Louis Vuitton muss Riesenkoffer auf Roten Platz wieder packen

Zehn Millionen Dollar teure Installation wird nach diversen Protesten abgebaut. Foto: Maxim Blinow/RIA Novosti

Zehn Millionen Dollar teure Installation wird nach diversen Protesten abgebaut. Foto: Maxim Blinow/RIA Novosti

Louis Vuitton sorgte mit dem Aufbau eines Riesenkofferns auf dem Roten Platz in Moskau für Aufregung. Nach Protesten muss die Installation nun wieder entfernt werden. Der Markenbekanntheit hat der Trubel wohl letztendlich sogar gut getan.

Die neun Meter hohe und 30 Meter lange Konstruktion stellt eine Kopie eines von Louis Vuitton für Fürst Wladimir Orlow angefertigten Koffers dar. Der Fürst war ein Vertrauter des letzten russischen Zaren Nikolaj II Romanow und arbeitete freiwillig als Fahrer der Kaiserlichen Familie.

Der Koffer von Orlow sollte das Symbol einer auf dem Roten Platz in Moskau vor dem Kreml und gegenüber dem weltberühmten Kaufhaus GUM geplanten Ausstellung „Wandererseele" sein. In einem Pavillon sollten Reisetaschen, Koffer und Handtaschen von Isadora Duncan, Greta Garbo, Ernest Hemingway, Catherine Deneuve, den russischen Großfürsten Kirill und Boris sowie vieler anderer Berühmtheiten und historischer Persönlichkeiten, die irgendwann mal Produkte der Marke Louis Vuitton verwendet haben, ausgestellt werden. Der Eintrittspreis sollte 200 Rubel (etwa fünf Euro) betragen. Dabei betonten die Organisatoren, dass das Projekt nichtkommerziellen Charakter habe und die Einnahmen an die wohltätige Stiftung „Nackte Herzen" des russischen Supermodels Natalja Wodjanowa gingen. Anlass der Ausstellung sollte das 120-jährige Jubiläum des GUM sein.

Den nunmehrigen Abbau der Installation soll laut Nachrichtenagentur „ITAR-TASS" die Kreml-Administration gefordert haben. Der Bau des Pavillons so hieß es, sei nicht mit der Präsidialadministration der Russischen Föderation abgestimmt gewesen. Unklar bleibt jedoch, wie ohne eine solche Abstimmung ein solch großes Objekt direkt an den Kremlmauern überhaupt entstehen konnte.

Inzwischen hat die Leitung des GUM-Warenhauses die russische Vertretung der Firma Louis Vuitton gebeten, den Riesenkoffer auf dem Roten Platz zu demontieren.

Die Proteste vieler Russen, so hieß es in einer Presseveröffentlichung des GUM, hätten diese Entscheidung wesentlich beeinflusst. Aber auch die Größe des Konstrukts, das die zugelassenen Maße überschritten habe, hätte eine Rolle gespielt.

Als erste hatten sich die Kommunisten über den Aufbau des Koffers erregt. Grund war vermutlich die Nähe des Pavillons zum Lenin-Mausoleum. Auch der Führer der Liberal-Demokratischen Partei Russlands (LDPR) Wladimir Schirinowski und Kulturminister Wladimir Medinskij kritisierten die Aktion.

Die Leitung der Abteilung für Massenmedien und Werbung der Stadt Moskau erklärte, dass sie sich an die föderale Antimonopolagentur FAS mit der Frage gewendet habe, ob der Pavillon eine Reklamekonstruktion sei. Wenn ja, dann falle die Konstruktion unter das Föderalgesetz „Zur Reklame" und müsse schon deshalb abgebaut werden, weil der Aufbau von Reklamebauten in der Nähe des Kremls verboten sei.

Der Leiter der Abteilung für Handelsimmobilien AREIM der Stadt Moskau, Alexej Wantschugow, erklärte gegenüber der Zeitung „Izvestia", dass für Promo-Aktionen auf dem Roten Platz die Firma „Bosco di Ciliegi" als

Betreiber des GUM verantwortlich sei. Dieses hätte die erforderlichen Genehmigungen einholen müssen. Die Leitung von „Bosco di Ciliegi" stand bislang für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung.

„Natürlich ist das Werbung! Ähnliche Aktionen hat das Unternehmen bereits in den USA, Japan und anderen Ländern durchgeführt. Einmal war es ein freistehender Pavillon, ein anderes Mal ein Teil eines Gebäudes. Allerdings hat es in keinem Land der Welt so harte Kritik an der Aktion gegeben, wie jetzt in Russland. Seltsam ist nur, dass man nicht dazu steht, dass es Werbung ist", kommentiert Alexandr Jeremenko, Chef der Brandingagentur „BrandLab". Letztendlich jedoch habe der ganze Trubel die Popularität der Marke Louis Vuitton nur noch weiter gesteigert.

 

Nach Materialien der Zeitung „Iswestija", Newsru.com, ITAR-TASS und RIA Novosti.

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