Boris Becker unterstützt Spendengala in Moskau

Boris Becker (l.) mit dem Spitzensportler Alexei Nemow, der in Moskau eine Laureus-Gala zur Unterstützung sozialer Sportprojekte in Russland  veranstaltete. Foto: Dirk Besserer

Boris Becker (l.) mit dem Spitzensportler Alexei Nemow, der in Moskau eine Laureus-Gala zur Unterstützung sozialer Sportprojekte in Russland veranstaltete. Foto: Dirk Besserer

Der ehemalige Spitzengymnast Alexej Nemow veranstaltete eine Laureus-Gala zur Unterstützung sozialer Sportprojekte in Russland. Ehrengast war Boris Becker, Gründungsmitglied der Laureus Foundation.

In Russland werfen große Sportereignisse ihre Schatten voraus. Die Olympischen Winterspiele und das erste Formel-1-Rennen 2014 in Sotschi sowie die Fußballweltmeisterschaft 2018 sind nur die herausragenden Beispiele. Sport ist hochemotional, verbindet und vereint über Grenzen hinweg.

Der Gymnast Alexander Nemow ist mit zwölf olympischen Medaillen einer der höchstdekorierten Sportler aller Zeiten. Heute ist er als Herausgeber der Publikation „Bolschoi Sport" aktiv. In der vergangen Woche konnte der 37-Jjährige aus Togliatti Dutzende seiner Kollegen auf seiner „Friends of Big Sports"-Gala am Roten Platz in Moskau begrüßen. Ehrengast war Boris Becker, legendärer dreifacher Wimbledongewinner und Olympiasieger, der heute in London lebt. Organisiert hat das Zusammentreffen die Laureus Sport for Good Foundation, deren Gründungspartner und Academy-Mitglied Becker ist.

Laureus ist eine Vereinigung weltweit bekannter Spitzensportler unserer Zeit, die unter dem Motto „Sport for Good" eine Vielzahl von Projekten zur Förderung von Jugendsport und Integration durchführt. Die Ikonen von Laureus sind Persönlichkeiten wie Michael Johnson, Katharina Witt, Sergey Bubka oder Severiano Ballesteros.

Unterstützt durch die Konzerne Richemond und Daimler wurden in den letzten 15 Jahren mehr als 140 Projekte in 34 Ländern umgesetzt. Der „Laureus Sports Award" gilt als der „Oscar" der Branche und wird jährlich vergeben. Nemow ist als bisher einziger Russe Mitglied der Laureus-Akademie.

 

Boris Becker ist sehr an Russland interessiert

Pünktlich um 13 Uhr ist die versammelte russische Sportpresse zum Mittagslunch geladen. Neben Boris Becker sind weitere russische und internationale Sportgrößen gekommen. Das Treffen dauert nur kurz, denn Becker ist nicht sehr gesprächig.

Die Gelegenheit zum direkten Gespräch mit dem Tennisstar ergibt sich auf der Fahrt zum Förderstützpunkt Potapovskiy am nordöstlichen Stadtrand von Moskau. Während der Fahrt zum Projekt, geradewegs durch den klassischen russischen Mittagsstau, lockert Boris Becker auf. Das Gespräch dreht sich um Russland als Sportnation und die gegenwärtige gesellschaftliche Situation im Land. Schon am Morgen gab Becker bekannt, dass er von einem Boykott von Sportevents wie den Olympischen Spielen nichts halte, weil es letztendlich die Sportler treffe, die darunter leiden.

Boris Becker besuchte während seines Moskau-Aufenthalts auch den Förderstützpunkt Potapovskiy, an dem Jugendliche mit geistigen Behinderungen und Kids ohne Behinderungen gemeinsam trainieren. Foto: Dirk Besserer

Es ist erstaunlich, welches profunde Wissen der Tennisspieler über die Gegebenheiten in Russland an den Tag legt. Er interessiert sich für das familiäre Durchschnittseinkommen, die Lebensumstände in Moskau und auf dem Land. Er selbst war vor allem in den Neunzigerjahren wiederholt in Russland, darunter beim Davis-Cup-Thriller. „Das Russische Turnier lag zeitlich sehr unglücklich, dadurch konnten viele der Spitzenspieler damals nicht teilnehmen."

Je länger das Gespräch andauert, desto deutlicher wird, dass die Person Boris Becker sich vollständig abhebt von dem Bild, das gerade in den deutschen Medien gezeichnet wird, dem eines gescheiterten Ex-Gladiatoren.

 

Soziales Engagement ist Becker wichtig

Boris Becker betreut Projekte in Südamerika, Afrika und Asien. Er setzt sich ein für junge Sportler, Chancengleichheit und Entwicklung. Er möchte ernst genommen werden für diese Anliegen und strahlt diese Aufrichtigkeit auch aus.

Auf die Frage, welche Personen, die er schon getroffen hat, ihn selbst inspirieren, nennt er Nelson Mandela, Muhammad Ali, Michael Jackson und

Bill Clinton. „Die haben den ‚X-Factor'", nennt das Becker. Selbst habe er sich schon lange ein dickes Fell zugelegt, werde manchmal eben etwas „sarkastisch". Ein wenig klingt das Bedauern durch, dass Deutschland mit seinen ehemaligen Sportgrößen einfach nicht so umgehen kann wie andere Nationen.

In Potapovskiy trainieren Jugendliche mit geistigen Behinderungen und Kids ohne Behinderungen zusammen. Das ist ungewöhnlich für Russland. Laureus unterstützt die Initiative im Umfeld der Paralympics. Den Jugendlichen macht das Treffen mit den Sportgrößen Spaß. Überall in der Halle werden gemeinsame Bilder geschossen, Autogramme gegeben. Den Abschluss bildet ein Bankett mit den Organisatoren des Stützpunkts. Es ist eine wegweisende Begegnung für die 110 000 Sportler mit Behinderungen in Russland.

Zurück im Hotel weicht das legere Sportshirt dem Nadelstreifenanzug. Zu Fuß geht es die 500 Meter zum GUM am Roten Platz, wo die „Friends of Big Sports" schon zur Abendgala auf den Sportstar warten.

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