Deutschland-Russland-Jahr: Ein positives Fazit

Der Botschafter Deutschlands in Russland Ulrich Brandenburg. Foto: ITAR-TASS

Der Botschafter Deutschlands in Russland Ulrich Brandenburg. Foto: ITAR-TASS

Das Jahr Deutschlands in Russland ist beendet. Der Botschafter Deutschlands in Russland Ulrich Brandenburg zieht ein positives Fazit über die etwa tausend Veranstaltungen in mehr als fünfzig russischen Städten.

Herr Botschafter, am 1. Juli endete das gegenseitige Jahr Russlands und Deutschlands, das unter dem Motto „Deutschland und Russland: zusammen die Zukunft gestalten“ stand. Im Rahmen dieses Jahres wurden Kulturevents, Veranstaltungen zu Fragen der Migration und Integration sowie öffentliche Diskussionen zu politischen Themen auf den Gebieten des Gesundheitswesens und des Urheberrechtes durchgeführt. Glauben Sie, dass diese Veranstaltungen Früchte tragen werden?

Das Jahr Deutschlands in Russland 2012/2013 und das zeitgleich durchgeführte Jahr Russlands in Deutschland spiegeln die Qualität und die Tiefe unserer gegenseitigen Beziehungen wieder. Unsere Zusammenarbeit mit Russland ist mittlerweile sehr vielfältig. Unsere Gesellschaften und Volkswirtschaften sind eng miteinander verflochten. In den letzten zehn Jahren wurden sehr enge Kontakte geknüpft, auf deren Grundlage ein intensiver und kontinuierlicher Dialog zwischen unseren Regionen, Städten und Kommunen, zwischen gemeinnützigen Organisationen, Kirchen und Vereinigungen, zwischen Schülern, Studenten und Wissenschaftlern entstand. Dabei werden auch heikle Themen nie außen vor gelassen und Meinungsverschiedenheiten – sofern sie auftreten – diskutiert.

Wie bewertet die deutsche Seite die in Deutschland durchgeführten Veranstaltungen des Russland-Jahres?

Das vielfältige Veranstaltungsprogramm, das in verschiedenen Städten Deutschlands realisiert wurde, erfreute sich eines sehr großen Zuspruchs und findet sehr positive Resonanz. Als Beispiel eines besonders erfolgreichen Projektes kann die dank der engen Zusammenarbeit führender deutscher und russischer Museen durchgeführte Ausstellung Russen und Deutsche: 1000 Jahre Kunst, Geschichte und Kultur genannt werden. Alleine in Berlin wurde sie von etwa 300 000 Menschen besucht, was als großer Erfolg bezeichnet werden kann.

Welche der Veranstaltungen in Russland empfanden Sie als interessant?

Jede der etwa tausend Veranstaltungen in den mehr als fünfzig russischen Städten war auf ihre Weise interessant. Das Programm war sehr vielseitig und breitgefächert, jeder konnte etwas nach seinem Geschmack finden.

Ich versuchte, eine vernünftige Balance zu finden und nahm an Veranstaltungen teil, die in Moskau und St. Petersburg stattgefunden haben, aber auch in Nischnij Nowgorod, Ufa, Wladiwostok oder Wolgograd. So habe ich zum Beispiel das gemeinsame Konzert der Osnabrücker und Wolgograder Sinfonieorchester anlässlich des 70. Jahrestages der Schlacht um Stalingrad, ein Gastspiel des Stuttgarter Balletts im Bolschoi-Theater oder das deutsch-russische Straßenfestival in Nischnij Nowgorod besucht. Ich hätte mit größtem Vergnügen auch an vielen anderen Veranstaltungen teilgenommen, doch ab und zu muss ich ja auch in meinem Moskauer Büro auftauchen.

Was hat Sie bei Ihren Reisen durch Russland am meisten beeindruckt?

Ich bin bereits vor dem Beginn des Deutschland-Jahres sehr viel durch Russland gereist. Die Deutsche Botschaft unterhält sehr intensive Kontakte zu den russischen Regionen. Der Hauptakzent des Deutschland-Jahres in Russland lag bis Ende 2012 auf Veranstaltungen in Moskau und St. Petersburg. Im Jahre 2013 fanden die Veranstaltungen jedoch überwiegend in den Regionen statt. Der Auftakt erfolgte Anfang Februar mit einem Konzert in Wolgograd und einer ganzen Reihe weiterer Veranstaltungen in Jekaterinburg. Während meiner Reisen durch das Land beeindruckt mich immer wieder die Offenheit der Menschen in Bezug auf Deutschland.

Sie sagten, dass 2012 als ein Rekordjahr hinsichtlich der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Russland und Deutschland bezeichnet werden kann. Wie wird Ihrer Meinung nach die Bilanz für dieses Jahr ausfallen?

2012 ist wirklich zu einem weiteren Rekordjahr für die deutsch-russischen Handels- und Wirtschaftsbeziehungen geworden. Laut unserer Statistik betrug der Gesamtumfang des bilateralen Handels zwischen unseren Ländern 80,5 Milliarden Euro, was einem Wachstum um 7 Prozent  im Vergleich zu 2011 entspricht. Aber ich möchte noch eine andere Zahl nennen, die mich sehr beeindruckt hat. Entsprechend einer Einschätzung der Deutsch-russischen Außenhandelskammer betrug im Jahre 2012 der Umsatz der etwa 6 100 deutschen Unternehmen bzw. Unternehmen mit deutscher Beteiligung in Russland nahezu 40 Milliarden Euro. Dieser Wert ist auch ein Rekord. Anfang 2013 wuchs der Umfang des deutsch-russischen Handels um nahezu 5 Prozent. Zwar fällt dieser Wert etwas geringer aus als in den letzten drei Jahren. Nichtdestotrotz bin ich positiv gestimmt, dass auch das Jahr 2013 für unsere bilateralen Wirtschaftsbeziehungen erfolgreich verlaufen wird. Besondere Hoffnungen knüpfe ich an das Wachstum der strategischen Tätigkeit deutscher Unternehmen in Russland.

Wie lässt sich die Tatsache erklären, dass sich die gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Russland und Deutschland immer mehr intensivieren?

Ich denke, dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen. Dank der Modernisierung der Wirtschaft wird Russland im Prinzip immer interessanter für deutsche Unternehmen. Ich möchte ein Beispiel anführen: Die deutsche Regierung unterstützt die Beteiligung deutscher Unternehmen an ausländischen Messen durch die Organisation von Gemeinschaftsständen. Seit Anfang 2013 gibt es in Moskau keinen Platz mehr auf diesen Gemeinschaftsständen. Das heißt, es wollen mehr Firmen teilnehmen, als es Platz gibt. Und umgekehrt: Die erfolgreiche Präsentation Russlands als Partnerland auf der Hannovermesse hat gezeigt, dass das Interesse russischer Unternehmen an den Beziehungen zu Deutschland ständig wächst.

 

Die ungekürzte Fassung des Interviews erschien zuerst in der Zeitung Rossijskaja Gaseta.

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