Russlands Medien verurteilen Überfall auf Pussy Riot

Ein Video zum Pussy-Riot-Vorfall in Sotschi wird in den russischen Medien und im Netz heiß diskutiert. Foto: Reuters

Ein Video zum Pussy-Riot-Vorfall in Sotschi wird in den russischen Medien und im Netz heiß diskutiert. Foto: Reuters

Als Pussy Riot-Mitglieder auf der Strandpromenade von Sotschi politische Parolen skandierten, tauchten private Sicherheitsleute auf und prügelten auf die Frauen ein. Ein Video von dem Vorfall kursiert derzeit im Netz und sorgt weltweit für Diskussionen – auch in Russland selbst.

Das Thema „Pussy Riot" wird derzeit in der russischen Medien- und Bloglandschaft heiß diskutiert. Der Vorfall auf der Promenade in Sotschi, bei der eine Bürgerwehr, gekleidet als Kosaken, auf die Mitglieder der Band einprügeln, hat für weiteren Zündstoff gesorgt. Russland HEUTE stellt einen Überblick über die Meinungen in Russlands Medien vor.

Es gibt hauptsächlich vier Positionen zu dem Vorfall in Sotschi. Entweder sind die Kosaken schuld und Pussy Riot haben recht, oder die Kosaken haben recht und Pussy Riot sind schuld, oder beide Gruppen haben Schuld

an der Eskalation. Manche sind auch der Meinung, dass Pussy Riot mit ihrem Protest gegen Putin im Recht sind, gleichzeitig aber auch das radikale Einschreiten der „Bürgerwehr" gerechtfertigt ist.

Jedoch gibt es kaum einen Blogger, der sagt, dass die Kosaken eindeutig im Recht gewesen seien. Auch Konservative und vehemente Pussy-Riot-Gegner äußern sich negativ über das Vorgehen der „Sicherheitskräfte".

Der bekannte Blogger Alexej Makarow schreibt, dass die Kosaken keine Polizeiangehörigen gewesen seien und sie angeblich nicht der Polizei geholfen hätten. Sie hätten auch kein Recht, Menschen zu schlagen, insbesondere Frauen: „Ich bin dagegen, dass man gegen Frauen Gewalt anwendet", schreibt er, wobei er anmerkt, dass die Frauen den Skandal selbst provoziert hätten.

Alexandr Malenkow, Chefredakteur der russischen Ausgabe der Männerzeitschrift „Maxim", vergleicht den Vorfall mit einem Computerprogramm: Das Programm dürfe niemals hängen bleiben oder in eine Endlosschleife geraten. Auch wenn falsche Informationen eingegeben würden, müsse es einen nächsten Schritt geben. Für ihn war die Pussy-Riot-Aktion ein Test, wie gut das Sicherheitssystem funktioniert. Das System habe einen Fehler gezeigt, der sich in Form von randalierenden „Kosaken" äußerte, so Malenkow.

Der konservative Fernsehjournalist Maxim Schewtschenko, von dem man eine Verteidigung der Handlungen der regierungsfreundlichen Kosaken erwarten würde, empört sich vor dem Hintergrund der Olympiade in Sotschi über den Übergriff. Zwar sei er mit den Aktionen von Pussy Riot nicht einverstanden, doch die Handlungen der „Kosaken" seien eine Schande für

Russland: „Diese Schande beleidigt die normalen Kosaken, alle Russen und insgesamt jeden normalen Menschen. Es kann nicht sein, dass diese Schande die Olympiade kaputtmacht. Die gesamte gute Atmosphäre wird zerstört."

Auch der Fernsehjournalist Andrej Loschak verurteilt das Verprügeln der Frauen. Er wirft die Frage auf, warum die Journalisten, die den Vorfall gefilmt haben, nicht eingeschritten sind: „Erstaunlich, dass sich unter den Presseleuten vor Ort kein einziger gefunden hat, der seinen Job in diesem Moment vernachlässigt und zumindest versucht hätte, für die Mädchen aktiv einzutreten."

Es ist bemerkenswert, dass die Mehrzahl der russischen Medienvertreter sich über das Verhalten der „Kosaken" empört. Manche begrüßen die Aktionen von Pussy Riot, manche nicht. In einem sind sich aber die meisten einig: Ungezügelte Kleinkriminelle dürfe man nicht dabei unterstützen, Eigenjustiz zu verüben. Heute sei es Sotschi, morgen das ganze Land, heißt es.

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