Die Zukunft der russischen Bildung ist digital

In der Lehre setzt Russland auf innovative Technologien. Foto: Alexander Kondratjuk/RIA Novosti

In der Lehre setzt Russland auf innovative Technologien. Foto: Alexander Kondratjuk/RIA Novosti

Russlands Bildungslandschaft wird digital, glauben Experten, die RBTH am Rande des Moskauer Zukunftsforums „Open Innovation 2014“ befragt hat. Der Einsatz neuer Technologien in Schule und Hochschule ermöglicht auch jenen einen Zugang zu Bildung, die bisher davon ausgeschlossen waren.

Vom 14. bis 16. Oktober fand in Moskau das internationale Forum „Open Innovation 2014" statt. Auf Innovationskurs ist auch das russische Bildungssystem. Bis zum Jahr 2020 werden zahlreiche neue Berufe und Studiengänge geschaffen wie Wetterenergetiker, IT-Mediziner, Genetic Counselor, Zeppelinentwickler, Öko-Auditor, Weltraumbiologe und Weltraumgeologe. Der „Atlas der neuen Berufe", der von der Agentur für Strategische Initiativen und der Moskauer School of Management Skolkovo herausgegeben wird, stellt die neuen Berufsbilder vor. Um das russische Bildungssystem im internationalen Vergleich konkurrenzfähig zu machen, bedarf es jedoch neben einer Anpassung an weltweite Standards vor allem innovativer Ausbildungsmethoden.

Ein innovativer Zugang zu Bildung ist in Russland noch längst nicht die Norm. Bisher sind es nur ausgewählte Orte, die sich zukunftsfähig präsentieren. Leonid Bugaew, Creative Director der Marketing-Agentur Nordic Agency ist überzeugt, dass man an einigen dieser Orte der Zeit sogar weit voraus ist: „Es gibt Orte, an denen wir hinsichtlich der Zugänglichkeit zu Informationen und Technologie jetzt schon im Jahr 2025 leben", sagt er. Was damit gemeint ist, erklärt Natalja Zarewskaja-Djakina, Managing Director des Venture Capital Fonds Synergy Innovations: „Studenten der Staatlichen Technischen Universität in Moskau haben eines der Universitätslabors digitalisiert. So arbeiten sie inzwischen tagtäglich von einer digitalen Cloud aus, die von überall aus in Russland zugänglich ist."

 

Bildung und Lehre für die digitale Generation

„Die nachfolgenden Generationen werden in eine digitale Welt hineingeboren", sagt Alexander Laszlo von der International Society for the Systems Sciences. Viele Unternehmen reagieren bereits auf diese Entwicklung, wie beispielsweise Rovio Entertainment, bekannt für das Kultspiel „Angry Birds". Es entwickelt interaktive Lernprogramme für Schüler und beschäftigt eine eigene Abteilung für den Bildungsbereich.

Auch bei Rostelekom ist Bildung ein Thema. Jakow Mendeleew, Leiter der Entwicklungsabteilung im Projekt „Digitale Schule der Zukunft" bei Rostelekom, erklärt, dass das russische Bildungs- und Wissenschaftsministerium die Digitalisierung der Bildung vorantreibe. Das Ministerium fordere die Schulbuchverlage auf, digitale Angebote zu schaffen. Dabei gehe es nicht nur darum, den Inhalt der Schulbücher zu digitalisieren, sondern darüber hinaus interaktive Angebote für die Schüler zu entwickeln.

Neue Technologien haben schon in vielen russischen Schulen Einzug gehalten. Davon profitieren vor allem kranke Kinder oder Kinder mit Behinderungen, die keine Schule besuchen können und denen dadurch bisher der Zugang zu Bildung und Gesellschaft verwehrt blieb. Unter Einsatz

moderner Technik und Kommunikationsmittel könnten auch diese Kinder nun am Unterricht teilnehmen, erklärt Sergej Pewnew, Marketingdirektor von Samsung. Der südkoreanische Konzern engagiert sich in Russland mit dem Projekt „Bildung für alle".

Samsung ist zudem im Hochschulbereich aktiv. „Mit unserer ‚IT Academy' haben wir ein Bildungsprogramm im Bereich der Softwareentwicklung aufgebaut, das in 20 Regionen eingesetzt wird", erklärt Pewnew. Denn auch die Hochschulen werden sich dem Umstand, dass ihre zukünftigen Studenten im digitalen Zeitalter aufgewachsen sind, stellen müssen. Das hat Auswirkungen auf die Lehre, wie Alexander Laszlo anmerkt. Eine Herausforderung werde sein, die Studierenden aktiv in den Bildungsprozess einzubinden. Dazu müssten sie dort abgeholt werden, wo sie stehen. Laszlo will die Studenten mithilfe digitaler Angebote an ihrem Wohnort fördern. Solche Angebote gibt es bereits, wenngleich nur an Hochschulen, die für potenzielle Arbeitgeber besonders interessant sind.

„Die innovativen Bildungsangebote ermöglichen eine optimale individuelle Talentförderung", ist Sergej Pewnew überzeugt und glaubt, dass in Zukunft

mehr russische Hochschulen solche Angebote übernehmen werden. Voraussetzung dafür seien mobile Technologien, die es ermöglichen, zum Beispiel Webinare und Onlineprüfungen anzubieten, um einheitliche Standards und eine gewisse Qualität der Angebote zu gewährleisten.

Russland verfügt nach Ansicht von Michael Stopfold, Managing Director der US-amerikanischen Kommunikationsagentur Weber Shandwick, bereits über die entsprechenden Technologien. Russische Hochschulen müssten nun internationale Kooperationen forcieren und weiterhin daran arbeiten, ein Teil des globalen Bildungssystems zu werden. Russische Hochschulen seien bestrebt, den internationalen Anforderungen zu entsprechen und in internationalen Rankings gut abzuschneiden, meint Alexander Laszlo und fügt hinzu, dass die innovativen Ansätze im Bildungsbereich ein richtiger Schritt in diese Richtung seien.

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