Unesco schließt Moskauer Büro

Die Unesco muss ihr Moskauer Büro schließen. Foto: Ruslan Kriwobok/RIA Novosti

Die Unesco muss ihr Moskauer Büro schließen. Foto: Ruslan Kriwobok/RIA Novosti

Im kommenden Jahr schließt das Moskauer Büro der Unesco, das neben der Unesco-Kommission seit 1994 bestand. Die Entscheidung kommt nicht überraschend, die Schließung ist seit Jahren im Gespräch. Experten bedauern den Verlust der Unesco-Vertretung.

Im September 2015 schließt die Unesco ihr Moskauer Büro, das in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen feierte. Der Plan zur Schließung sei bereits seit sechs Jahren diskutiert worden und habe finanzielle Hintergründe, erklärte die Leiterin der Ständigen Vertretung der Russischen Föderation bei der Unesco, Eleonora Mitrofanowa, gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Tass. „Die Unesco befindet sich in einer finanziell schwierigen Lage und sucht nach Einsparmöglichkeiten", sagte Mitrofanowa. Die Schließung des Moskauer Büros sei daher als eine der „Optimierungsmaßnahmen" zu sehen, die derzeit im Hinblick auf die Unesco-Vertretungen umgesetzt würden.

Die Unesco geriet wegen fehlender Beitragszahlungen durch die USA und Israel in eine finanzielle Schieflage. Beide Länder weigern sich, weiter Beiträge zu leisten, da die Unesco Palästina als vollwertigen Staat anerkannt hat. Die Unesco musste daraufhin einen um 22 Prozent niedrigeren Etat hinnehmen. Eine ähnliche Entwicklung gab es in der Geschichte der Unesco bereits 1984. Damals setzten ebenfalls die USA ihre Beitragszahlungen aus und kündigten auf Anweisung des damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan die Mitgliedschaft. Reagan warf der Unesco Antiamerikanismus, Verschwendung und Satzungsbruch vor. Am 29. September 2003 kehrten die USA offiziell in die Unesco zurück.

 

Unesco-Aus ohne politischen Hintergrund

Das russische Außenministerium erklärte gegenüber RBTH, die Schließung habe einen ausschließlich finanziellen Hintergrund. Zuvor hatte bereits der stellvertretende Außenminister der Russischen Föderation, Gennadi Gatilow, der Nachrichtenagentur Interfax gesagt, dass die Schließung des russischen Unesco-Büros 2012 endgültig beschlossen worden wäre. „Es gibt keinerlei politische Hintergründe", betonte Gatilow ausdrücklich. Die russischen Beziehungen zur Unesco seien weiterhin sehr positiv, sagte er. Zudem lobte er die Arbeit des Moskauer Büros, die erfolgreich gewesen sei. „Die Tätigkeit des Büros erstreckte sich auf mehrere GUS-Staaten, bis Georgien und die Ukraine austraten. Danach wurde seine Arbeit eingeschränkt", erklärte der Politiker. Das Unesco-Büro war zuletzt in Russland, Aserbaidschan, Armenien, Belarus und in der Republik Moldau aktiv.

Davon unbehelligt bleibt die Arbeit der Unesco-Kommission der Russischen Föderation, die seit 1955 das russische Außenministerium in allen Themen der Unesco berät und Vertretungen in einer Reihe von Subjekten der Russischen Föderation hat. Die Kommission werde nun die Unesco wieder alleine vertreten müssen, sagte Gatilow.

 

Negative Folgen für die russische Kulturerbe 

Natalia Duschkina, Professorin am Moskauer Architekturinstitut und Expertin für den Schutz von Kulturdenkmälern, geht davon aus, dass sich die Schließung der Unesco-Vertretung negativ auf den Erhalt von russischen Kulturdenkmälern und die Forschungsarbeit auswirken werde: „Diese Unterabteilung war sehr groß und beschäftigte viele Experten. Das Büro koordinierte und unterstützte Forschungs- und Bildungsprogramme in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion." Duschkina bedauert, dass es zukünftig weniger qualifizierte Experten geben werde, obwohl die Zahl der Denkmäler des Weltkulturerbes auf russischem Staatsgebiet wachse.

Duschkina verweist auf besonders wichtige Kulturdenkmäler, die unter dem Schutz der Unesco stehen, wie der komplette Sankt Petersburger Stadtkern oder einige der Holzbauten im Freilichtmuseum Kischi. Sie hofft, dass die Schließung nicht endgültig ist. „Die Eröffnung des Moskauer Unesco-Büros war ein bedeutendes Ereignis", bemerkt sie.

Sergej Orschonikidse, Vorsitzender des Russischen Gesellschaftsrats für Internationale Kooperation und Öffentliche Diplomatie bei der Gesellschaftskammer der Russischen Föderation, hält die Schließung ebenfalls für einen Fehler: „Es war nicht richtig, diese Unesco-Vertretung in Russland zu schließen. Das russische Kulturerbe muss gepflegt und geschützt werden", stellt er fest. Er hätte es für sinnvoller gehalten, das Büro lediglich zu verkleinern, als gleich komplett zu schließen.

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