Präsidentschaftswahlen: Ukrainer stimmen in Moskau ab

Rund 700 ukrainische Staatsbürger haben in Moskau an den Präsidentschaftswahlen teilgenommen, berichtet Interfax. Foto: Sergey Kusnetsow / RIA Nowosti

Rund 700 ukrainische Staatsbürger haben in Moskau an den Präsidentschaftswahlen teilgenommen, berichtet Interfax. Foto: Sergey Kusnetsow / RIA Nowosti

Am 25. Mai fanden in der Ukraine Präsidentschaftswahlen statt. Auch in Russland durften ukrainische Staatsbürger abstimmen. RBTH besuchte den größten Wahlort in Russland: die ukrainische Botschaft in Moskau.

Am Sonntag konnten ukrainische Staatsbürger in sechs Orten in Russland an der ukrainischen Präsidentschaftswahl teilnehmen: in der ukrainischen Botschaft in Moskau sowie in den Konsulaten in Sankt Petersburg, Nischnij Nowgorod, Jekaterinburg, Nowosibirsk und Rostow am Don.

Die ukrainische Botschaft befindet sich in einer historischen Villa aus dem 18. Jahrhundert, ganz im Zentrum von Moskau. Der lange Zaun des Grundstücks ist von Blumen und Heiligenbildern gesäumt. Auf diese Weise gedenken die Moskauer der Ereignisse in Odessa vom 2. Mai, als bei einem Zusammenstoß von Anhängern einer zentralistischen Ukraine und prorussisch eingestellten Aktivisten 47 Personen starben.

Doch an diesem heißen Sonntag, dem Tag der Präsidentschaftswahlen in der Ukraine, ist der Zaun mit den Blumen von einer Absperrung

abgegrenzt. Die Polizei hat die gesamte Leontjew-Gasse abgeriegelt und nur eine schmale Passage freigehalten. Um in das Konsulat zu gelangen, muss man noch lange vor dem Eingang ins Gebäude Metalldetektoren auf der Straße passieren.

Bei der Durchsuchung der Taschen findet die Polizistin eine Plastikflasche mit Wasser bei mir. „Öffnen Sie sie bitte, damit ich daran riechen kann“, sagt sie. „Aber sie ist doch verschweißt“, entgegne ich und zeige ihr die Wasserflasche. „Ach so“, antwortet die Polizistin und ihre Lust, an der Flasche zu schnuppern, verfliegt offenbar. „Dann gehen Sie durch“, sagt sie nur und winkt mich an ihr vorbei.

Diesmal ist alles streng organisiert. Registrieren musste man sich im Voraus, es gibt keine Schlangen; man geht durch den Metalldetektor direkt in das kühle Gebäude hinein.

„Warum steht hier keiner Schlange?“, frage ich etwas verwundert einen ukrainischen Wachmann und versetze meinem Erstaunen Nachdruck: „Bei den letzten Wahlen gab es einen Ansturm. Kommen die Leute diesmal nicht?“

„Was meinen Sie?“, fragt mich der Wachmann ebenso erstaunt zurück. „Es kommen viele Leute. Nur letztes Mal hatten sich viele nicht registriert, deshalb gab es eine Schlange. Diesmal waren sie zur Registrierung im Voraus gezwungen, deshalb steht hier auch niemand.“ Ein anderer Besucher merkt kurz an, er habe in einer Videoübertragung lange Schlangen in Kiew gesehen.

Die Wähler erhalten eine Wartemarke mit einer Nummer darauf, gehen durch den gepflegten Hof, wo an der Fassade des Hauptgebäudes Plakate mit den Biografien aller Präsidentenkandidaten prangen. Keiner verweilt dort. Die Sonne brennt erbarmungslos, und alle versuchen, so schnell wie möglich in die Eingangshalle der Botschaft zu gelangen.

Es kommen ganz unterschiedliche Leute zur Wahl: Menschen in traditioneller ukrainischer Tracht, feierlich angezogene Menschen und auch ganz gewöhnlich aussehende Leute.

Ein Mann kommt in einem traditionellen ukrainischen Shirt. „Sie haben eine so schöne ukrainische Tracht“, lobt eine Wahlbeobachterin. „Das ist ‚Ralph Lauren‘“, bemerkt der Mann beleidigt und weigert sich, das Gespräch fortzusetzen.

Die Menschen stammen aus allen Regionen der Ukraine: aus Kiew, Donezk, Dnepropetrowsk und von der Krim.

„Ich stamme aus Donezk“, sagt ein Wähler und erzählt: „Meine Eltern leben dort und können nicht abstimmen. Wie Sie wissen, ist eine Abstimmung in Donezk wegen dieser Bewaffneten unmöglich. Deshalb haben mich meine Eltern gebeten, auch für sie abzustimmen, symbolisch, sozusagen.“

Eine junge Frau mit zwei Kindern in ukrainischen Trachten erzählt, dass sie in Moskau lebe, aber von der Krim stamme. Ich frage sie, ob sie die russische Staatsbürgerschaft beantragen will – schließlich haben die meisten Krim-Bewohner ihre Staatsbürgerschaft gegen die russische eingetauscht, seit die Krim zu Russland gehört. Aber die Frau winkt ab: „Nein. Ich lebe aus familiären Gründen hier in Moskau, aber ich bin ukrainische Staatsbürgerin und will nach Hause in die Ukraine fahren.“ Mit einem Kopfschütteln fügt sie hinzu: „Aber jetzt weiß ich nicht einmal, wohin.“

Die Botschaft ist immer noch abgesperrt, da höre ich in der Nähe der Polizisten einen Funkspruch: „Trinken von alkoholischen Getränken auf dem Arbat. Bitte um Antwort“. In der Botschaft ist alles friedlich, auf der Touristenmeile Arbat ist es da offensichtlich gefährlicher.

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