Russland baut Gratis-WLAN aus

In Moskau  wurden 1 413 WLAN-Hotspots registriert, von denen 1 178 kostenlosen und 235 bezahlten Internetzugang anbieten. Foto: PhotoXPress

In Moskau wurden 1 413 WLAN-Hotspots registriert, von denen 1 178 kostenlosen und 235 bezahlten Internetzugang anbieten. Foto: PhotoXPress

Die öffentliche Hand baut in Partnerschaften mit Mobilfunkanbietern das drahtlose Internet in Russlands Großstädten aus. In den Metropolen geht es online von der Uni durch den Park in die Metro.

Russlands Bevölkerung zählt 147 Millionen Einwohner. Davon sollen etwa 57 Millionen das Internet nutzen. Jeder Dritte geht laut Statistiken für das Jahr 2010 über ein Smartphone oder ein anderes mobiles Gerät online. Somit gibt es etwa 19 Millionen potenzielle Nutzer von kostenlosen WLAN-Stationen. Die Mehrheit dieser „smarten" Internetuser wohnt in Großstädten. Das ist nicht verwunderlich, denn in den Millionenstädten befindet sich das Angebot des kostenlosen WLAN-Zugangs in einer aktiven Entwicklungsphase.

Laut Angaben der Webseite wifi4free.ru gibt es die meisten WLAN-Hotspots in Russlands Hauptstadt Moskau. Dort wurden 1 413 solcher Zugangspunkte registriert, von denen 1 178 kostenlosen und 235 bezahlten Internetzugang anbieten. Die Hauptstadt verdankt ihre führende Position in Sachen Gratis‑WLAN allerdings nicht zuletzt ihrem reichen Angebot an Restaurants und Hotels. Doch auch in anderen Städten findet man kostenfreie WLAN-Stationen gerade in Dienstleistungsunternehmen und -einrichtungen.

Zudem gibt es noch einige andere Bereiche, in denen der kostenlose drahtlose Internetzugang bereits weit verbreitet ist, wie im öffentlichen Verkehr, in Bildungseinrichtungen und „grünen Zonen" wie Parks, Plätzen sowie anderen Orten, an denen man sich unter freiem Himmel entspannen kann.

 

Gratis‑WLAN in Bus, Straßenbahn und Trolleybus

Die Moskauer Stadtregierung begann im Juli 2011 damit, WLAN in Bussen und Trolleybussen zu testen, sodass man derzeit kostenlosen Zugang ins Internet auf einigen Strecken zwischen Selenograd und Moskau genießen kann. Als das Projekt initiiert wurde, rechnete man mit einer Testphase von etwa einem halben Jahr. Denn nach dem Testlauf hatte man geplant, alle Busse und Trolleybusse in Moskau mit einem Internetzugang auszustatten. Jedoch konnte dieses Vorhaben niemals in die Tat umgesetzt werden.

Dafür genießt man jetzt umso mehr kostenlose Internetzugänge in den öffentlichen Verkehrsnetzen anderer Städte. So ist der Mobilfunkanbieter MTS darum bemüht, sein WLAN‑Netz in den öffentlichen Verkehrsmitteln der Föderationskreise Ural, Sibirien, Wolga, Nordwest- und Zentralrussland auszubauen, indem er den Passagieren der städtischen Busse, Straßenbahnen, Trolleybusse, Taxis und Nahverkehrszüge gratis Zugangspunkte auf Basis einer 3G-Verbindung zur Verfügung stellt. Dabei sehe der Betreiber seinen Hauptkonkurrenten in diesem Bereich in dem Telekommunikationsanbieter Beeline.

„Derzeit werden Projekte im Bereich der Ausstattung von öffentlichen

Verkehrsmitteln mit WLAN in Murmansk, Kaliningrad, Petrosawodsk und Sankt Petersburg realisiert. Dort sind insgesamt mehr als 300 Verkehrseinheiten mit WLAN-Routern ausgestattet", erklärt Anna Abaschewa, Pressesprecherin von Beeline.

In den meisten Fällen seien die Gründe für die Zusammenarbeit zwischen den Stadtverwaltungen und den Telekommunikationsbetreibern nicht kommerzieller Natur. Die Firmen sorgen auf eigene Kosten dafür, dass die öffentlichen Verkehrsmittel mit kostenlosen Internetzugängen ausgestattet werden, wofür sie im Gegenzug Werbeflächen in den Innenräumen der Transportmittel erhalten.

 

Gratis-WLAN in der Moskauer Metro

Etwas komplizierter sieht es hingegen bei anderen ambitionierten Projekten im öffentlichen Verkehr aus, vor allem wenn es darum geht, die Moskauer Metro mit Gratis-Internetzugängen auszustatten. Ein solches Vorhaben würde den Internetbetreibern einiges an Investitionen abverlangen. Dabei sprechen unterschiedliche Quellen von 36 bis 160 Millionen Euro. Daher wollen potenzielle Investoren nicht überstürzt handeln und halten sich mit WLAN in den U-Bahnhöfen zurück.

