Medienprojekt aus Russland: Ohren auf für „Sputnik“

Mit „Sputnik“ gibt es ein neues internationales Medienprojekt aus Russland. Foto: Alexej Filippow/RIA Novosti

Mit „Sputnik“ gibt es ein neues internationales Medienprojekt aus Russland. Foto: Alexej Filippow/RIA Novosti

Der Start des neuen russischen Medienprojekts „Sputnik“ soll dem internationalen Publikum die russische Weltsicht näher bringen. RBTH vergleicht die wichtigsten internationalen russischen Medienprojekte.

Das internationale Multimediaprojekt „Sputnik" vereint eine Nachrichtenagentur, die Webseite sputniknews.com, ein Pressezentrum sowie ein Netz aus Radiostationen, die in 30 Sprachen aus 34 Ländern berichten. „Sputnik" hat bereits Stationen in 17 Ländern des postsowjetischen Raums. Am Dienstag vergangener Woche feierte „Sputnik" auch in Georgien Premiere.

„Sputnik" gehört zum staatlichen Medienkonzern Rossiya Segodnya und ersetzt künftig den Auslandrundfunkdienst „Stimme Russlands" sowie die Nachrichtenagentur Ria Novosti. Beide werden im Zuge des „Gesetzes über Maßnahmen zur Verbesserung der Effizienz staatlicher Massenmedien" aufgelöst. „Stimme Russlands" berichtete seit 1929 international, Ria Novosti war eine der größten internationalen Nachrichtenagenturen und bestand seit 1941.

Die Inhalte von „Sputnik" werden nicht zentral in Moskau erarbeitet, sondern vor Ort. Dmitri Kiseljow, Generaldirektor von Rossiya Segodnya, erklärte, dass das Projekt einem weltweiten Publikum eine Alternative zur Berichterstattung der westlichen Massenmedien bieten solle. Internationale Ereignisse sollen vom russischen Standpunkt aus beleuchtet werden. Westliche Medien wittern daher bereits Kreml-Propaganda. Dmitri Kiseljow und die Chefredakteurin Margarita Simonjan gelten im Westen als Chefpropagandisten der russischen Regierung. „Sputnik bietet seinem Publikum Analysen, Experteninterviews und Unterhaltungsprogramme, die sich durch eine sorgfältige Themenauswahl und eine differenzierte Betrachtungsweise auszeichnen", erklärt Simonjan. Das Weltgeschehen solle durch „Sputnik" von einem anderen Blickwinkel aus betrachtet werden, sagen die Journalisten. Dmitri Kiseljow stellt klar: „Die Agentur ist darum bemüht, Russland als ein wichtiges Land mit guten Absichten zu positionieren."

 

RT – Das anti-westliche Sprachrohr Moskaus?

Die wichtigste Ressource von Rossiya Segodnya ist der 24-Stunden-Nachrichtenkanal RT. Dieser wird von Moskau aus in den Sprachen Englisch, Arabisch und Spanisch in über 100 Ländern ausgestrahlt und erreicht rund 700 Millionen Zuschauer. In Washington und London hat der Fernsehsender zudem eigene Studios, von denen aus gesendet wird. Der Kanal wurde mehrfach für internationale journalistische Auszeichnungen nominiert. Dennoch sind die Meinungen internationaler Journalisten über RT gespalten. RT wird oft mit der westlichen Boulevardpresse verglichen und wurde zudem bereits mehrfach der befangenen Berichterstattung über internationale Ereignisse beschuldigt. Erst kürzlich kritisierte die britische Medienaufsichtsbehörde Ofcom den Kanal und beschuldigte diesen der „voreingenommenen Berichterstattung über die Ereignisse in der Ukraine" und kritisierte, dass RT „ausschließlich die Position russischer Behörden" vertrete. Margarita Simonjan bestritt diese Vorwürfe und behauptete, dies sei „der Versuch, die Redaktionspolitik des Kanals zu beeinflussen".

 

TASS – Russlands Pionier

Die älteste staatliche Nachrichtenagentur in Russland wurde im Jahre 1904 gegründet und firmiert unter dem Namen „TASS". In den Jahren des Zweiten Weltkriegs richtete die Agentur eine eigene Frontredaktion ein.

Im Jahre 1992 wurde die Agentur in „ITAR-TASS" umbenannt. Doch im Zuge eines Rebrandings im September 2014 entschied man sich, den historischen Namen der Agentur wieder einzuführen. TASS widmet sich in der Berichterstattung russischer sowie internationaler Themen und schöpft dabei aus dem größten Korrespondentennetzwerk Russlands: Die Agentur zählt 70 regionale Vertretungen in Russland und Auslandsbüros in 63 Ländern. Die Inhalte von TASS sind in sechs Sprachen verfügbar: Russisch, Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch und Arabisch. Das Bildarchiv der Agentur umfasst zudem einige Millionen Fotos sowie Negative.

 

Russia Beyond The Headlines – Journalismus statt Propaganda

Das andere größe internationale Medienprojekt Russlands wurde von der russischen Tageszeitung „Rossijskaja Gaseta" im Jahr 2007 ins Leben gerufen und trägt den Namen „Russia Beyond The Headlines" oder kurz RBTH. RBTH berichtet für ein internationales Publikum und hat sich zum Ziel

gesetzt, die Präsenz von Nachrichten über Russland in internationalen Medien zu steigern. Daher publiziert RBTH in 23 Ländern weltweit Printbeilagen, die 29 international renommierten Zeitungen beigelegt werden. Zu diesen Zeitungen zählen beispielsweise das „Handelsblatt" in Deutschland, die „New York Times", das „Wall Street Journal" sowie die „Washington Post" in den USA, „Le Figaro" in Frankreich, „La Repubblica" in Italien oder die „Global Times" in China – um nur einige zu nennen. Darüber hinaus betreibt RBTH insgesamt 20 Webseiten in 16 Sprachen.

Die Besonderheit dieses Projekts liegt darin, dass die internationale Leserschaft nicht nur über aktuelle Ereignisse in Russland sowie über russische Geschichte, Kultur, Traditionen und Tourismus informiert wird, sondern darüber hinaus auch über internationale Ereignisse mit einem Bezug zu Russland. Die Redaktion richtet sich bei ihrer Arbeit nach den journalistischen Standards, Prinzipien und Traditionen jenes Landes, in dem die jeweilige Printausgabe erscheint.

Mehr als 70 Prozent der Artikel, Reportagen und Berichte werden von RBTH selbst verfasst. Die übrigen 30 Prozent stammen aus führenden russischen Medien. Diese Beiträge werden in die jeweilige Sprache übersetzt und von den RBTH-Redakteuren an die Standards ihrer Partnerzeitungen adaptiert.

Ewgenij Abow, Herausgeber von RBTH, sagt dazu: „Die Artikel aus russischen Printmedien werden in der internationalen Presse kaum verwendet, da sich die journalistischen Traditionen Russlands zu stark von der anderer Länder unterscheiden." Außer an der journalistischen Qualität zweifelten die internationalen Partner zu Beginn auch an einer objektiven Berichterstattung, wie Abow ausführt: „Unsere Partner hatten Bedenken, dass RBTH voreingenommen sein würde. Doch im Laufe unserer gemeinsamen Arbeit ist es uns gelungen, sie davon zu überzeugen, dass Propaganda nur ein Synonym für schlechten Journalismus ist. Wir bei RBTH bringen unseren Lesern Russland mittels qualitativ hochwertigem Journalismus näher und der erlaubt es nicht, nur eine Linie zu verfolgen und andere Ansichten und Standpunkte zu ignorieren."