Deutsch-Russisches Kreuzjahr: Dialog auf kultureller Ebene

Auf der Frankfurter Buchmesse 2013. Foto: AP

Auf der Frankfurter Buchmesse 2013. Foto: AP

Am 6. Juni beginnt das Kreuzjahr der deutschen und russischen Sprache und Literatur. Zahlreiche Veranstaltungen, die parallel in beiden Ländern stattfinden, sollen nicht nur die gegenseitigen Sprachkenntnisse verbessern. Die Initiatoren erhoffen sich auch eine Verbesserung der zuletzt angespannten deutsch-russischen Beziehungen.

Am 6. Juni beginnt das Kreuzjahr der deutschen und russischen Sprache und Literatur. Am 215. Geburtstag des russischen Nationaldichters Alexander Puschkin geht es in Berlin los: Ein Jahr lang soll den Deutschen die russische Sprache näher gebracht werden. Parallel dazu stehen in Russland Veranstaltungen rund um die deutsche Sprache auf dem Programm. Geplant sind auf beiden Seiten etwa 60 Veranstaltungen, zum Beispiel Übersetzungskurse für Professionelle, Schüler, Studenten und Lehrer, Literaturwettbewerbe und Lesereisen. Initiatoren sind das Goethe-Institut sowie die Außenministerien Deutschlands und Russland. Ziel der Veranstaltungen ist die „Entwicklung langfristiger Beziehungen im Kultur- und Bildungsbereich“. Die Veranstaltungsreihe knüpft an das erfolgreiche Kreuzjahr von 2012/2013 an, als die Kunst im Mittelpunkt stand.

 

Russisch für alle

Im Rahmen des Kreuzjahres werden deutsche Literaten auf eine Kreuzfahrt von Moskau zur Wolgastadt Astrachan gehen und zum Start der

Moskauer Buchmesse in die russische Hauptstadt zurückkehren. Russische Schriftsteller werden per Schiff Deutschland auf dem Rhein erkunden und Halt auf der Frankfurter Buchmesse machen, um die zeitgenössische russische Literatur vorzustellen. In Frankfurt werden unter anderem der erste Band der Russischen Bibliothek in deutscher Sprache und das Multimediaprojekt „Visualisierte Rede“ als Widmung an Schriftsteller der russischen Avantgarde präsentiert. Im Laufe des Kreuzjahres wird auf dem Fernsehsender „Arte“ Russisch-Unterricht angeboten. Auch im Livestream des  russischen Radios in Berlin wird es Sprachunterricht geben.

Zurzeit lernen in Deutschland nur etwa 160 000 Schüler und Studenten die russische Sprache, in Russland sind es dagegen zwei Millionen Menschen, die die deutsche Sprache erlernen. Michail Schwydkoj, Sondervertreter des Präsidenten der Russischen Föderation für internationale Kulturkooperationen, sieht hier Nachholbedarf auch im professionellen Bereich. Seiner Meinung nach gebe es viel zu wenig gute Übersetzer, die deutsche Literatur ins Russische übersetzen könnten. Er erinnert an Übersetzer wie Solomon Apt und seine Thomas-Mann-Übersetzungen oder an Boris Chlebnikow, der Werke von Böll, Grass, Siegfried Lenz, Christoph Hein und Stefan Heym in Russland veröffentlicht hat. Diese Übersetzungen seien unvergessen, verlören aber an Aktualität, so Schwydkoj. Damit die Klassiker aber nicht ausstürben, sei es ein wichtiger Schritt, Workshops in literarischer Übersetzung durchzuführen.

 

Die Jugend begeistern

In Russland beginnt das Kreuzjahr am 13. und 14. September. Die Eröffnungsfeier findet im Moskauer Hermitage-Garten statt. Rüdiger Bolz, Direktor des Moskauer Goethe-Instituts, ist es besonders wichtig, Kinder und Jugendliche für das Kreuzjahr zu begeistern. Das will er unter anderem mit dem deutschen Rapper CRO erreichen, zudem sollen Märchen der  Gebrüder Grimm rezitiert werden und auch eine Sonderausgabe der „Sendung mit der Maus“ steht auf dem Programm. 

Deutschland wird erstmals einen Preis an Literaturübersetzer verleihen. In Russlands siebtgrößter Stadt Kasan wird ein russisch-deutsches Institut eröffnet und erstmals wird eine Anthologie deutscher Bühnenstücke vorgestellt werden.

Ungeachtet der derzeit angespannten deutsch-russischen Beziehungen in der Politik findet Bolz, dass das Kreuzjahr gerade zur richtigen Zeit komme: „Die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland sind schlechter denn je. In diesem Sinne muss man den Dialog auf der Ebene der Kultur aufbauen“, sagte er. Außerdem werde heute Russisch weniger denn je gelernt und gelehrt. Und das könnten Russland und Deutschland sich als Kultur- und Geschäftszentren unter Bedingungen einer harten Sprachenkonkurrenz einfach nicht erlauben.

Das Kreuzjahr endet am 6. Juni 2015 in Moskau, am 140. Geburtstag des deutschen Schriftstellers Thomas Mann.

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