Wie man in Russland Handykonten abzockt

Foto: Reuters

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Die Handykonten der Russen sind ein begehrtes Ziel für Betrüger. Wir stellen die fünf häufigsten Methoden vor und berichten über die Schutzmaßnahmen, die Betreiber und Politik ergreifen.

Rund 230 Millionen Euro jährlich buchen Betrüger mithilfe verschiedener Tricks von den Handykonten der russischen Mobilnetz-Kunden ab. Auch die Mobilfunkbetreiber haben hierdurch Verluste in dieser Größenordnung. Um die Kunden zu schützen, hat die Staatsduma Änderungen im Telekommunikationsgesetz verabschiedet. Durch diese werden die Kunden ab 2014 verpflichtet, ein gesondertes Handykonto allein zur Bezahlung zusätzlicher Dienste („Paid Content“) einzurichten.

Auch wenn die Methoden der Geldabzocker jeden Tag ausgefeilter werden: Einige der gängigsten funktionieren schon seit Langem und obwohl sie bekannt sind, bringen sie den Übeltätern noch immer viel Geld ein. Hier sind die fünf am weitesten verbreiten Arten des SMS-Betrugs in Russland.

1. SMS-Mitteilungen mit der Bitte um Geldüberweisung. Die Betrüger geben sich als Verwandte aus, die in eine heikle Situation geraten sind und deshalb dringend Geld benötigen. „Mama, zahl 50 Euro auf mein Handykonto, ich erklär dir alles später“, ist der häufigste Wortlaut. Man rechnet damit, dass das Opfer in dieser Stresssituation nicht versuchen wird, weiter nachzufragen. Oder die Kriminellen bedienen sich einer weiteren Methode: Von einer fremden Nummer  wird eine Nachricht über den Eingang eines bestimmten Guthabens auf dem Konto des Opfers verschickt. Kurze Zeit später klingelt das Handy und der Gesprächspartner sagt, dass er eine Zahl bei der Nummer verwechselt habe. Daraufhin folgt die Bitte, man möge die Summe bitte auf ein anderes Konto überweisen. Die Wenigsten überprüfen ihren Kontostand und merken, dass die SMS über das Guthaben überhaupt nicht vom Mobilfunkbetreiber kam.

2. Eine weitere beliebte Betrugsmethode rechnet ebenfalls mit menschlicher Schwäche. Der Kunde bekommt eine SMS mit der Nachricht über einen Gewinn, angeblich von der Mobilfunkgesellschaft oder von einem Radiosender. Vom Gewinn trennt einen nur noch ganz wenig – man müsse nur eine SMS an eine Nummer schicken oder anrufen. Dabei wird natürlich Geld vom Konto eingezogen.

3. Auf dem dritten Platz steht eine Betrugsmethode, die mit dem Blockieren des Computers zu tun hat. Beim Besuch gewisser Seiten öffnet sich auf dem Bildschirm ein Fenster mit dem Text „Ihr Computer ist gesperrt, zur Entsperrung schicken Sie eine SMS an die Nummer...“ Man kann das Fenster auch einfach selbst schließen, aber nicht jeder Nutzer weiß das. Das nutzen die Betrüger natürlich aus.

4. Auf Platz vier steht die SMS mit Links, bei denen es sich um Betrug oder Spam handeln kann oder für die man beim Aufrufen einen höheren Tarif zahlt. Folgt man dem Link in der SMS von einem unbekannten Sender mit dem Text „Sie haben eine Postkarte bekommen. Um sie zu öffnen, folgen Sie dem Link“, kann man leicht sein ganzes Guthaben auf dem Konto und sogar mehr verlieren, falls man es überziehen kann.

5. In letzter Zeit ist die Gier der SMS-Betrüger noch größer geworden und sie geben sich nicht mehr mit kleineren Beträgen zufrieden. Man erfand Methoden, mit denen man sogar Zugang zur Kreditkarte des Opfers erhält. Weit verbreitet ist eine SMS-Nachricht über eine angebliche Sperrung der Kreditkarte und die Abfrage der persönlichen Daten, um diese zu entsperren. Die Banken warnen ihre Kunden immer wieder davor, PIN-Codes oder persönliche Daten per SMS oder Telefon weiterzugeben, leider denkt nicht jeder Kunde immer daran.

Schutzmaßnahmen von Politik und Wirtschaft

Nach dem neuen Gesetz müssen die Kunden jetzt ein gesondertes Handykonto zur Bezahlung von zusätzlichen Handy-Diensten (Paid Content) einrichten. So kann Geld nur von diesem Konto und nur in Höhe des Kontostands eingezogen werden. Nach Meinung der Experten bleibt die Frage nach der Effizienz dieser Schutzmaßnahme aber offen. Die Möglichkeit eines totalen Zusammenbruchs des Marktes für Paid Content ist nicht ausgeschlossen, denn es ist unklar, ob die Kunden wirklich ein eigenes Konto für diese Inhalte einrichten werden.

Die Mobilfunkbetreiber selbst versuchen ebenfalls, ihre Kunden vor Betrug zu schützen, aber das hilft auch nicht immer. „Die Mobilfunkbetreiber haben einige grundlegende Methoden ihre Kunden zu schützen, sind hierfür aber immer auf die Mithilfe ihrer Kunden angewiesen. Daher sind ihre Versuche nicht immer effektiv“, sagt Timur Nigmatullin, Analyst bei Investcafé. Wichtige Kanäle hierfür seien beispielsweise Hotlines oder die Aktivitäten der Firmen in sozialen Netzwerken.

Man benutzt auch sogenannte SMS-Lines. Zum Beispiel ermöglichen die Betreiber VimpelCom und MTS, verdächtige SMS an sie weiterzuleiten, wo sie von Spezialisten überprüft werden. „MTS garantiert bereits die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften, nach denen die Kunden über die Kosten der Dienstleistungen und ihre Inhalte informiert werden müssen“, sagt  Dmitrij Solodownikow, Vorsitzender von MTS, und führt weiter aus: „2012 haben wir das System eingeführt, das den Kunden schon während der Bestellung eines Abonnements über alle Kosten informiert. Außerdem haben wir alle Informationen über die Schritte der Abwicklung des Abonnements auf unsere Webseite gestellt.“ Das Unternehmen MegaFon stellt eine spezielle Webseite zur Verfügung, wo alle Informationen zu verschiedenen Betrugsmethoden gelistet und Betroffene selbst auf ähnliche Fälle hinweisen können.

Die wichtigste Methode im Kampf gegen die Abzocke stellt jedoch das Blockieren der von den Betrügern benutzten Nummern dar. Angaben von MTS zufolge blockiert das Unternehmen jeden Tag durchschnittlich eine Million Nachrichten. Die Unterstützung von staatlicher Seite beim Schutz der Kunden vor den SMS-Betrügern können die Mobilfunkbetreiber nur begrüßen. „Wir hoffen, dass uns die gesetzliche Regulierung der Bereitstellung von Content-Dienstleistungen beim Kampf gegen die gewissenlosen Anbieter hilft“, so Solodownikow.

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