Moskauer Märkte: Ein Genuss für alle Sinne

Wer die russische Vielfalt erleben oder einfach frische Lebensmittel erwerben möchte, sollte auf die Moskauer Märkte gehen. Foto: Reuters

Wer die russische Vielfalt erleben oder einfach frische Lebensmittel erwerben möchte, sollte auf die Moskauer Märkte gehen. Foto: Reuters

Die Vielfalt an köstlichen Spezialitäten aus allen Ländern der ehemaligen Sowjetunion findet man vor allem auf Wochenmärkten. Russland HEUTE gibt Tipps, wo es sich in Moskau hinzugehen lohnt und worauf man beim Einkauf achten sollte.

In letzter Zeit spricht und schreibt man in den russischen Medien viel über die Probleme auf den Moskauer Märkten. Die Themen sind vielfältig: Verstöße gegen die Handelsvorschriften, illegale Einwanderer bis hin zu Kriminalität. Dabei vergisst man aber, was diese Märkte eigentlich sind und welche Regeln dort herrschen. Unsere Korrespondentin Anna Lisowez hat deshalb versucht herauszufinden, wo es sich lohnt, Lebensmittel zu kaufen, und wo man nur zum Schlendern hingehen sollte.

Märkte in Russland sind wahrlich multikulturell. Für ausländische Besucher stellen sie bunte Drehscheiben kulinarischer Traditionen aus der ehemaligen UdSSR dar, da hier jede Nation des einst vereinten Staates seine kulinarischen Spezialitäten präsentiert: köstlich Eingelegtes, Beeren und marinierte oder frische Waldpilze findet man an den Ständen aus den zentralen Regionen Russlands.

Auf den Tresen der Händler aus den Regionen Woronesch, Lipezk, Rostow und dem Kuban-Gebiet findet man hingegen Leckerbissen wie Speck, Brustschinken, Wurstwaren und saftigen Beinschinken. Hier bekommt man auch Fleischwaren wie Spanferkel, Kalb- und Schweinefleisch.

An den dagestanischen und kalmückischen Ständen gibt es hingegen saftiges Lamm- und Pferdefleisch. Die besten kaukasischen Käse- und Gemüsesorten sowie Soßen wie scharfes Tqemali, würzige Adschika oder Sazebeli bekommt man an den georgischen Verkaufsständen. Wem diese Vielfalt zu wenig ist, kann sich von aserbaidschanischen Händlern paradiesische Früchte wie Granatäpfel, Kaki-Früchte, Feigen und Weintrauben oder von usbekischen Verkäufern verschiedenste getrocknete Früchte, Gewürze und Reis für die selbstgemachten Pilaw-Gerichte und gefüllten Weinblätter anbieten lassen.

Alle, die sich für Russland und seine Nachbarländer interessieren sowie die Feinheiten der einzelnen Küchen kennenlernen möchten oder auf der Suche nach passenden Zutaten sind, bekommen daher folgenden Tipp: Auf zu den Lebensmittelmärkten Russlands! Denn hier kann man nicht nur schauen, anfassen, riechen und kosten, sondern auch um den Preis feilschen.

 

Wochenmärkte, feste Märkte und Markthallen

Eine erste Bekanntschaft mit den russischen Lebensmittelmärkten macht man am besten auf den Wochenmärkten. Hierbei handelt es sich um kleinere Straßenmärkte, die neben U-Bahnstationen an Wochenenden geöffnet sind und am ehesten mit den Wochenmärkten in Europa zu vergleichen sind. Gehandelt wird hier direkt von Klein-LKWs aus, weswegen

die Auswahl zwar bescheidener ist als auf den großen, festen Märkten, man jedoch eine gute Auswahl an Fleisch, Eiern, Fisch, Käse, Wurst, Gemüse und Obst hat.

Die Chancen, hier Lebensmittel vom Hersteller selbst zu kaufen, sind allerdings sehr gering, da in der Praxis auf solchen Wochenmärkten öfter Zwischenhändler anzutreffen sind, deren Ware aus Gemüse und Obst besteht, die zuvor auf nahe gelegenen Großmärkten erworben wurde. Doch auch echte Bauern kommen auf solche Märkte: Imker und Verkäufer von Wurst, Speck und Räucherprodukten sowie gepökeltem, eingelegtem und getrocknetem Fisch bieten dort ihre Produkte an. Einen der besten Wochenmärkte gibt es in Moskau zwischen der Metrostation Prospekt Mira und dem Sportkomplex Olimpijskij.

Eine reichere Auswahl bieten die Stände der festen Märkte um die Moskauer Metrostationen Bagrationowskaja, Medwedkowo, Tekstilschiki, Tjoply Stan. Hier erinnern die Verkaufsstände an orientalische Basare: Überall stehen zur Hälfte überdachte Pavillons, die in kleinere Läden aufgeteilt sind. Genau wie auf einem Basar in Kairo ist es hier nicht besonders sauber und man trifft auf Taschendiebe, weswegen man einfache Sicherheitsvorkehrungen nicht vergessen sollte.

