Rückkehr der Subbotniks

In den letzten Jahren  gewannen  die Subbotniks, die Aktionen zur Säuberung öffentlicher Plätze und Parkanlagen, wieder an Popularität. Foto: Pressebild

In den letzten Jahren gewannen die Subbotniks, die Aktionen zur Säuberung öffentlicher Plätze und Parkanlagen, wieder an Popularität. Foto: Pressebild

Firmen und Bürgerinitiativen lassen den Subbotnik wieder aufleben. In den russischen Städten bilden sich freiwillige Brigaden, die Grünflächen und Parkanlagen säubern und verschönern.

Valentina Woltschenkowa, eine 20-jährige Studentin, die in einem der Moskauer Kaffeehäuser jobbt, nahm am 20. April zusammen mit 460 anderen Freiwilligen an einem Firmen-Subbotnik im Park Museon teil.

Die Subbotniks, wie die freiwilligen gemeinnützigen Arbeitseinsätze zur Verschönerung des öffentlichen Raums während der Frühlingszeit heißen, werden in der Regel an einem Samstag durchgeführt. Daher stammt auch

die Bezeichnung, denn im Russischen heißt der Samstag Subbota. Diese Tradition ist mittlerweile fast einhundert Jahre alt. Es heißt, im Jahre 1919 hätten am ersten Moskauer Subbotnik, zu dem der Führer der erst kurz zuvor an die Macht gelangten Bolschewiken, Wladimir Lenin, aufgerufen hatte, 15 Freiwillige teilgenommen. Ein Jahr später waren es bereits 425 000.

Zu Sowjetzeiten waren die Subbotniks im Land allgegenwärtig. Nach dem Untergang der UdSSR ließ die Aktivität der Freiwilligen schlagartig nach. In den letzten Jahren allerdings gewannen diese Aktionen zur Säuberung öffentlicher Plätze und Parkanlagen wieder an Popularität. Nach den Worten des stellvertretenden Bürgermeisters der Stadt Moskau, Pjotr Birjukows, kamen zum diesjährigen „Frühjahrsputz" in Moskau bis zu 1,3 Millionen Menschen.

„Nahezu alle bei uns wollten teilnehmen, aber das Café kann ja schließlich nicht zumachen. Deshalb haben wir vereinbart, dass ein Teil von uns heue geht und die restlichen am nächsten Samstag", sagt Valentina Woltschenkowa. Der nächste Subbotnik ist für das nächste Wochenende in Sokolniki, einem anderen Moskauer Park geplant. Kaum, dass der Schnee weggetaut ist, befreien die Freiwilligen die Wiesen und Wege von Müll und Laub, streichen die Parkbänke und pflanzen sogar neue Blumen in den Anlagen.

„Das ist natürlich toll – wir ziehen am Samstag mit dem Rechen aus und sitzen nicht zu Hause herum", sagt Anna Sajtschenko, eine von fünf Kommilitonen Valentinas, die in den Museon-Park gekommen sind. Am Subbotnik vor zwei Jahren nahmen 60 Personen teil, im vergangenen Jahr waren es bereits 360.

 

Das Subbotnik-Geschäft

„Die Entwicklung ist an sich recht typisch für eine Gesellschaft mit westlichen Werten, zu denen auch eine nachhaltige Entwicklung zählt", meint Ökomarktforscherin Olga Borté: „In Russland selbst sind große internationale Firmen, die im Westen ‚grüne' Werte propagieren, nicht sehr heiß darauf, sich an solchen Aktionen zu beteiligen. Die Situation ändert sich jedoch allmählich."

Russische Unternehmen, so Olga Borté, führen in der Regel einen Subbotnik pro Jahr durch, wenn sie einmal eine „ungewöhnliche Form des Teambuildings" ausprobieren wollen. Die Organisation von Firmen-Subbotniks beginnt, sich in Russland als ein eigenständiges Geschäftsfeld zu etablieren.

