Die Weiße Insel soll wieder weiß werden

Freiwillige säubern die Insel Bely vom Sowjetschrott. Foto: Pressebild

Freiwillige säubern die Insel Bely vom Sowjetschrott. Foto: Pressebild

Auf der Jamal-Insel Bely – die Weiße – im russischen Norden gehen die Aufräumarbeiten weiter: Auch Deutsche helfen dabei, die Spuren von Militär und Wissenschaft zu beseitigen.

1900 Quadratkilometer ist sie groß, die Insel Bely in der Karasee, und praktisch menschenleer. Das war jedoch nicht immer so: Ab 1935 gab es hier eine sowjetische Polarforschungsstation, später eine Militärbasis. Und die Präsenz des Menschen hat Spuren hinterlassen: verfallene Häuser, Dieseltanks, verrostete Fässer.

In diesem Sommer machten sich 33 Freiwillige aus Russland, der Ukraine und Deutschland daran, die „weiße Insel" aufzuräumen. „Wir haben uns sehr gut vorbereitet, denn die Arbeitsbedingungen sind extrem: niedrige Temperaturen auch im Sommer, harte körperliche Arbeit und – das wichtigste – viele Eisbären", erzählt der russische Teilnehmer der Expedition Dmitrij Golikow.

Die Freiwilligen bauten auf der Insel acht baufällige Häuser und zwei große Treibstoffreservoirs ab, sammelten fast 300 Tonnen Metallschrott und verluden ihn auf Lastschiffe. Die 400 000 Rubel (knapp 10 000 Euro), die aus seinem Verkauf erwirtschaftet wurden, gingen an die Stiftung „Jamine", die die Behandlung schwer erkrankter Kinder auf der Jamal-Halbinsel organisiert.

2012 und 2013 säuberten die Freiwilligen 20 Hektar Land vom Müll. Die Arbeit soll fortgeführt werden, denn im Norden der Insel warten noch 500 Hektar.

Die Aufräumarbeiten gehören zu einem staatlichen Programm im arktischen Gebiet. Gleichzeitig werden gigantische Summen in die Erdöl- und Erdgasförderung gesteckt, große Transport- und Energieerzeugungsobjekte ge-baut und die Nordostpassage wiederbelebt.

Gouverneur Dmitrij Kobilkin zufolge bekommt kein einziges

Industrievorhaben grünes Licht, ohne dass eine Expertise auf seine Umweltverträglichkeit durchgeführt worden ist und eine öffentliche Anhörung von Vertretern der indigenen Völker.

„Aufgrund unserer Forderung wurde die Straße Salechard-
Nadym den Bedürfnissen dieser Volksgruppen angepasst", berichtet Chabetscha Jaungad, Redakteur einer Regionalzeitung. „Um die Routen der Nomaden, die mit ihren Rentieren umherziehen, nicht zu unterbrechen, soll aufder 330 Kilometer langen Straße alle vier Kilometer ein Übergang eingerichtet werden."

Heute gehören zehn Prozent der Jamal-Halbinsel zu Umweltschutzzonen. „Wir haben nicht vor, die komplette Arktis einzuzäunen", erklärt Kobilkin. „Unser Ziel ist ein Kompromiss zwischen Wirtschaftlichkeit und der Erhaltung der Umwelt."

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