Moskau kämpft gegen Falschparker

Moskauer Autofahrer feiern „Parkman“, der einen Abschleppdienst bezwang. Foto: Sergej Bobylew/TASS

Moskauer Autofahrer feiern „Parkman“, der einen Abschleppdienst bezwang. Foto: Sergej Bobylew/TASS

Parkraum ist knapp in Russlands Hauptstadt. Die Stadtverwaltung greift hart gegen Falschparker durch, es wird rigoros abgeschleppt. Der Moskauer Konstantin Altuchow wehrte sich – er nahm den Kampf gegen einen Abschleppwagen auf und gewann. Für Moskaus Autofahrer ist er jetzt ein Held.

Konstantin Altuchow war ein durchschnittlicher Moskowiter und hatte nie vor, ein Star zu werden, doch er gelangte zu unfreiwilliger Berühmtheit. Mitte Oktober fuhr Altuchow in Moskau zum Einkaufen und parkte seinen Pick-up am Straßenrand. Dabei soll er jedoch nicht den vorgeschriebenen Mindestabstand zu einem Zebrastreifen eingehalten haben. Als er zurückkam, sah er seinen Wagen bereits am Haken eines grünen Abschleppwagens. Altuchow reagierte spontan und sprang in den Wagen – laut Gesetz dürfen Fahrzeuge mit Insassen nicht abgeschleppt werden. Der Fahrer des Abschleppwagens forderte dennoch einen Betrag von 5 000 Rubel (rund 95 Euro) von Altuchow. 3 000 Rubel (55 Euro) sollte er zudem fürs Falschparken zahlen, dazu war er bereit. Doch die Zahlung der Gebühr fürs Abschleppen verweigerte er. Altuchow machte keine Anstalten, aus seinem Fahrzeug, das auf der Ladefläche des Abschleppwagens stand, wieder auszusteigen. Fast einen Tag und eine Nacht, insgesamt 22 Stunden lang, harrte Altuchow aus und setzte sich schließlich durch. Sein Fahrzeug wurde wieder abgeladen. Das Unternehmen AMPP, das im Auftrag der Moskauer Stadtverwaltung den Abschleppwagen geschickt hatte, will nun gegen Altuchow klagen. Altuchows Geschichte verbreitete sich schnell – im Internet ist er bereits ein Held, dort wird er „Parkman“ genannt.

Viele Moskauer Autofahrer können Altuchow gut verstehen. Schon lange gibt es Konflikte zwischen Autofahrern und Parkkontrolleuren. Letztere sehen das Gesetz auf ihrer Seite, Falschparken habe nun einmal Konsequenzen. Die Autofahrer hingegen unterstellen den Parkkontrolleuren Abzocke, gar von mafiösen Strukturen ist die Rede. Im Internet machen sich die Autofahrer Luft. Es würden auch Autos abgeschleppt, die überhaupt nicht im Parkverbot gestanden hätten, heißt es da. Die Abschleppunternehmen hielten die Autos unnötig lange auf ihren eigenen Parkplätzen fest, um mehr Geld abrechnen zu können, lautet ein anderer Vorwurf. Gelegentlich würden Autos auch dann noch abgeschleppt, wenn der Halter vor Ort und bereit sei, das fällige Bußgeld zu bezahlen und sein Auto wegzufahren. Dann sei das Abschleppen laut Gesetz gar nicht erlaubt, doch die Abschleppunternehmen ignorierten das. Um ein abgeschlepptes Auto wiederzubekommen, muss ein Halter in der Regel viele Stunden beim Abschleppunternehmen warten. Die Autofahrer sind sauer und geben sich gegenseitig Tipps, wie man das Abschleppen des Autos verhindern kann.

 

Die Kontrollen sind schärfer geworden

Konstantin Altuchows Geschichte ist der vorläufige Höhepunkt dieser Auseinandersetzungen zwischen Parkkontrolleuren, Abschleppunternehmen und Autofahrern. Sein Fall führte sogar dazu, dass die Partei Gerechtes Russland eine Debatte in der Staatsduma anregte. Die Partei hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, das Abschleppen zu verbieten, sofern das falsch

geparkte Fahrzeug den Verkehr nicht behindert. Die Staatsduma hat sich bisher jedoch nicht damit auseinandergesetzt, sie fordert eine Überarbeitung des Entwurfs.

Alexander Schumski, Leiter des Moskauer Zentrums für Staubekämpfung, hält einerseits ebenfalls eine Überarbeitung der bisherigen Gesetzgebung für notwendig. Er appelliert aber auch an die Autofahrer, bestehende Gesetze einzuhalten. Seit einigen Jahren kontrolliere die Stadt die Einhaltung einfach strenger und würde weitaus häufiger Autos abschleppen lassen. „Vorher war es so, dass bei Verstößen oft ein Auge zugedrückt wurde, an die härtere Gangart haben sich noch nicht alle gewöhnt“, sagt er. Er wünscht sich, dass die Autofahrer die  Verkehrsregeln ernster nehmen würden und die Abschleppdienste kompromissbereiter seien. „Sie sollten nicht stur sein, wenn es auch eine andere Lösung als Abschleppen gibt“, findet Schumski.

Der Menschenrechtler Viktor Trawin wiederum fordert Gesetzesänderungen. Die aktuelle Praxis, die Autofahrer viele Kilometer fahren und stundenlang warten zu lassen, bis sie ihr Auto wiederbekommen, bezeichnet er als „menschenunwürdige Schikane“. Trawin rechnet jedoch nicht mit schnellen Veränderungen: „Die Abschleppdienste leben von diesem Geschäft und sind nicht daran interessiert, etwas zu verändern“, glaubt er.

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