Russland nimmt Kampf gegen Fettleibigkeit auf

Mit dem Wohlstand stieg auch das Körpergewicht der Russen. Foto: PhotoXPress

Mit dem Wohlstand stieg auch das Körpergewicht der Russen. Foto: PhotoXPress

In Russland könnten bald alle Fast-Food-Verpackungen mit Warnhinweisen und schockierenden Abbildungen versehen werden. Diese sollen Menschen darstellen, die an Fettleibigkeit leiden. Zudem wird gefordert, Hinweise anzubringen, die vor den negativen Folgen von Fettleibigkeit warnen.

Die Liberaldemokratische Partei Russlands (LDPR) will Inhaber von Fast-Food-Restaurants dazu zu verpflichten, auf den Verpackungen ihrer Produkte Warnhinweise und Schockbilder anzubringen, die sich auf die negativen Folgen des exzessiven sowie alltäglichen Konsums ihrer Lebensmittel beziehen. Dazu soll eine Änderung in dem russischen Werbe- sowie Konsumentenschutzgesetz vorgenommen werden, deren Ausarbeitung federführend Igor Lebedew, stellvertretender Vorsitzender der Staatsduma und Leiter des Obersten Rates der LDPR, übernehmen wird. „Es ist wie bei den Zigaretten: Die Konsumenten müssen vor den negativen Folgen des exzessiven Verzehrs von Fast Food gewarnt werden", heißt es in einer Pressemitteilung der Partei.

Konkret sollen die Fast-Food-Verpackungen in Zukunft mit Warnhinweisen und Abbildungen versehen werden, die nachdrücklich vor den negativen Folgen derjenigen Krankheiten warnen, die durch regelmäßigen Konsum von Fast-Food verursacht werden. Dazu zählen Fettleibigkeit, Schädigung innerer Organe sowie Lungen-, Herz-, Nieren und Lebererkrankungen.

Der Vorschlag über die Gesetzesänderung geht mit der generellen Kritik der staatlichen Aufsichts- und Regulierungsbehörden an der Fast-Food-Kette McDonald's einher. Diese hat den amerikanischen Fast-Food-Riesen im Juni 2014 bezüglich der Qualität des verwendeten Fleisches verwarnt. Aus diesem Anlass schlugen einige Parlamentsabgeordnete zusätzlich vor, auch andere Fast-Food-Restaurants, darunter Kentucky Fried Chicken und Burger King, genauer zu untersuchen.

Und auch die russische Verbraucherschutzbehörde Rospotrebnadsor hat vor dem Twerskoj-Berzirksgericht in Moskau eine Klage eingereicht, die den Schutz der russischen Konsumenten garantieren soll. Konkret forderten die Beamten, alle Restaurants der Firma McDonald's dazu zu verpflichten, wahrheitsgemäße Angaben zum Nährwert ihrer Produkte zu machen. Zuvor hätten McDonald's angeblich falsche Angaben zu dem Kaloriengehalt seiner Produkte gemacht. „Die Auflistung der Nähr- sowie Kalorienwerte unserer Lebensmittel erfolgt gemäß den vom Institut für Ernährungswissenschaften der Russischen Akademie der Medizinwissenschaften festgelegten Methoden", antwortete die Presseabteilung von McDonald's auf diese Vorwürfe. Die Klage der Verbraucherschützer soll noch in diesem Monat geprüft werden.

 

Volkskrankheit Übergewicht

In Russland hat sich Übergewichtigkeit mittlerweile regelrecht zu einer Volkskrankheit entwickelt. „Das durchschnittliche Gewicht der Russen ist in den letzten 20 Jahren stark angestiegen – dies verdeutlichen viele Studien.

Darüber hinaus zählen die Ärzte besonders viele übergewichtige Menschen, die eine Vorsorgeuntersuchung bei ihnen machen wollen", wie Kirill Danischewskij, Professor für Management im Gesundheitswesen, feststellt. Der Experte ist der Meinung, dass die Schuld dafür nicht alleine bei den Fast-Food-Restaurants zu suchen sei. „Es sind bei Weitem nicht nur die Burger daran schuld, sondern auch die allgemeinen Entwicklungen bei der Art der Ernährung", erklärt der Experte. Seiner Meinung nach sei diese damit zu erklären, dass es zu Sowjetzeiten ein Defizit an Fleisch gab. Deshalb hätten sich die Menschen damals überwiegend von Obst und Gemüse ernährt. Auch hätten die sowjetischen Nahrungsmittel weniger chemische Zusatzstoffe aufgewiesen. „Als die Lebensmittelknappheit in der Sowjetunion vorbei war, konnten die Menschen alles essen, was sie wollten. Gleichzeitig stieg aber der Kaloriengehalt der Lebensmittel an", beklagt sich Danischewskij und fügt hinzu, dass sich die Menschen in Russland immer weniger bewegen würden. Der Bewegungsmangel gehe mit der abnehmenden physischen Arbeit einher.

„Während in der Sowjetunion Übergewicht meistens nur bei Frauen im Alter ab 45 vorkam, sind heute auch Männer und Menschen im jungen Alter davon betroffen. So ist Übergewicht immer mehr sowohl bei Männern als auch bei Frauen, die älter als 20 sind, anzutreffen. Bei den Frauen haben wir mittlerweile sogar die USA überholt, führt der Professor weiter aus. In Russland gebe es zwar nur sehr wenige Menschen, die an extremer Fettleibigkeit leiden, doch Übergewicht trete bei Frauen, die älter als 30 Jahre alt sind, immer häufiger auf. Und auch die Männer würden häufig an einem „Bierbauch" leiden. „Wie man sehen kann, liegt also das

Problem nicht alleine bei den Hamburgern, sondern in der Art und Weise, wie sich die Menschen ernähren und wie viel sie sich körperlich betätigen."

Der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge wurde bei 59,8 Prozent der Erwachsenen in Russland Übergewicht diagnostiziert. Dies zeugt von einem kritischen Gesundheitszustand der russischen Bevölkerung. Laut der Harvard Business School nimmt Russland weltweit den fünften Platz ein, was den Anteil von übergewichtigen Menschen an der Gesamtbevölkerung angeht. Für die Harvard-Wissenschaftler hängt die Fettleibigkeit der Menschen mit einer unausgewogenen Ernährung zusammen. Der durchschnittliche Russe nehme zu viele tierische Fette, rotes Fleisch, Wurstwaren und butterhaltige Sahneprodukte zu sich. Obst und Gemüse kämen in der täglichen Ernährung zu kurz.

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