Mehr Berufssoldaten für Russlands Armee

Die Gesamtzahl der Armeeangehörigen in Russland beträgt zur Zeit etwas mehr als eine Million. Foto: ITAR-TASS

Die Gesamtzahl der Armeeangehörigen in Russland beträgt zur Zeit etwas mehr als eine Million. Foto: ITAR-TASS

Der Anteil der Berufssoldaten in der russischen Armee soll erheblich ausgebaut werden. Die Zeichen stehen gut, denn der Beruf eines Soldaten hat in den letzten Jahren an Attraktivität zugelegt. Die Abschaffung der Wehrpflicht wird nicht angestrebt.

Das russische Verteidigungsministerium plant, die Zahl der Berufssoldaten in der Armee in den Diensträngen vom einfachen Soldaten bis zum Feldwebel auf eine Stärke von 425.000 Personen anzuheben. Das sind faktisch zwei Drittel der Grundwehrdienstleistenden. Die Gesamtzahl der Armeeangehörigen in Russland beträgt etwas mehr als eine Million.

Die neue Initiative wurde auf der jüngsten Sitzung des Verteidigungs- und Sicherheitsausschusses des Föderationsrates verkündet. Einen Übergang zu einer reinen Berufsarmee und die Abschaffung der Wehrpflicht bedeuten die Beschlüsse allerdings nicht.

Die Bemühungen um mehr Berufssoldaten laufen bereits seit 2004, allerdings bis vor Kurzem ohne nennenswerte positive Effekte. Einer der wichtigsten Gründe dafür war die ausgesprochen geringe Attraktivität des

Militärdienstes unter den Jugendlichen, alleine schon, was die Besoldung betraf. Während das Durchschnittsgehalt im Lande in den 2000er Jahren annähernd 18.000 Rubel (etwa 450 Euro) betrug, wurde den Berufssoldaten ein Anfangsgehalt von 8.000 Rubel (200 Euro) angeboten.

Aufgrund der geringen Attraktivität des Berufes erhielt die Armee also die gleiche Qualität des Personals wie bei den Grundwehrdienstleistenden, jedoch im Vergleich zu deren niedrigem Sold zu wesentlich höheren Kosten. Im Endeffekt brachten diese Berufssoldaten keinerlei Verbesserung der Gefechtsbereitschaft der Armee mit sich.

Der Umschwung setzte im vergangenen Jahr ein. Im Rahmen der vom damaligen Verteidigungsminister Serdjukow durchgeführten Armeereform wurde am 1. Januar 2012 im Verteidigungsministerium eine neue Besoldungsordnung eingeführt. In deren Zuge wurde die finanzielle Vergütung der Berufssoldaten auf bis zu 30.000 Rubel (750 Euro) angehoben. Unter bestimmten Bedingungen kann sie sogar 50.000 Rubel

(1250 Euro) überschreiten. Somit nähert sich der Sold russischer Berufssoldaten mittlerweile dem Vergütungsniveau von Soldaten und Feldwebeln der führenden Armen der Welt an. Der Dienst auf Zeit ist nun auf dem Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig geworden.

Einen weiteren Durchbruch stellt auch die Änderung des sozialen Status' der Berufssoldaten in der Armee dar. Anstelle einer Unterkunft in der Kaserne bekommen sie jetzt eine Zweizimmerwohnung mit allem Komfort angeboten. Verheirateten Armeeangehörigen gestattet das Verteidigungsministerium es zudem, außerhalb des Armeeobjektes zu wohnen, wobei ein Teil der Wohnkosten durch die Militärbehörde getragen wird.

Auch die Dienstordnung erfuhr eine Veränderung. War es den Berufssoldaten früher untersagt, das Objekt ohne Genehmigung des Kommandeurs zu verlassen, so ist dies jetzt ohne weiteres möglich, wenn nicht gerade eine Übung zur Aufrechterhaltung der Gefechtsbereitschaft durchgeführt wird. Die berufsmäßigen Armeeangehörigen haben einen Qualifizierungsanspruch und können eine Hochschulausbildung erwerben, dass von der Armeeführung als wesentlich für den Karriereaufstieg angesehen wird.

Dank der durch das Verteidigungsministerium durchgeführten Maßnahmen gelang es, alle technologisch anspruchsvollen Positionen in der russischen Armee faktisch vollständig mit Berufssoldaten zu besetzen.

Auf die Wehrpflicht hat die Aufstockung der Zahl der Berufssoldaten keine Auswirkungen. Dabei ist die Finanzierung nicht einmal das wichtigste Argument. Denn das Geld, das gegenwärtig für die Anwerbung von Berufssoldaten ausgegeben wird, übersteigt bei weitem den 2004 vom Generalstab angeforderten Betrag für den vollständigen Übergang zu einer Berufsarmee.

Wichtiger für das Festhalten am Grundwehrdienst ist die im Verteidigungsministerium vertretene Position, dass das Land im Falle einer großangelegten militärischen Auseinandersetzung eine Mobilisierungsreserve benötigt. Diese lässt sich allerdings nur auf ein eine einzige Weise gewährleisten – durch die Beibehaltung der Wehrpflicht.

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