Terroranschlag in Wolgograd

Bei einem Selbstmordanschlag auf einen Linienbus sind in Wolgograd mindestens sechs Menschen getötet und 28 verletzt worden. Eine Frau aus Dagestan hat sich in dem vor allem von Studenten besetzen Bus in die Luft gesprengt.

Zweieinhalb Jahre war es ruhig, doch nun ist der radikalislamische Bombenterror gegen die russische Zivilbevölkerung auch außerhalb der Kaukasusregion wieder erwacht: Gegen 14 Uhr ereignete sich heute in der südrussischen Millionenstadt Wolgograd in einem innerstädtischen Linienbus eine heftige Explosion. Zahlreiche Businsassen wurden geradezu zerfetzt, viele erlitten schwere Verletzungen.

In ersten Berichten war von einer vermuteten Explosion eines Gastanks an Bord des Busses die Rede, doch alsbald klärte sich das Geschehen auf: Eine Selbstmordattentäterin hatte sich in dem fahrenden Bus der Linie 29 in die Luft gesprengt. Sie soll erst kurz zuvor an einer Haltestelle in den von der Universität kommenden, voll besetzten Bus zugestiegen sein.

Attentäterin mit Ausweis: Gattin eines Islamisten

Am Tatort fand sich der Ausweis der Frau: Demnach handelt es sich um die 30 Jahre alte Naida Achijalowa aus Dagestan. Nach Informationen aus Ermittlerkreisen war sie die Ehefrau eines Moskauers namens Dmitri Sokolow, der zum Islam übergetreten und sich in Dagestan dem radikalislamischen Untergrund angeschlossen haben soll.

Nach Angaben des Katastrophenschutzes zündete die Frau in dem Bus eine Handgranate, die sie offenbar am Gürtel trug. Vermutlich sollte die Explosion noch heftiger ausfallen, denn Sprengstofftechniker entschärften am Tatort mit einem Roboter eine zweite Granate, die nach der Explosion undetoniert unter dem Bus gefunden wurde. An dem Fahrzeug waren durch die Druckwelle sämtliche Türen und Fenster herausgedrückt worden.

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Am Nachmittag war von sechs Todesopfern des Anschlags die Rede. Eine inoffizielle Quelle beim FSB nannte aber die Zahl von zehn Toten. 27 oder 28 Menschen wurden verletzt, wobei fast alle von ihnen nicht transportfähig sein sollen. Der russische Katastrophenschutz schickte aber dennoch ein Sanitätsflugzeug nach Wolgograd, um Verletzte in Moskauer Spezialkliniken ausfliegen zu können. Bei den Opfern des Anschlags handelt es sich fast durchgängig um junge Leute unter 30 Jahren. Auch ein Kleinkind wurde verletzt.

Moskauer Bombenanschläge liegen drei Jahre zurück

Der letzte schwere Terroranschlag auf öffentliche Verkehrsmittel in Russland ereignete sich am 29. März 2010: Im Abstand von 45 Minuten zündeten Selbstmordattentäter in zwei Waggons der Moskauer Metro Bomben. 40 Menschen kamen ums Leben, etwa 80 wurden verletzt. Und im Februar 2011 hatte sich im Ankunftsbereich des Moskauer Flughafens Domodedowo ein Attentäter in die Luft gesprengt, der 37 Menschen mit in den Tod riss.

In den letzten ein bis zwei Jahren hatten die russischen Behörden immer wieder Erfolge im Kampf gegen den islamistischen Terroruntergrund im Kaukasus vermeldet. Zahlreiche Gruppen wurden in Gefechten aufgerieben oder ihre Mitglieder verhaftet. Dennoch kam es in der Region immer wieder zu Anschlägen auf Behörden, Polizisten oder Kontrollpunkte.

Die Wolgograder Behörden stoppten nach dem Terrorakt aus Sicherheitsgründen alle öffentlichen Verkehrsmittel in der Stadt und verordneten eine dreitägige Trauer.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Russland Aktuell.

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