Holocaust-Gedenktag: Toleranz ist die Botschaft

Am Internationalen Gedenktag für die Holocaust-Opfer wurde in Moskau zu mehr Toleranz aufgerufen. Foto: ITAR-TASS

Am Internationalen Gedenktag für die Holocaust-Opfer wurde in Moskau zu mehr Toleranz aufgerufen. Foto: ITAR-TASS

Am Montag gedachte man im Jüdischen Museum und Zentrum für Toleranz in Moskau dem Internationalen Gedenktag für die Holocaust-Opfer. Das Schicksal Joseph Baus, das zu dem Film „Schindlers Liste“ inspirierte, mahnt eindringlich zu mehr Toleranz.

In Russland, wie auch auf der ganzen Welt, wird am Tag der Befreiung der Gefangenen des Konzentrationslagers Auschwitz, eines der schlimmsten Lager des Nationalsozialismus, den Holocaust-Opfern gedacht. Dazu wurde im Moskauer Jüdischen Museum die Ausstellung „Der Holocaust mit den Augen eines Gefangenen" eröffnet, die Werke des 2002 verstorbenen israelischen Künstlers Joseph Bau zeigt.

 

Die Geschichte eines Einzelnen ist die Geschichte von Millionen

Bau war Gefangener im Konzentrationslager Plaszow, wohin er aus dem Krakauer Ghetto deportiert worden war. Seine Biografie besteht aus einer Vielzahl Geschichten, von denen man zu jeder einzelnen einen Film drehen könnte. Eine wurde bereits verfilmt: Die Geschichte Baus diente als Vorlage für das Drehbuch zu Spielbergs Film „Schindlers Liste".

Als Bau im Konzentrationslager einsaß, arbeitete er als Schreiber und fertigte gleichzeitig heimlich gefälschte Dokumente für die Gefangenen an. Im Lager lernte er auch seine spätere Frau kennen und heiratete sie heimlich noch im Lager. Die Geschichte ihrer Liebe ist äußerst dramatisch: Nach ihrer Hochzeit wurde seine Frau in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert, das für gewöhnlich niemand mehr lebend verließ. Doch auf wunderbare Weise war sie eine der wenigen Überlebenden und Josef selbst fand seinen Namen auf eben jener Liste Schindlers wieder. Erst Jahre später erfuhr er, dass ursprünglich der Name seiner Frau, Rebecca, auf der Liste gestanden hatte, doch sie darum gebeten hatte, an ihrer Stelle ihren Mann auf die Liste zu setzen. Nach dem Krieg fanden sie wieder zusammen und wanderten nach Israel aus, wo ein neues Kapitel im Leben des Künstlers aufgeschlagen wurde: Er fertigte dort gefälschte Dokumente für israelische Agenten an.

 

Erziehung zur Toleranz

An der Festveranstaltung, die im Rahmen des Gedenktags für die Holocaust-Opfer im Jüdischen Museum und Zentrum für Toleranz durchgeführt wurde, nahmen unter anderem die Botschafter Israels, der Niederlande und anderer Länder sowie russisch-orthodoxe, katholische und islamische Religionsvertreter teil. „Bei den Juden ist es üblich, zum Todestag eines Menschen Kerzen anzuzünden. Und an diesem Tag

zünden wir Kerzen für die Opfer an, deren Namen wir nicht kennen. Insgesamt 7 000 Gefangene des Lagers Auschwitz konnten gerettet werden und wir erinnern an die 300 000 Soldaten, die ihr Leben auf dem Weg nach Auschwitz ließen", sagte Boruch Gorin von der Föderation der jüdischen Gemeinschaften. Er rief zudem dazu auf, das Gedenken auch an jene zu wahren, die während der Leningrader Blockade, deren 70. Jahrestag ebenfalls an diesem Tag begangen wurde, umkamen.

Das Thema Holocaust steht in direktem Zusammenhang mit dem Thema Toleranz, der Überwindung von Unduldsamkeit, die gegenwärtig in der gesamten Welt von Aktualität ist. Russland stellt dabei keine Ausnahme dar. Darüber sprach während der Feierstunde der Präsident der Föderation jüdischer Gemeinden Russlands und Direktor des Jüdischen Museums Alexander Boroda: „Die jüdische Erfahrung im NS-Regime ist das Musterbeispiel für das Schüren von Hass und als solche für jedes Volk immer von Aktualität."

Die Ausstellung „Der Holocaust mit den Augen eines Gefangenen" im Moskauer Jüdischen Museum zeigt die Werke des israelischen Künstlers Joseph Bau. Foto: ITAR-TASS

Boroda erklärte den Anwesenden, dass das Jüdische Museum die Geschichte des jüdischen Volkes erzähle, das Zentrum für Toleranz hingegen widme sich nicht nur dem Kampf gegen Xenophobie, sondern solle auch der Entstehung andersartiger Feindseligkeiten entgegenwirken: „Das Thema Toleranz hat mehrere Schwerpunkte: Rassentoleranz, nationale und religiöse Toleranz sind bereits bekannte Begriffe, aber es gibt

auch die Toleranz in der Familie, die Toleranz gegenüber Menschen mit eingeschränkten Möglichkeiten, bis hin zur Toleranz eines Fahrers im Straßenverkehr. Das heißt, das Prinzip des gegenseitigen Respekts muss anerzogen werden."

Auf der Grundlage eines Abkommens zwischen dem Museum und dem Moskauer Bildungsministerium besuchen Schüler regelmäßig das Museum, in dem entsprechende Bildungsprogramme speziell für sie ausgearbeitet werden. Das Zentrum hat zudem einen methodischen Leitfaden für die Durchführung von Toleranz-Kursen an Schulen erstellt. Die Organisation solcher Kurse gehört zu den nächsten Plänen des Museums. Im Bewusstsein der großen Bedeutung dieses Themas hat Präsident Putin außerdem die Gründung von elf Toleranz-Zentren in Russland nach dem Vorbild des Moskauer Zentrums veranlasst.

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