer Länder und Minderjährige Blut spenden, wenn sie als komplett geschäftsfähig anerkannt sind.

Experten, Spender und praktizierende Ärzte haben das neue Gesetz kommentiert.

Wladimir Gorodezkij, Direktor des Bogdanow-Instituts für Bluttransfusionen:

„Momentan kommen häufig Menschen zu uns, deren einziges Ziel darin besteht, mit ihrer Blutspende Geld zu verdienen. Später müssen wir dieses Blut häufig aussortieren. Manche Menschen kommen mit fremden Ausweispapieren zu uns, manche haben vorher alkoholische Getränke konsumiert. Ein solch rein finanzieller Anreiz muss unterbunden werden. Man muss vielmehr den Menschen klar machen, dass die beste Hilfe für Kinder, die mit onkologischen Erkrankungen im Krankenhaus liegen und täglich Blutkomponenten benötigen, darin besteht, dass jeder Bürger mindestens einmal im Leben unentgeltlich Blut spendet."

Aleksandr Sawerskij, Präsident der „Liga für Patientensicherheit":

„In der Tat stammt ein beträchtlicher Teil derjenigen, die aus finanziellen Gründen Blut spenden, aus einer der Risikogruppen. Unter ihnen sind recht viele HIV-Infizierte. Die Kontrolle der Spenderwilligen gestaltet sich ausgesprochen schwierig. Daher lässt sich in der Medizin der internationale Trend beobachten, dass Blutspenden nur noch auf unentgeltlicher Grundlage durchgeführt werden. Doch uns allen ist Folgendes völlig klar: Es besteht die Gefahr, dass in eineinhalb Monaten in Russland nicht mehr genügend Blutreserven zur Verfügung stehen. Ich hoffe sehr, dass sich das Gesundheitsministerium im Klaren über seine Vorgehensweise ist und dass man dem Gebot der Stunde gehorcht."

Anatolij Gulin, Direktor der Organisation für medizinische Prophylaxe:

„Freiwillige unentgeltliche Spenden sind in den meisten Ländern der Welt bereits die Regel. Auch das neue föderale Gesetz setzt auf unentgeltliche Spenden."

Jekaterina Tschistjakowa, Direktorin des Hilfsfonds „Schenke Leben" für Kinder mit onkologischen Erkrankungen:

„Das Gesetz ist inhaltlich gut, allerdings ist dessen Umsetzung mit einigen Mühen verbunden. Ich glaube, dass sich die Zahl der Spender möglicherweise drastisch verringern wird. Wenn wir Menschen erreichen wollen, die bereit sind, unentgeltlich Blut zu spenden, müssen Informationskampagnen gestartet werden und die Arbeit der Einrichtungen für Bluttransfusionen muss umgestaltet werden. Deren Öffnungszeiten müssen angenehm für die Spender sein - und nicht wie zurzeit morgens an Werktagen!"

Galina Wolkowa, Spenderin, Studentin an einem medizinischen College in St. Petersburg:

„Meiner Ansicht nach sollte unser Land im Hinblick auf die Anzahl der Spender diesen nicht auf den Schlips treten."

Quelle: Zusammenstellung von Meldungen aus der Zeitung Moskowskije Nowosti und dem Internetportal Gazeta.ru

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