McDonald’s-Aus in Russland: Über das Recht, fett zu sein

"Ich habe geschwiegen, als die Versammlungsfreiheit verboten wurde. Ich habe geschwiegen, als die Meinungsfreiheit aufgehoben wurde. ABER ICH WERDE MIR MEIN RECHT, FETT ZU SEIN, NICHT NEHMEN LASSEN." Foto: Reuters

"Ich habe geschwiegen, als die Versammlungsfreiheit verboten wurde. Ich habe geschwiegen, als die Meinungsfreiheit aufgehoben wurde. ABER ICH WERDE MIR MEIN RECHT, FETT ZU SEIN, NICHT NEHMEN LASSEN." Foto: Reuters

Russlands Netz-Community diskutiert die Schließung von drei Moskauer Filialen der Fast-Food-Kette McDonald’s. Humorvoll bis nachdenklich wird das drohende Burger-Aus bei Twitter kommentiert. RBTH serviert eine Auswahl der besten Tweets.

Am 20. August ließ die russische Verbraucherschutzbehörde Rospotrebnadsor in Moskau drei Restaurants der McDonald’s-Kette schließen. Als Begründung führte die Behörde offiziell Hygienemängel an. Zurzeit werden weitere Filialen der Fast-Food-Kette überprüft. Russlands Internet-Community glaubt nicht an die offizielle Begründung, viele sehen die Schließung im Zusammenhang mit den Sanktionen der USA gegen Russland. Andere vermuten, dass die heimische Fast-Food-Branche unliebsame Konkurrenz aus dem Weg schaffen wollte.

Es kursiert ein Foto, das Ronald McDonald, Maskottchen des Burger-Riesen, bei seiner Verhaftung zeigt (das Foto wurde jedoch tatsächlich nicht in Russland aufgenommen):

 

Unbestätigt ist auch das folgende Gerücht über das Schicksal des gelben Clowns:

Schließen musste unter anderem die erste russische McDonald’s-Filiale, die 1990, noch zu Sowjetzeiten, am Puschkin-Platz eröffnete. 30 000 Menschen sollen dort vor der Tür Schlange gestanden haben, berichteten deutsche Zeitungen damals. Gegen den Inbegriff westlicher Lebenskultur hatte es der Sozialismus schwer. Ob das allerdings eine Geschmacksfrage war, lässt sich heute nicht mehr genau klären. 

@OlegSolskiy: Vor 20 Jahren waren der Big Mac und der doppelte Cheeseburger im #McDonald’s auf dem Puschkin-Platz viel leckerer als heute...

 

@golub: Unsere Großväter haben um den Double-Cheese gekämpft.

 

Das Recht, dick zu sein 

Viele User sehen eine politische Dimension in der Schließung und wollen sie nicht hinnehmen.

@AveMisha: Ich habe geschwiegen, als die Versammlungsfreiheit verboten wurde. Ich habe geschwiegen, als die Meinungsfreiheit aufgehoben wurde. ABER ICH WERDE MIR MEIN RECHT, FETT ZU SEIN, NICHT NEHMEN LASSEN.

 

Schimpfen verboten, sexy Unterwäsche verboten, McDonald’s verboten: Ein User macht sich Gedanken darüber, wohin das alles führen soll:

@twitted_knitter: Wir schreiben das Jahr 2016. Ein Abgeordneter der Staatsduma erfährt, dass es nichts mehr zum Verbieten gibt und versetzt einfach seinem Hund einen Tritt.

 

Manch einer glaubt, dass durch die Schließung längst vergessene, einst vertraute, Parolen der Sowjetzeit wiederbelebt werden sollen, so etwa der Schlachtruf „Kasse frei“, der den geduldig in der Schlange Wartenden signalisierte, dass sie nun endlich an der Reihe waren.

@ivan_f_davydov: Es heißt, dass die McDonald’s(-Filialen) für die extremistische Parole „Freie Kasse!“ geschlossen würden.

 

Auf die bilaterale Dimension der Schließung weist der nächste User hin.

@Dobrokhotov: Ich gehe am leeren McDonald’s vorbei, wo Journalisten erstaunte Leute über die amerikanisch-russischen Beziehungen ausfragen.

 

Sogar Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt werden befürchtet:

@crazy_kutas: In Moskau schließt man die McDonald’s-Filialen. Wo sollen nun die Sozialwissenschaftler arbeiten?

 

 

Kartoffel pur statt Pommes

Wie üblich machen sich Verschwörungstheorien breit. Der wahre Schuldige hinter der McDonald’s-Schließung ist längst identifiziert: Die heimische Konkurrenz war es, wie beispielsweise die russische Fast-Food-Kette Kroschka kartoschka. Statt Pommes und Burger soll es mit Salat gefüllte Kartoffeln oder Kuljebaki, Fleischkuchen, geben, und zwar mit Unterstützung des Moskauer Bürgermeisters Sobjanin.

@korobkov: Was hat Kroschka kartoschka für die Schließung der drei McDonald’s-Filialen gezahlt?

 

@Sandy_mustache: Sergej Sobjanin meldet, dass bis Ende des Jahres in Moskau eine Kulebjaki-Kette öffnen wird.

 

Kartoffeln mit Salat und Fleischkuchen sind sicher keine schlechte Alternative, aber hoffen wir, dass der folgende Tweet nicht der Wahrheit entspricht: 

@Shulz: Wozu braucht ein Russe auch McDonald’s? Die Russen haben immer schon Strohschuhe und Matrjoschka-Puppen gegessen.

 

 

Besser essen ohne Burger

Allerdings gibt es auch Befürworter der Schließung – auch wenn McDonald’s so einige Vorzüge zu bieten hatte, wie etwa die kostenlose Toilettenbenutzung:

@KolyaKulikov: Als Anhänger der gesunden Lebensweise unterstütze ich die Initiative mit McDonald’s. Als Bürger mit einer Harnblase bin ich empört!

 

Das Angebot der Fast-Food-Kette traf eben auch einfach nicht den Gourmet-Nerv:

@yasviridov: (…) McDonald’s hat drei Michelin-Todessterne.

 

Und schließlich gibt es positive Auswirkungen – Russland wird ohne McDonald’s sicher bald besser aussehen: 

@twitted_knitter: Vorsicht, McDonald’s schließt! Nächster Halt: eine schlanke Figur.

 

Etwas ernsthafter setzt sich das Online-Magazin „The Village“ mit dem Aus für die McDonald’s-Filialen auseinander. Jüngst veröffentlichte es eine nostalgisch-wehmütige Reportage aus der leergefegten ersten russischen McDonald’s-Filiale am Puschkin-Platz.

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