Studium in Russland: Strengere Zulassung für Ausländer geplant

Bestimmte ausländische Bewerber um einen russischen Studienplatz sollen zukünftig einen einjährigen Vorbereitungskurs absolvieren. Foto: RIA Novosti

Bestimmte ausländische Bewerber um einen russischen Studienplatz sollen zukünftig einen einjährigen Vorbereitungskurs absolvieren. Foto: RIA Novosti

Studienbewerber aus bestimmten Ländern, die einen Platz an einer russischen Universität bekommen wollen, sollen an einem einjährigen Vorbereitungskurs teilnehmen. In Russland erhofft man sich dadurch eine Qualitätssteigerung.

Wer als Ausländer an einer Universität in Russland studieren möchte und aus einem Land kommt, das noch kein entsprechendes bilaterales Abkommen mit Russland hat, muss in Zukunft an einem einjährigen Vorbereitungskurs teilnehmen. Das plant das russische Ministerium für Bildung und Wissenschaft. Eine Liste der Anforderungen an ausländische Studienbewerber soll bis Ende 2014 erarbeitet werden.

 

Schwerpunkt liegt auf Russisch

Es ist geplant, dass ausländische Studienbewerber Russisch, Mathematik und die Hauptfächer ihrer ausgewählten Studienrichtung belegen müssen. Je nach gewünschter Fachrichtung kommen weitere Fächer dazu, wie zum Beispiel Informatik. Um zu den Aufnahmeprüfungen der jeweiligen Hochschule zugelassen zu werden, muss am Ende des Vorbereitungsjahres in jedem Fach ein Leistungsnachweis erbracht werden.

„Derzeit gibt es noch keine genauen Anforderungen an die Russischkenntnisse ausländischer Studieninteressenten. Deshalb werden erst einmal nur Grundkenntnisse gefordert", erklärt Viktor Grischin, Rektor der Plechanow-Wirtschaftsuniversität in Moskau.

Am Ende des geplanten Vorbereitungsjahres sollte der Studienbewerber mindestens 2 300 russische Vokabeln beherrschen und bis 100 Wörter pro Minute vorlesen können. Im Bereich Hörverständnis sollten bis zu 240 Wörter pro Minute erfasst werden können. Aussprache und Grammatik sollen in dem Vorbereitungsjahr ebenfalls trainiert werden. Vom Studienbewerber wird erwartet, dass er Aufsätze und Abhandlungen in seinem Fachgebiet verfassen kann.

Im Rahmen des Russisch-Unterrichts müssen sich zukünftige Studenten auch mit der russischen Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts und den Biografien der russischen Klassiker wie zum Beispiel Dostojewski, Tolstoi und Tschechow auseinandersetzen.

In Mathematik müssen die ausländischen Studienbewerber nicht nur die Grundrechenarten beherrschen, sondern auch verschiedene Lehrsätze in russischer Sprache beweisen und die wichtigsten Formeln herleiten

können. Die Grundlagen der Analysis sollen auch auf dem Lehrplan stehen.

„Die geplante Regelung soll für Studienbewerber aus Ländern gelten, mit denen es noch kein bilaterales Abkommen über die Zulassungsvoraussetzungen gibt", erklärt Ulnara Krasnowa, Prorektorin der Russischen Universität der Völkerfreundschaft. „Mit vielen Ländern bestehen noch keine Vereinbarungen. Hier müssen wir klären, wie hoch das Bildungsniveau ist, damit wir niemanden an der Universität zulassen, der auf dem Niveau eines Achtklässlers ist."

Auch Sergej Markow, Prorektor der Plechanow-Wirtschaftsuniversität, hält die geplante Verschärfung der Zulassungsbedingungen für richtig: „Dadurch wird nicht nur die Qualität des Studiums erhöht, sondern auch das Ansehen russischer Bildungsabschlüsse."

 

Zahl ausländischer Studenten soll steigen

In Russland studieren heute rund 250 000 Ausländer aus 150 Ländern. Über 40 000 ausländische Studierende erhalten ihre Hochschulausbildung auf Kosten der russischen Staatskasse.

Derzeit kommen 2,3 Prozent aller Studenten in Russland aus dem Ausland. Die meisten europäischen Studenten kommen aus Slowenien. Die Zahl der

Studenten aus Deutschland lag im Jahr 2012 bei 2 540. Bei den afrikanischen Ländern führt Sambia, in Asien stehen China, Palästina, Syrien und der Irak an der Spitze und in Lateinamerika sind dies Kolumbien, Guatemala und Peru.

Bis zum Jahre 2015 plant das russische Ministerium für Bildung und Wissenschaft eine Ausweitung des Anteils ausländischer Studenten auf sechs Prozent und bis 2018 sogar auf zehn Prozent.

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