Deutsche in Russland: Die Königin der Kneipen

Anna-Christin Albers in einem Nachtklub "Gribojedow". Foto aus dem persönlichen Archiv.

Anna-Christin Albers in einem Nachtklub "Gribojedow". Foto aus dem persönlichen Archiv.

Anna-Christin Albers lebt seit elf Jahren in Sankt Petersburg. Hier hat die 35-Jährige mehrere Kneipen eröffnet, die unter den Bewohnern der Stadt Kultstatus genießen. Wo ihr erstes Kind zur Welt kommen soll und ob sie für immer in Russland leben möchte, erzählt sie im Gespräch mit RBTH.

Wie sind Sie in Sankt Peterburg gelandet?

Ganz kurz: Russisch studiert in Hamburg, zum Spracherwerb nach Sankt Petersburg gekommen, Stadt wahnsinnig toll gefunden und mir gedacht: Hier möchte ich gern mal leben. Dafür musste ich mir etwas Schlaues einfallen lassen. Dann dachte ich: Wie wäre es mit einer Kneipe, davon gibt es hier so wenige. Das erste Mal kam ich 1997 in die Stadt. Als ich 2003 dann mein Studium abgeschlossen habe, bin ich endgültig nach Sankt Petersburg gezogen.

Was mögen Sie an der russischen Kultur und an der russischen Sprache besonders? Wie war es ganz am Anfang und wie ist es jetzt?

Auch als Sprachwissenschaftlerin war Russisch für mich am Anfang ein Buch mit sieben Siegeln. Ich habe mich jedoch auf die Gelegenheit

gefreut, mein Wissen über Sprache an einer komplett fremden Sprache anzuwenden und diese dabei zu lernen. Natürlich habe ich mich auch in Sankt Petersburg verguckt. Man kann schon sagen, dass Russland fast zufällig in mein Leben getreten ist. 

Man braucht Mut, um ein eigenes Geschäft zu eröffnen. Sie haben das sogar in Russland gemacht. Was war am Anfang besonders schwierig? Gab es irgendwelche typisch russischen Hindernisse?

An den Schwierigkeiten hat sich nichts geändert. Das Schwierigste ist die ausufernde Bürokratie, die nicht gerade effizient arbeitet – gerade, wenn man unerfahren und im wirtschaftlichen Bereich nicht besonders versiert ist, wie ich es damals war.

Wer hat Ihnen damals geholfen?

Damals bin ich selbst umhergerannt, habe alles wirklich am eigenen Leib erfahren. Ich kann nicht einmal sagen, dass die Behörden böswillig waren. Natürlich hast du ab und zu so richtig blöde Ziegen, denen es Spaß macht, dir das Leben schwer zu machen. Frei nach dem Motto: Gib den Menschen ein kleines bisschen Macht und sie nutzen das aus. Aber diese Menschen sind nicht das eigentliche Problem. Vieles ist einfach schlecht organisiert. Ich weiß aber gar nicht, ob es in Deutschland viel besser ist. Mittlerweile mache ich die bürokratischen Sachen nicht mehr selbst, sondern betraue damit erfahrene Juristen.

Anna-Christin Albers in ihrem "Büro". Foto aus dem persönlichen Archiv.

Sie haben die Russen schon oft beim Trinken beobachtet. Wie und was trinken die Russen?

Natürlich wird in Russland sehr viel getrunken, aber wenn mir Freunde von England erzählen, merke ich, dass es dort auch nicht anders ist. Allerdings habe ich nicht das Gefühl, dass sich die Leute in Russland literweise Wodka in den Rachen schütten. Momentan wird zwar wirklich viel Wodka und Bier getrunken, aber auch Whisky, Tequila oder Gin sind sehr beliebt. Es geht den Menschen hier nicht darum, sich irgendwo billig zu besaufen. In Russland gibt es schon eine gewisse Ausgehkultur. Wodka trinken meistens die Ausländer, die meinen, in Russland müsse man das tun. Sie trinken ganz viel Wodka gemischt mit Bier. Diese Leute muss man dann jeden Morgen mit dem Besen aus dem Lokal kehren. Die Russen sind da ganz anders.

Sind Sie viel in Russland herumgereist?

Ich habe Russland vom Norden in den Süden bereist. Vor zwei Jahren war ich zum Beispiel auf den Solowezki-Inseln, meinem nördlichsten Reiseziel, das war sehr schön. Wir sind mit dem Auto dorthin gefahren und haben uns vor Ort eine Datscha gemietet. Mein südlichstes Reiseziel war die Stadt Adler an der Schwarzmeerküste. Dort bin ich vor ein paar Jahren gewesen. Manchmal träume ich davon, mit der Transsibirischen Eisenbahn ins Altai-Gebirge zu fahren. Ich bilde mir ein, dass ich das ganz dringend will, aber dann stelle ich immer wieder fest: Ich bin ein Reisemuffel. Ich bin gerne einfach nur zu Hause.

Wo ist Ihr Zuhause? Wollen Sie für immer in Sankt Petersburg bleiben?

Gerade nicht, weil ich ein Kind erwarte. Dafür möchte ich erst einmal zurück nach Deutschland; Anfang Juni ziehen wir nach Berlin. Dort bleiben wir über den Winter und kommen zur nächsten Saison wieder nach Sankt Petersburg zurück. 

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