Medienkritik nach Belgorod-Blutbad

Sechs Menschen waren dem Amoklauf eines Einwohners der südrussischen Stadt Belgorod zum Opfer gefallen. Foto: RIA Novosti

Sechs Menschen waren dem Amoklauf eines Einwohners der südrussischen Stadt Belgorod zum Opfer gefallen. Foto: RIA Novosti

Tragen die Medien mit ihrer Berichterstattung in allen Einzelheiten indirekt dazu bei, dass sich Attentate und Amokläufe häufen? In Russland ist über die Rolle der Medien eine Debatte entbrannt. Politiker der LDPR fordern mediale Zurückhaltung und ein liberaleres Waffenrecht.

Es wird nie gelingen, Massenmorde aufzuhalten, solange die Medien in allen Einzelheiten über sie berichten. Diese Position vertritt der russische Politiker Wladimir Schirinowski. Sechs Menschen waren dem Amoklauf eines Einwohners der südrussischen Stadt zum Opfer gefallen.

„Dieser Art von Verbrechen werden wir niemals Einhalt gebieten, weil es einen krankhaften Geltungsdrang gibt. Man möchte so aus dem Leben gehen, dass mindestens zwei oder drei Wochen über einen geredet wird.

So war es in Boston, so in Belgorod", erklärte der Vorsitzende der Liberal-Demokratischen Partei, der es mit seinen Skandaläußerungen zu einer gewissen Berühmtheit brachte.

Am Montag gegen 14.00 Uhr Ortszeit betrat der tatverdächtige 32-jährige Einwohner Belgorods Sergej Pomasun das Waffengeschäft „Ochota" und erschoss drei Verkäufer. Dann ging er auf die Straße und eröffnete das Feuer auf Passanten. Von dem Feuer erfasst wurden eine vierzehnjährige Schülerin und ein sechzehnjähriger Bewohner der Stadt. Des Weiteren starb im Kugelhagel auch ein 49-jähriger Mann. Danach setzte sich der Täter in einen Geländewagen und verließ den Ort des Geschehens.

Nach Polizeiangaben war Pomasun mit einem halbautomatischen Karabiner des Typs Wepr im Kaliber von 7,62 mm bewaffnet, einer Kalaschnikow-Weiterentwicklung.

„Ich habe immer dazu aufgerufen, den Informationsfluss zu stoppen. Ihr vervielfältigt die Massenmorde. Die Attentäter sehen, dass der ganzen Welt der Atem stockt und wollen selbst im Rampenlicht stehen", bemerkte Schirinowski in einem Gespräch mit Journalisten über den Vorfall in Belgorod.

Je mehr Informationen dieser Art in allen Details verbreitet werden, desto mehr Verbrechen dieser Art wird es geben, so seine Analyse. Der Parlamentarier kritisierte, es werde jeden Tag im Land geraubt und gemordet, die Medien aber berichteten nicht über jeden Fall. Kaum aber ereigne sich ein Massenmord, würden alle Einzelheiten öffentlich gemacht.

Am Dienstag sprach sich der Dumaabgeordnete für LDPR Wladimir Owsjannikow für ein Gesetz aus, das den Erwerb, das Beisichführen und den Gebrauch von kurzläufigen Waffen erlaubt. „Wenn zum Tatzeitpunkt in Belgorod zwei oder drei mit einer Waffe für Zwecke der Selbst- und Fremdverteidigung ausgerüstete Männer vorbeigegangen wären, dann hätten sie mit Sicherheit von ihrer Waffe Gebrauch gemacht, um diesen Verbrecher von seinen Taten abzuhalten", erklärte Owsjannikow gegenüber RIA Nowosti. „Wir haben das Recht auf Selbstverteidigung verloren. Darin liegt das Problem unseres Staates", resümierte der Parlamentarier. Zuvor hatte die LDPR bereits einen Gesetzentwurf in die Duma eingebracht, das Zivilpersonen zum Beisichführen kurzläufiger Waffen berechtigen solle, war damit aber gescheitert.

Die Motive für das Verbrechen sind den Ermittlungsbehörden noch nicht bekannt. Nach vorläufigem Informationsstand war der Tatverdächtige bereits zuvor zu strafrechtlicher Verantwortung gezogen und zu vier Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Wie die Zeitung Kommersant berichtet, wurden bereits psychische Auffälligkeiten bei dem Tatverdächtigen festgestellt.

In Belgorod leben etwa 400 000 Menschen. Die Stadt liegt im Süden des europäischen Russlands, 700 Kilometer von Moskau und 40 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.

 

Nach Materialien von RIA Novosti und der Zeitung Kommersant.

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