So wurde die Ausschreibung zur WLAN-Ausstattung der Moskauer U-Bahnlinien schon zweimal verlängert. Die erste wurde am 21. Dezember 2012 veröffentlicht und sollte bis 15. Januar 2013 andauern. Das Ende der

Ausschreibungsfrist wurde anfangs auf den 28. Januar und später auf den 4. Februar verlängert, jedoch ist auch nach Ende der zweiten Frist keine Bewerbung eingetroffen. In den Medien wurde der Misserfolg damit erklärt, dass den Betreibern die Bedingungen nicht gepasst hätten. Die zu erwarteten Ausgaben in die Infrastruktur können sich laut Analysten nur schwer amortisieren.

Eine Quelle aus dem Verkehrsbund Moskaus berichtete der Nachrichtenagentur Interfax.ru, dass es Ende Juli 2013 eine neue Ausschreibung zur Ausstattung der Metro mit WLAN geben solle. Dabei nimmt man an, dass nach Ende der Ausschreibungsfrist das Unternehmen, das den Zuschlag erhält, ab Vertragsunterzeichnung im Laufe von 21 Wochen zur Inbetriebnahme von WLAN-Zugängen auf den Linien Kachowskaja und Kolzewaja (Ringlinie) verpflichtet ist. Im Laufe des Jahres sollen dann die U-Bahnpassagiere einen kostenlosen Internetzugang an allen Metrostationen haben, versprechen die Behörden.

Das Interessante bei der ganzen Sache ist jedoch, dass MTS regional bereits erfolgreich Erfahrungen gemacht hat. So stattete der Mobilfunkanbieter die U-Bahnhöfe der Stadt Nischni Nowgorod mit WLAN aus, wenn auch nur bei vier von insgesamt vierzehn Stationen.

 

WLAN beim Picknick im Park

Kostenlosen WLAN-Zugang bekommt man in 14 Moskauer Parks. 13 von ihnen, außer dem Gorki-Park, der vom Betreiber Yota mit Internet versorgt wird, verfügen über drahtlose Internetzugänge, die auf Kosten der Stadt finanziert werden. Zudem ist parallel zum städtischen WLAN in zwölf dieser Parks auch ein kostenloses Netz des Betreibers MegaFon in Betrieb.

In den Regionen werden auch Projekte realisiert, bei denen an öffentlichen Plätzen gratis WLAN-Hotspots aufgestellt werden. So gibt es beispielsweise

kostenlose WLAN‑Stationen, die vom Netz des Betreibers MTS gespeist werden, in den Skiregionen von Sachalin und der Oblast Nowgorod, ebenso in Orjol. Dort hat nämlich die Stadtverwaltung für das Aufstellen von WLAN-Routern in zwei Parks bezahlt. Auch in Ufa dürfen sich Internetbegeisterte in einigen Grünanlagen über kostenlose WLAN-Hotspots freuen. Die Stadt Tjumen ist sogar so weit, dass man in ihr ein ganzes Netz mit kostenlosen WLAN-Zugangspunkten hat einrichten lassen. Dieses Netz besteht aus 54 WLAN-Hotspots, die an jenen Orten der Stadt aufgestellt wurden, an denen sich gerne viele Menschen aufhalten: in Bahnhöfen und an öffentlichen Plätzen, in Sport- und Freizeitzentren, medizinischen sowie Bildungseinrichtungen.

 

Kostenloses Internet in Bildungseinrichtungen

Um die Verbreitung von kostenlosem Internet in russischen Bildungseinrichtungen zu fördern, wird bereits auf Regierungsebene Lobbying betrieben. So verfügen in Moskau derzeit 25 Prozent der Schulen über WLAN. Zu Beginn des neuen Schuljahrs soll es in allen allgemein bildenden höheren Schulen gratis WLAN geben. Diese Aufgabe wurde dem Betreiber MGTS anvertraut, dessen Vertrag auf zwei Jahre ausgelegt ist. MGTS hat so dafür zu sorgen, dass ein Content-Filtering-System in den Schulen nur jene Webseiten zulässt, die keine illegalen Inhalte oder „Inhalte für Erwachsene" enthalten.

Die Hauptstadt diskutiert zudem über die Möglichkeit, auch Hochschulen

auf Kosten des Stadtbudgets mit gratis Internetzugängen auszustatten. Die ersten kostenlosen WLAN-Zugangspunkte in den Hauptgebäuden der Moskauer Universitäten könnte es beispielsweise schon in zwei Jahren geben, versprach Sergej Sobjanin, der Bürgermeister der Hauptstadt.

In einigen Regionen werde das Problem, höherbildende Einrichtungen mit WLAN zu versorgen, dadurch gelöst, indem man Telekommunikationsanbieter anlockt. Als Beispiel dafür kann der Betreiber VimpelCom genannt werden, der eine Reihe von Hochschulen in Uljanowsk und Nischni Nowgorod mit WLAN ausstattet. Allerdings wurde in Nischni Nowgorod ein kostenloser WLAN-Zugang nur für die Studierende freigeschalten, deren Mobilfunkbetreiber Beeline ist.

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