Zankapfel in Sankt Petersburg: Aus für iPhone-Denkmal

Foto: Igor Russak/RIA Novosti

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Das riesige iPhone auf dem Campus der ITMO in Sankt Petersburg ist verschwunden – sehr zum Bedauern vieler Studenten und Sankt Petersburger. RBTH erklärt, warum das multimediale Denkmal für Apple-Gründer Steve Jobs zum Zankapfel wurde.

Das riesige iPhone, das seit Januar 2013 auf dem Campus der Sankt Petersburger Nationalen Forschungsuniversität für Informationstechnologien, Mechanik und Optik (NIU ITMO) stand, gibt es nicht mehr. Das Unternehmen ZEFS ließ das Denkmal für den Apple-Gründer Steve Jobs am 3. November demontieren.

Das russische soziale Netzwerk VKontakte hat bereits Interesse an dem Riesen-iPhone bekundet und wäre bereit, das Denkmal auf eigene Kosten zu renovieren und am VKontakte-Firmensitz aufzustellen. Auch die ITMO wäre bereit, eigene Mittel für Instandsetzung einzusetzen und würde es gerne wieder am bisherigen Platz wissen, erklärte der Direktor Wladimir Wassiljew. Im Internet startete eine Initiative zum Erhalt des Denkmals und es wurde zum Spendensammeln aufgerufen, um ZEFS das Denkmal abzukaufen. Doch bei ZEFS stößt man mit diesen Ideen auf taube Ohren. Das iPhone soll eingemottet bleiben. Wie kam es dazu, was war passiert?

 

Spionage im Namen des Apfels?

ZEFS-Chef Maxim Dolgopolow erklärte gegenüber RBTH, dass das iPhone eine Quelle der Verbreitung einer lügenhaften amerikanischen Legende, einer ansteckenden und schädlichen, sogar feindlichen Ideologie sei.

Anfangs hätte man sich bei ZEFS für die Ansätze von Apple noch begeistert und sei wie fast die gesamte IT-Branche dem „Mythos vom genialen Programmierer" Steve Jobs aufgesessen, sagt Dolgopolow. „Mit dem iPhone-Denkmal hätte das Unternehmen zeigen wollen, dass Sankt Petersburg bereit ist, für eine globale Kooperation im IT-Sektor", erzählt er weiter. Doch dann sei die Snowden-Affäre gekommen und es hätte sich herausgestellt, dass die Produkte von Apple Instrumente für eine Manipulation und totale Überwachung ihrer Nutzer auf der ganzen Welt durch die amerikanischen Geheimdienste seien, empört sich der ZEFS-Chef weiter. Er ist überzeugt davon, dass das iPhone eine Waffe in einem Cyberkrieg und als erster und empfindlicher Schlag gegen russische Staatsbürger zu betrachten sei.

Endgültig rot sah Dolgopolow nach dem Coming-out des neuen Apple-Chefs Tim Cook. Der bekannte sich zu seiner Homosexualität – das war zu viel für Dolgopolow: „Sünde sollte nicht zur Norm werden", entrüstete er sich.

 

Publikumsmagnet und Motivationshilfe

An der ITMO weist man daraufhin, dass das iPhone stets als Denkmal für die legendäre Persönlichkeit des Apple-Gründers betrachtet worden sei und nicht als Denkmal für die Produkte von Apple. Nun lagert es in einem Technologiepark, in dem Apple-Produkte durchaus häufig genutzt werden.

Alfred Chamzin, Mitarbeiter eines Gründerzentrums, das ebenfalls Räume auf dem Gelände des Parks bezogen hat, und Gründer der Business Set Agency, hat es gefallen. „Ausländische Besucher haben wir immer zuerst zu dem Riesen-iPhone geführt." Es sei ein beliebtes Fotomotiv gewesen und hätte die Kontaktaufnahme sehr erleichtert. Alexander Golowaty, ein Vertreter des Studentenrates der ITMO, erklärt, dass das Denkmal auch bei den Studenten sehr beliebt gewesen sei: „Die Geschichte von jemandem wie Steve Jobs konnte Studenten und Mitarbeiter der Universität einfach motivieren. Wenn man mal schlechte Laune hatte, weil nicht alles so lief wie es sollte, musste man nur einen Blick auf das iPhone werfen und schon war neuer Schwung da."

Das Riesen-iPhone wurde im Januar 2013 errichtet. Es war das erste Denkmal für den Apple-Gründer Steve Jobs in Russland und weltweit erst das dritte seiner Art. Zuvor wurde ihm diese Ehre schon in Ungarn und der

Ukraine zuteil. Die Kosten sollen bei rund 160 000 Euro gelegen haben. An der Vorderseite des Objekts ist ein interaktiver Bildschirm eingelassen, auf dem zuerst die Biografie von Steve Jobs zu sehen war. Bei Berührung des Touchscreens konnten Informationen in russischer, englischer, spanischer und chinesischer Sprache abgerufen werden. Aus einem kleinen Lautsprecher ertönte Musik. Auf der Rückseite war anstelle des Apfels der QR-Code angebracht, der auf eine Steve Jobs gewidmete Website führte.

Die Technik im Inneren des Riesen-iPhones blieb ein Geheimnis. Da es auf dem Campus der ITMO stand, einer der angesehensten IT-Universität Russlands, deren Studenten schon fünfmal Weltmeister im Programmieren wurden, galt es stets als mögliches Ziel für Hacker. Doch bevor diese Schaden anrichten konnten, setzte dem Denkmal die Witterung zu. Im regnerischen Sankt Petersburg sorgte eindringende Feuchtigkeit für Betriebsausfälle. Seit diesem Sommer funktionierte das iPhone nicht mehr und war nur noch ein dekoratives Element auf dem Campus.

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