Deutsche Woche in St. Petersburg feiert 10-jähriges Jubiläum

Der Philosoph Peter Sloterdijk hat am 19. April vor hunderten russischen Studenten gesprochen. Foto: Pauline Tillmann

Der Philosoph Peter Sloterdijk hat am 19. April vor hunderten russischen Studenten gesprochen. Foto: Pauline Tillmann

„Wir wollen ein zeitgemäßes Deutschlandbild vermitteln“, sagt Daniel Ricco vom Deutschen Generalkonsulat in St. Petersburg. Erreichen will man das mit mehr als 70 Veranstaltungen, die vom 18. bis 28. April im Rahmen der „Deutschen Woche“ stattfinden. Einige Veranstaltungen, wie die feierliche Eröffnung, haben eindeutigen Bezug zu Nordrhein-Westfalen, weil es in diesem Jahr das Partnerbundesland der „Deutschen Woche“ ist.

Eröffnet wurde die Deutsche Woche mit einer Ballettgala. Ballett, das mögen die Petersburger und sind vor allem mit klassischem russischen Ballett vertraut. Im Rahmen der Deutschen Woche wurde ihnen etwas anders präsentiert – nämlich zeitgemäßer Tanz à la „Ballett im Revier" aus Gelsenkirchen. Die Reaktion: restlose Begeisterung. Damit hat selbst die Kultusministerin von Nordrhein-Westfalen, Ute Schäfer, nicht gerechnet. Bein anschließenden Empfang sagt sie, „Ballett im Revier" bringe eine neue schillernde Facette in die Region und nun auch nach Russland.

Und das ist genau das was man mit der Deutschen Woche erreichen will. Daniel Ricco, Presse- und Kulturreferent im Deutschen Generalkonsulat, meint man wolle mit den vielen Veranstaltungen „einen großen Bogen spannen von der Wirtschaft über die Bildung und Gesellschaft bis hin zur Kultur". Wie viel die zahlreichen Veranstaltungen den deutschen Steuerzahler kosten, das will Ricco nicht verraten, nur soviel: Von hiesigen Unternehmern in St. Petersburg, man spricht von bis zu 700, habe man „große Unterstützung erfahren".

Im vergangenen Jahr haben mehr als 10.000 Menschen die Veranstaltungen der „Deutschen Woche" besucht. Dieses Jahr, zum zehnjährigen Jubiläum, sollen es noch mehr werden. Schließlich hat die Deutsche Woche gerade eben ein neues Design bekommen hat, wodurch es frisch und luftig daherkommt und in erster Linie junges Publikum ansprechen soll.

 

Peter Sloterdijk zu Gast in St. Petersburg

Bei einem der Höhepunkte, der Vorlesung des bekannten deutschen Philosophen Peter Sloterdijk, hat das wunderbar funktioniert. Da haben sich mehr als 300 Stundeten im Hauptgebäude der Staatlichen Universität versammelt, um dem Schöpfer der „Kritik der zynischen Vernunft" zu lauschen. Eine davon ist die 27-jährige Polina Wasinjova, die gerade ihre Doktorarbeit über die „Deutsche Romantik" schreibt. „Dass Herr Sloterdijk hier zu Gast ist, ist ein Ereignis", sagt sie, „das hilft uns zu verstehen, womit sich der Westen gerade beschäftigt". Für die Philosophie-Studentin gehört die Deutsche Woche zum festen Bestandteil des Petersburger Kulturlebens und als sie die Vorlesung von Sloterdijk entdeckt hat, war sie „angenehm überrascht".

Den 65-jährigen Philosophen überhaupt nach St. Petersburg zu bewegen, war nicht ganz einfach, heißt es. Sloterdijk selber sagt vor seinem Vortrag „Das Reich der Fortuna" wörtlich: „Durch das hier anwesende Publikum materialisiert sich ein Traum, denn ich merke, Russland, das gibt es wirklich." Zwar ist er mit vielen russischen Autoren vertraut – und damit wie er selber sagt „ein halber Russe" – aber körperlich hat es ihn nie nach Russland gezogen. In jungen Jahren war Sloterdijk in der DDR und in Prag und ist dort auf besonders unhöfliche und unangenehme Menschen gestoßen. „Aber: Die Dinge haben sich gewandelt und so hat die Neugier auch wieder mehr Raum", sagt Peter Sloterdijk, fast schon versöhnlich.

Doch nicht nur die Petersburger Intelligenzija kommt bei der Deutschen Woche auf ihre Kosten. Auch für junge Fachkräfte ist mit einer Jobbörse etwas geboten, außerdem gibt es Filme aus Nordrhein-Westfalen („Kino am Rhein") und junge Autoren lesen aus ihren Werken im Rahmen der „Langen Nacht der deutschen Literatur" im Loft „Skorochod". Daniel Ricco sagt, dass Philosophie und Literatur in besonderer Weise mit Deutschland verbunden werden, weil sie in der russischen Schulbildung eine große Rolle einnähmen.

„Und gleichzeitig wollen wir mit unseren Veranstaltungen überraschen und eigene Akzente setzen", erklärt der Leiter des Petersburger Goethe-Instituts, Friedrich Dahlhaus. So wird mit Peter Heppner ein Vertreter des deutschen Synthie-Pops geboten. Bekannt wurde Heppner durch seine Zusammenarbeit mit der Gruppe „Schiller" und dem bekannten DJ Paul van Dyk. Außerdem gibt es, ebenfalls unter der Ägide des Goethe-Instituts, eine Ausstellung im staatlichen Zentrum für Fotografie, ROSFOTO, zum Thema „Die Stadt. Vom Werden und Vergehen". Die 250 Fotografien sind noch bis zum 18. Mai zu sehen. So lange geht die Deutsche Woche in St. Petersburg nicht – sie endet am 28. April.

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