„Für das ‚grüne' Thema interessieren sich fortschrittliche Unternehmen, die nach neuen Wegen zur Stimulierung ihrer Mitarbeiter suchen", erläutert Roman Sablin, der Gründer des Büros für ökologische Lösungen GreenUp. Roman koordiniert Öko-Events: von Firmenmitarbeitern durchgeführte „Reinemachaktionen" und dem Anpflanzen von Bäumen in öffentlichen Anlagen. Vor jeder Veranstaltung führen Roman und seine Kollegen eine Unterweisung der Unternehmensmitarbeiter durch, bei der sie erklären, welche Arten von Abfall anfallen und wie aus diesem der Glas-, Metall- und Plastikmüll aussortiert wird. Der Rest wird dann in gesonderte Säcke abgefüllt und zur Mülldeponie gebracht.

„Viele fassen das als eine willkommene Ablenkung auf. Man verbringt eine tolle Zeit miteinander, unterhält sich. Aber nicht wenige beginnen nach einer solchen Aktion, den Müll auch zu Hause zu trennen", versichert Roman Sablin: „Es gibt noch einen weiteren wichtigen psychologischen Effekt: Dort, wo es sauber ist, wird 50 Prozent weniger Müll auf die Straße geworfen."

Roman Sablin zufolge wächst das Interesse an der Ökologie, doch viele Firmenangestellte machen sich nicht allzu viel Sorgen um den Umweltschutz, da sie bereits mit ihren alltäglichen Aufgaben überlastet sind.

Motivieren ließen sie sich mithilfe einer ökologischen Aufklärung. Roman Sablin führt als Beispiel den Großen Pazifikmüllfleck an. „Die Leute sind schockiert, wenn ich ihnen Fotos dieser riesigen, einhundert Meter hohen Welle aus Plastik zeige, die auf Pazifikinseln angeschwemmt wird", sagt er. „Das ist ein Konglomerat aus Plastikbeuteln, Zigarettenstummeln, Flaschen und sonstigem Unrat, die zu 80 Prozent vom Festland dorthin geschwemmt werden. Ich erkläre ihnen: Leute, eure Plastikflasche, die ihr nicht entsorgt habt, landet möglicherweise in fünf bis zehn Jahren an eben diesen Ort."

 

Bürgerbewegung Subbotnik

Neben den Firmen-Subbotniks werden auch immer mehr Aktionen von Bürgerinitiativen organisiert, die sich zu diesem Zweck zusammenschließen. Eine dieser Bewegungen mit der Bezeichnung "Musora bolsche net" (sinngemäß: „Schluss mit der Verschmutzung!"), existiert seit 2004 und vereinigt Aktivisten aus über einhundert Städten Russlands und fünf weiteren GUS-Mitgliedern.

„Alles begann damals in unserem Kiez: Die Straßenkehrer fegten nur vor den Häusern, aber um die Spielplätze kümmerte sich niemand. Wir wollten jedoch, dass es auch da sauber und gemütlich ist", sagt Denis Stark, der 35-jährige Gründer der Bewegung, der von Beruf Bankberater ist.

Vor knapp zehn Jahren führte er die erste Aktion in seiner Heimatstadt Sankt Petersburg durch. Zu den acht Organisatoren gesellten sich damals gerade einmal zehn Helfer. Auf eigene Kosten mietete Denis einen Laster an, um den Müll wegzuschaffen. 2010 nahmen an dem von ihm organisierten jährlichen gesamtrussischen Subbotnik bereits 1 500 Menschen teil, 2011 waren es 9 000 Teilnehmer und im vergangenen Jahr 85 000.

Im September dieses Jahres wird die Bewegung "Musora bolsche net" wieder einen gesamtrussischen Subbotnik durchführen, dieses Mal im Rahmen der weltweiten Aktion World Cleanup 2013. Die erste Maßnahme dieser Kampagne in Russland war die Aktion „Sauberes Eis auf dem Baikalsee" am 30. März. Es sammelten 260 Freiwillige 98 Säcke Müll auf einer Fläche von drei Quadratkilometern.