Neues Gesetz verbietet Datenspeicherung im Ausland

"Infolge des neuen Gesetzes könnte es für russische Bürger schwierig werden, Flugtickets auf Webseiten ausländischer Airlines oder Hotelzimmer über internationale Portale zu buchen", meinen Experte. Foto: PhotoXPress

"Infolge des neuen Gesetzes könnte es für russische Bürger schwierig werden, Flugtickets auf Webseiten ausländischer Airlines oder Hotelzimmer über internationale Portale zu buchen", meinen Experte. Foto: PhotoXPress

Personenbezogene Daten russischer Bürger müssen zukünftig auf Servern mit russischem Standort gelagert werden. Das könnte vor allem bei der Buchung von Flügen und Hotels im Ausland zum Problem werden.

Ein neues russisches Gesetz sorgt für Aufruhr unter Onlineunternehmen: Das Gesetz verbietet die Speicherung von personenbezogenen Daten auf Servern außerhalb der russischen Grenzen. Zukünftig dürfen solche Daten nur noch auf Servern mit Standort Russland gespeichert werden. Das neue Gesetz soll ab September 2016 gelten. Wer das Gesetz nicht befolgt, dem drohen Zugangsbeschränkungen oder sogar die Sperrung der Webseite.

 

Schluss mit Flugbuchungen und Hotelreservierungen im Internet?

Internationale Unternehmen, die derzeit Daten aus verschiedenen Ländern auf Servern von Drittanbietern außerhalb Russlands speichern, müssen in Zukunft personenbezogene Informationen aus Russland getrennt aufbewahren. Dies betrifft zahlreiche internationale Webseiten, Entwickler mobiler Applikationen, Betriebe bis hin zu regionalen Kleinunternehmen, zu deren Kundschaft russische Benutzer gehören.

Dabei könnte sich in Abhängigkeit vom Aufbau der betroffenen Online-Plattform der Vorgang, die russischen Daten getrennt in Russland aufzubewahren, als schwierig erweisen. Diese Aufgabe könnte hohe

Zusatzkosten nach sich ziehen, wie ein Unternehmenssprecher gegenüber der russischen Wirtschaftszeitung „Wedomosti“ erklärte. „In der Folge könnte es für russische Bürger schwierig bis unmöglich werden, zum Beispiel Flugtickets auf Webseiten ausländischer Airlines oder Hotelzimmer über internationale Portale zu buchen, da in diesen Fällen personenbezogene Daten außerhalb Russlands gespeichert und gesammelt werden“, heißt es bei der Russischen Assoziation für elektronische Kommunikation (RAEK). „Wedomosti“ nannte als weiteres Beispiel den heimischen Mobilfunkbetreiber MegaFon, der personenbezogene Daten seiner Kunden auf einem Cloud-Server speichert.

Jedoch gehen einige Marktbeobachter davon aus, dass das Gesetz  noch angepasst werden könnte, insbesondere hinsichtlich der Onlinebuchung von Flugtickets, erklärte Aleksandr Sisinzew, CEO des Reiseinformationsportals Biletix gegenüber „Wedomosti“.

 

Vorausschauende Planungen zahlen sich jetzt aus

In den meisten Fällen sollte das neue Gesetz einfach umgesetzt werden können, insbesondere bei Firmen, die ausschließlich russische Kunden oder Nutzer haben. Wie eine solche Datenrückführung durchgeführt werden könnte, hat im vergangenen Jahr die russische Flash-Sale-Webseite KupiVIP.ru gezeigt: „Wir haben alle Daten aus Deutschland, wo wir anfangs unsere Server hatten, zurück nach Russland transferiert“, berichtete Oskar Hartmann, Präsident von KupiVIP.ru, gegenüber „East-West Digital News“.

Info:

In der vergangenen Woche sind Vertreter des sozialen Netzwerks Facebook in Russland eingetroffen, um mit der für die Bereiche Kommunikation, Informationstechnologie und Massenkommunikation zuständigen Aufsichtsbehörde Roskomnadsor zu verhandeln, berichtete die russische Zeitung „Iswetija" unter Berufung auf gleich drei Regierungsquellen. Facebook wurde dabei von Thomas Myrup Kristensen, Director Public Policy, Nordics, Central and Eastern Europe and Russia, vertreten. Kristensen soll das neue Gesetz mit führenden Vertretern von Roskomnadsor diskutiert haben. Bei Facebook sei man beunruhigt, dass zukünftig die Server, auf denen die Daten der russischen Bürger gespeichert sind, auf russischem Boden stehen müssen. Die Facebook-Delegation habe angeblich um Geheimhaltung des Treffens gebeten. Ergebnisse des Treffens sind nicht veröffentlicht worden.

Was internationale Datenbanken angeht, so haben laut Newsportal einige Beispiele gezeigt, dass die Trennung personenbezogener Daten nach Herkunftsland ebenfalls kein Ding der Unmöglichkeit ist, auch wenn diese Variante komplizierter und kostspieliger ist. Beim Versandhaus La Redoute Rus beispielsweise habe man die persönlichen Daten russischer Bürger schon seit der Gründung der Firma auf russischen Servern gespeichert. „In der Pariser Firmenzentrale hat man diese Entscheidung damals nicht nachvollziehen können“, erklärte José Metz, General Manager von La Redoute Rus, gegenüber „East-West Digital News“. Doch La Redoute Rus hat damit Weitsicht bewiesen. Man habe berücksichtigt, dass viele russische Kunden die Speicherung ihrer Daten in Russland bevorzugen, führte Metz weiter aus.  

Auch nach Angaben des Geschäftsführers eines internationalen Entwicklers von Mobile Apps ist die Datentrennung nach Herkunftsland keine seltene Angelegenheit. „So wollen beispielsweise viele Urheber, dass der Inhalt ihrer Videos von Nutzern mobiler Geräte ausschließlich in einem bestimmten Land gesehen werden kann“, zitiert ihn „East-West Digital News“. Der Standort der Nutzer könne sehr präzise bestimmt werden. „Das Gesetz wird nur Unternehmen herausfordern, deren komplexere Datenbanken internationale Daten miteinander vermischen und deren Struktur keine Anpassungen ermöglicht“, glaubt der Unternehmer. Die Unternehmen müssten neue Lösungen finden, denn ohnehin sei der früher zu beobachtende Trend, Daten bis ins Unendliche zu sammeln, spätestens seit dem NSA-Skandal gestorben. Das neue russische Gesetz greife bereits jetzt auf, was zukünftig wohl der neue Standard bei der Datenspeicherung sein werde: die Re-Segmentierung des World Wide Web auf nationaler Ebene, fasst der CEO zusammen.

 

Anmerkungen der Redaktion

Das neue Gesetz bezieht sich lediglich auf persönliche und nicht auf nutzerbezogene Daten. Gemäß russischem Gesetz sind persönliche

Informationen dadurch gekennzeichnet, dass mit ihrer Hilfe aus der Masse ein bestimmtes Individuum identifiziert werden kann. Wenn nur einzelne persönliche Daten einer Person gespeichert werden, die eine eindeutige Identifizierung verhindern, etwa nur der Vorname ohne den Familiennamen, handelt es sich nicht um personenbezogene Daten im Sinne des Gesetzes.

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