Moskauer Metro: Wechsel in der Chefetage

Sergej Sobjanin hatte sich, seit er im Jahr 2011 Bürgermeister Moskaus wurde, das Ziel gesetzt, die Verkehrsprobleme der russischen Hauptstadt zu lösen. Dazu sollte der Ausbau der Moskauer Metro vorangetrieben werden. Foto: ITAR-TASS

Sergej Sobjanin hatte sich, seit er im Jahr 2011 Bürgermeister Moskaus wurde, das Ziel gesetzt, die Verkehrsprobleme der russischen Hauptstadt zu lösen. Dazu sollte der Ausbau der Moskauer Metro vorangetrieben werden. Foto: ITAR-TASS

Das schwere Unglück in der Moskauer Metro hat personelle Konsequenzen: Igor Besedin, bisheriger Chef, musste seinen Hut nehmen. Der Ausbau der Moskauer Metro wird weiter vorangetrieben, doch in Zukunft gilt: Safety First.

Nach dem Unglück in der Moskauer Metro am 15. Juli, bei dem 23 Menschen starben und über 200 zum Teil schwer verletzt wurden, musste nun der Chef der Moskauer Metro, Iwan Besedin, gehen. Besedin hatte den Posten 2011 übernommen. Nach den Terroranschlägen auf die „rote Linie“ im Jahr 2010 war das Unglück das zweitschwerste in der Geschichte der Moskauer U-Bahn.

Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin erklärte am vergangenen Dienstag bei einer Sitzung der Moskauer Stadtverwaltung, dass in den vergangenen Jahren viel in die Moskauer Metro investiert worden sei. Unter anderem sei der Fuhrpark erneuert worden. Doch alle Erfolge der vergangenen Jahre habe das Unglück der vergangenen Woche zunichte gemacht, klagte Sobjanin. Wasilij Ucharski, Analyst für Makroökonomie bei UFS IC,

Hintergrund

 

Der neue Chef der Moskauer Metro, Dmitrij Pegow, war 20 Jahre lang bei den Russischen Eisenbahnen tätig. Dort schaffte er es vom Lokführergehilfen bis zum Generaldirektor der Niederlassung in Sankt Petersburg. „Er hat eine sehr schwierige Aufgabe vor sich, nämlich das Vertrauen der Moskauer zu ihrer U-Bahn zurückzugewinnen", sagte der Moskauer Oberbürgermeister Sobjanin am Dienstag gegenüber RBK.

bestätigte gegenüber RBTH, dass sich die Metro in der letzten Zeit stark verändert habe: „Neue Stationen wurden in Betrieb genommen, die Züge erneuert. Das Image der Metro hat sich so in den letzten Jahren kontinuierlich verbessert, die Moskauer Metro wurde zur Erfolgsgeschichte“, so der Experte. Allerdings hätte das die offenbar bestehenden, erheblichen Sicherheitsmängel verschleiert, die zum Unglück geführt haben, so Ucharski.

Dimitri Absalow, Leiter des Zentrums für strategische Kommunikation, weist darauf hin, dass der Posten des Metro-Chefs mit sehr viel Einfluss verbunden sei: „Die Moskauer U-Bahn ist der größte Verkehrsbetrieb Russlands mit einem enormen Fahrgastaufkommen und maximaler Belastung.“ Der Metro-Chef könne nahezu unabhängig agieren. Besedins Vorgänger Dimitri Gaew stand der Moskauer Metro ganze 16 Jahre lang vor. Im Jahr 2011 endete seine Amtszeit mit einem Skandal: Gaew sah sich Korruptionsvorwürfen ausgesetzt, er soll seine Kompetenzen weit überschritten haben. Im Jahr nach seiner Entlassung starb Gaew. Sein Nachfolger Besedin profitierte davon, dass Moskaus Bürgermeister Sobjanin das Verkehrssystem zur neuen Visitenkarte Moskaus ausbauen wollte. „Gerade für die U-Bahn wurde sehr viel Geld ausgegeben“, so Absalow.

Auf Besedin folgt nun Dimitri Pegow, der zuvor die Direktion für Schnellverkehr der Russischen Eisenbahnen geleitet hatte. Kein Zufall, glaubt Dimitrii Absalow, denn Pegow war für die Inbetriebnahme der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Moskau und Sankt Petersburg verantwortlich. „Der Sicherheitsaspekt hatte auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke oberste Priorität“, so Absalow. Zudem musste man die neuen, modernen Sapsan-Züge in die teils veraltete Infrastruktur einbinden. Vor diesen Herausforderungen steht Pegow nun auch bei der Moskauer Metro.  

 

Kostenoptimierung und Kooperationen

Sergej Sobjanin hatte sich, seit er im Jahr 2011 Bürgermeister Moskaus wurde, das Ziel gesetzt, die Verkehrsprobleme der russischen Hauptstadt zu lösen. Dazu sollte der Ausbau der Moskauer Metro vorangetrieben werden. Bis zum Jahr 2020 sollten mehr als 160 Kilometer neue Strecke sowie 79 neue Stationen gebaut werden. Die Metro sollte anderthalb Mal so lang werden. Die eigens gegründete Betreibergesellschaft Mosinshprojekt gewann die öffentliche Ausschreibung für die Projektleitung und löste das private Unternehmen Mosmetrostroj ab.

Mosinshprojekt sollte vor allem die Baukosten und die Bauzeit reduzieren. Nach Angaben von Mosinshprojekt habe die Moskauer Stadtverwaltung durch die Verwendung von neuen Technologien die Baukosten für jede neue Station von 6,8 Milliarden Rubel (144 Millionen Euro) auf 4,5 Milliarden Rubel (96 Millionen Euro) reduzieren können. Das Projekt war insgesamt mit einer Summe von einer Billion Rubel (21,3 Milliarden Euro) veranschlagt. Mosinshprojekt habe so Einsparungen in Höhe von etwa 250 Milliarden Rubel (5,3 Milliarden Euro) erreichen können. Mit dieser Summe könne man etwa 50 Kilometer Strecke bauen, erklärte ein Vertreter von Mosinshprojekt gegenüber RBTH.

Mosinshprojekt greift bei der Realisierung des Metro-Projekts auf ausländische Erfahrungen zurück, um Kosten zu sparen. Seit Langem baute man in Moskau nach dem Vorbild der Londoner U-Bahn. Dabei fahren die Züge durch zwei unabhängige Röhren, die Bahngleise sind an jeder Station seitlich verlegt. Mosinshprojekt baut hingegen nach spanischem Vorbild. Dort gibt es üblicherweise nur eine Tunnelröhre. Dadurch könnten bis zu 30 Prozent der Gesamtkosten eingespart werden.

Seit Mai 2014 besteht eine Kooperation mit der chinesischen Bahnbaugesellschaft China Railway Construction Corporation (CRCC) und dem Privatunternehmen China International Fund. Die chinesischen Unternehmen sind Projektpartner beim Bau einer neuen Linie, der sogenannten leichten Metro, deren Strecken überwiegend oberirdisch verlaufen. Der Gesamtwert des Projekts beträgt etwa 4,5 Milliarden Euro.

Dimitri Baranow von der Beratungsgesellschaft Finam Management glaubt allerdings, dass nach dem Führungswechsel wieder mehr Arbeiten durch Mosmetrostroj ausgeführt werden könnten. Das Unternehmen wurde aus der Reihe der Hauptauftraggeber nicht ausgeschlossen und ist auch jetzt schon an den Bauarbeiten beteiligt.

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