Russlands Hochschulen kämpfen um internationale Anerkennung

In internationalen Hochschulrankings schneiden russische Hochschulen schlecht ab. Regierung und Universitäten wollen das Imageproblem nun lösen. Auf dem Bild: Das Hauptgebäude der Moskauer Staatlichen Lomonossow-Universität. Foto: Lori/Legion Media

In internationalen Hochschulrankings schneiden russische Hochschulen schlecht ab. Regierung und Universitäten wollen das Imageproblem nun lösen. Auf dem Bild: Das Hauptgebäude der Moskauer Staatlichen Lomonossow-Universität. Foto: Lori/Legion Media

Internationale Hochschulrankings zeigen, dass russische Universitäten in der Welt nur wenig anerkannt sind. Das spezifisch russische Bildungssystem erschwert einen internationalen Vergleich – das wollen Regierung und Hochschulen nun lösen.

Russische Universitäten werden in den Ländern mit aufstrebenden Volkswirtschaften hoch geschätzt, auch wenn sie noch stark hinter den chinesischen zurückbleiben. Und doch werden sie in globalen Rankings nicht einmal unter den ersten hundert aufgeführt. Experten erklären das damit, dass russische Hochschulen sich traditionell weniger mit der Forschung als mit der Lehre befassen.

 

Das russische Bildungssystem ist eine Insel

Mitte Dezember nahm die Moskauer Staatliche Lomonossow-Universität den dritten Platz unter den besten Hochschulen in den BRICS-Ländern ein. Das Universitätsranking in Russland, Brasilien, Indien, China und Südafrika wurde von „Quacquarelli Symonds World University Rankings" in Zusammenarbeit mit der russischen Nachrichtenagentur „Interfax" zusammengestellt. Klarer Spitzenreiter dieses Vergleichs war China: Die ersten zwei Plätze der Rangliste entfielen auf die Tsinghua-Universität und die Peking-Universität.

Zwei Wochen zuvor, Anfang Dezember, hatte die britische Zeitschrift „Times Higher Education" ein ähnliches Ranking von Universitäten in den BRICS-Staaten veröffentlicht. Die ersten zwei Positionen stimmen mit den Ergebnissen von QS überein, doch die Wertschätzung des russischen Bildungswesens fiel weit geringer aus: Die MSU rutschte dort vom dritten auf den zehnten Platz. In der Liste ist außerdem noch eine weitere russische Hochschule vertreten, die Staatliche Universität Sankt Petersburg, die auf dem 67. Platz landete.

Die britische Zeitschrift bemerkt, dass Russland sich „in einer Depression" befinde und sein Bildungssystem in sich geschlossen sei. Das Ranking wird von der Tatsache beeinflusst, dass wissenschaftliche Arbeiten allein in russischer Sprache veröffentlicht werden. Das hat zur Folge, dass die Verbreitung russischer Studien in der Welt behindert wird. Oftmals sind nicht einmal allgemeine Informationen über die Universität auf deren offizieller Webseite ins Englische übersetzt, was eine Bewertung dieser Hochschule für internationale Agenturen prinzipiell unmöglich macht.

Tatsächlich liegt Russland nach Meinung der „Times Higher Education" in einem internationalen Gesamtranking von Universitäten wortwörtlich hinter allen Ländern der Welt. In die Top 200 ist keine einzige russische Universität gekommen und die MSU wurde zur einzigen russischen Bildungseinrichtung, die es in die Top 400 geschafft hat.

 

Russland will ein eigenes Ranking

Jede Veröffentlichung internationaler Rankings wird zu einem weiteren harten Schlag gegen die Reputation russischer Hochschulen.

Einerseits bezeichnen die Regierung des Landes und Vertreter des Hochschulwesens die Ergebnisse dieser Rankings als inadäquat und wollen eine eigene Bewertungsskala der Wissenschaft aufstellen. Noch im Juli

delegierte der russische Präsident Wladimir Putin dem Bildungs- und Forschungsministerium die Aufgabe, Kriterien zur nationalen Bewertung von Universitäten auszuarbeiten.

Später, Ende November, wurde diese Idee vom Rektor der MSU Viktor Sadownitschij weiterentwickelt: „Ich will ein Rating erarbeiten lassen, das dem klassischen Modell einer Universität entspricht. Wir wollen in Russland ein Musterrating erstellen, das die Universität als Zentrum der Kultur, der Bildung und der Wissenschaft bewertet, als Institution, die mit ihren starken Traditionen eine wesentliche Rolle für ihr Land spielt."

Andererseits bestreitet die russische Regierung nicht, wie wichtig die Anerkennung des russischen Bildungswesens in der Welt ist, und plant, rund 783 Millionen Euro für den Imageaufbau russischer Universitäten auszugeben. Eines der Ziele ist, dass russische Hochschulen es in die Top 100 nach QS-Auswertung schaffen. Hierfür werden allein 2014 etwa 235 Millionen Euro bereitgestellt. Außer der MSU und der Staatlichen Universität Sankt Petersburg, deren Finanzierung im Staatshaushalt gesondert gelistet ist, bekommen weitere 15 Universitäten Mittel aus dem föderalen Haushalt.

 

Russlands Hochschulen sind praxisorientiert

Die Direktorin des Instituts für Entwicklung an der Higher School of Economics Irina Abankina unterstreicht die Bedeutsamkeit von Hochschulrankings: „Internationale Rankings wirken sich in erster Linie auf

die Mobilität von Studenten aus. Absolventen gut bewerteter Unis wird mehr Vertrauen vonseiten ausländischer Arbeitgeber entgegengebracht. Dabei sind insbesondere Firmen gemeint, die im Hightech-Sektor, im IT-Bereich oder in der Fertigung von teuren medizinischen Geräten in Russland tätig sind."

Abankina zufolge erklärt sich das schlechte Abschneiden russischer Hochschulen in weltweiten Rankings durch die historische Entwicklung des Bildungswesens in Russland: „In internationalen Rankings bemessen drei Viertel der Parameter das Niveau der wissenschaftlichen Arbeit an der Hochschule und nur ein Viertel die Qualität der Bildung. Unser Niveau der Integration von Wissenschaft ins Hochschulwesen ist äußerst niedrig und es gibt historische Gründe dafür: Traditionell bilden in Russland Hochschulen in erster Linie Studenten aus, während Wissenschaft von einzelnen Forschungsinstituten betrieben wird."

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