Auf solchen Märkten kauften früher die einfachen Bürger Moskaus ein. Die Ware, die man hier kauft, sollte man aber mit Vorsicht auswählen. Das ausgestellte Fleisch wird beispielsweise immer so präsentiert, dass es köstlich und frisch aussieht. Es ist zudem noch in Folie eingepackt, sodass selbst der pingeligste Käufer seine Mängel nicht gleich bemerkt. Selbiges

gilt auch für Gemüse und Obst: Während in der Vitrine alles schön aussieht, wird dem Kunden Ware ausgegeben, die unter der Theke gelagert wird.

Hier über den Preis zu verhandeln, hat keinen Sinn, und die Ware anzufassen oder gar über ihre Frische zu urteilen, ist nicht erlaubt. Gute Lebensmittel erhält man nur bei Ständen, wo die Ware nicht hinter Vitrinen lagert, sondern offen auf Verkaufstischen angeboten wird. Für frische Produkte garantieren dabei Bauern aus der Umgebung Moskaus.

Dann gibt es noch die alten, großen Markthallen wie die Märkte Danilowskij, Samoskworezkij, Tscheremuschkinskij, Rischskij und Dorogomilowskij. Auf letzterem kaufen beispielsweise auch die Betreiber der nobelsten Restaurants Moskaus ein. Hier gibt es schließlich die größte Auswahl an Lebensmitteln, wenn auch zu etwas höheren Preisen als in Supermärkten. Doch die stolzen Preise werden durch die hohe Qualität der Lebensmittel, durch das Sortiment und die Produktvielfalt, die man nirgends sonst bekommt, wieder gutgemacht. Hier gibt es auch sonst alles, was das Gourmet-Herz begehrt: Geschirr, Küchenutensilien und sonstige Dinge, mit denen man seinem kulinarischen Schaffen freien Lauf lassen kann. Für den Großeinkauf stehen hier außerdem (kostenpflichtige) Parkplätze, kostenfreie Einkaufswagen und Mitarbeiter, die einem gegen Bezahlung gerne den schweren Einkauf bis zum Auto tragen, zur Verfügung.

 

Regeln für einen erfolgreichen Einkauf

Es gibt allerdings einige einfache Regeln, die es auf den Märkten zu befolgen gilt. So sollte man nach Möglichkeit nicht den Verkäufer die Lebensmittel aussuchen lassen, sondern das selbst tun. Wenn Ihnen jemand etwas zum Probieren anbietet, dann bloß nicht schüchtern sein, im Gegenteil, man sollte sogar selbst danach fragen. Denn Riechen, Anfassen, Schauen und Probieren geht über Studieren!

Lernen Sie die Verkäufer kennen, deren Produkte Ihnen am besten gefallen, da man am Markt in erster Linie nicht die Ware aussuchen sollte, sondern denjenigen, der sie verkauft: den Metzger, den Gemüse-, Milch- und Käsehändler. Reden Sie mit dem Verkäufer, fragen Sie ihn, wie es ihm geht. Fragen Sie ihn auch danach, wie die Lebensmittel zubereitet werden.

Denn später, wenn Sie zum Stammkunden geworden sind, wird Ihnen der Händler nur seine beste Ware verkaufen, Preisnachlässe geben und sogar kleine Geschenke machen. Stammkunden sind eben die besten Kunden.

Darüber hinaus sollte man immer den gesamten Markt durchstöbern und dabei auf die Preise achten und diese miteinander vergleichen. Und stürzen Sie sich nicht sofort auf das erstbeste Gemüse, denn die Preise sind oft gesalzen und das gleiche Produkt könnte es an der nächsten Ecke günstiger geben. Außerdem: Sollte Ihnen etwas gefallen, dann erkundigen Sie sich zuerst nach dem Preis, zumal man so über diesen besser verhandeln kann. Erst dann sollte man über den Kauf entscheiden.

Einkaufen sollte man immer morgens, wenn die Ware gerade geliefert wurde und die Auswahl noch groß ist. Oder erst am Abend, denn dann sind die Verkäufer schon müde und die Lebensmittel, die noch übrig sind, müssen verkauft werden, da sie sonst verderben. Und das könnte einen beträchtlichen Preisnachlass für Sie bedeuten.

Ein letzter Tipp zum Abschluss: Das einzige Problem, das Sie haben werden, ist, dass Sie nicht ohne etwas gekauft zu haben, nach Hause gehen werden. Daher sollte man schon vorher überlegen, was man kochen möchte, und dazu eine Einkaufsliste erstellen.

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland