Uwe Schoch: Ein singender Polizist mit russischer Seele

Uwe Schoch: Der Wuppertaler, der „Kalinka“ singt. Foto aus dem persönlichen Archiv.

Uwe Schoch: Der Wuppertaler, der „Kalinka“ singt. Foto aus dem persönlichen Archiv.

Seine Familie stammt zwar aus Königsberg, doch aufgewachsen ist er in Wuppertal: Uwe Schoch hat eine Karriere als Polizeioberkommissar hinter sich und ebenso eine Gesangsausbildung – mit der russischen Folklore verbindet ihn eine große Liebe und eine ebenfalls beachtliche Karriere.

Kräftige Statur, Silberbart, tiefe Bass-Stimme, „Kalinka“-Lied im Repertoire – der Vergleich mit Iwan Rebroff liegt nah. Doch Uwe Schoch hat nie versucht, sich als einen waschechten Russen in Szene zu setzen. „Rebroff hatte eine gewaltige Stimme von dreieinhalb Oktaven. Ich habe ihn damals verehrt“, erinnert sich der Bass-Sänger, der schon einmal im Vorprogramm von Rebroff Shows aufgetreten ist. Die große Liebe zur russischen Musik kam allerdings viel früher.

Als er zwölf Jahre alt war, brachte sein Vater eine Schallplatte vom „Don-Kosaken-Chor“ nach Hause. Besonders ein Lied faszinierte den kleinen Uwe: „Das einsame Glöckchen“. „Da war eine wunderschöne Stimme im Sopranbereich, und mein Vater sagte, das singt ein Mann“. Seitdem ließ ihn die russische Folklore nicht mehr los. Jedes Mal, wenn ein russisches Ensemble in der Nähe gastierte, musste er dabei sein.

Einmal gelang es ihm, nach einem Konzert mit den Balalaika-Musikern zu sprechen. Die Russen fanden seine Stimme so gut, dass man prompt ein

gemeinsames Konzert veranstaltete. Das war der Wendepunkt. „Ural-Kosaken-Chor“, „Don-Kosaken-Chor“, die Balalaika-Gruppe „Newa“ – der Bass-Sänger kann gar nicht alle russischen Chöre und Ensembles aufzählen, mit denen er als Solist aufgetreten ist.

Im „normalen“ Leben war der inzwischen pensionierte Uwe Schoch Polizeioberkommissar in  einer Sondereinheit. 42 Jahre lang arbeitete er bei der Polizei und es war eine aufregende Zeit, besonders, als er den damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau als Personenschützer begleitete. „Ich war gern Polizist“, sagt der heute 70-Jährige mit einer wohltönenden Bass-Stimme. Doch seine wahre Liebe gehörte schon immer dem Gesang. So weit Uwe Schoch zurückblicken kann, hat er immer gesungen. Schon in der Grundschule sang er in einem Schulchor. Neben dem Polizeidienst hat er eine klassische Gesangsausbildung absolviert. Sein Repertoire umfasst klassische Arien und Musicals, seine große Leidenschaft ist allerdings die russische Folklore.

 

Die russische Seele ist kein Mythos

Vielleicht liegt diese Verbundenheit an seiner Herkunft, denn seine Familie stammt aus Königsberg. Zum ersten Mal konnte Uwe Schoch seine Heimat 1979 besuchen, als er auf einem Kreuzfahrtschiff als Sänger arbeitete. „Ich weiß noch, dass die Stimmung an Bord sehr betrübt war. Das waren ältere Leute, die Königsberg im Krieg verlassen mussten. Die haben bitterlich geweint, denn sie haben ihre Stadt nicht wiedererkannt. Für mich jedoch war es sehr beeindruckend, meine Geburtsstadt zu sehen“, erinnert sich Schoch.

Inzwischen ist er unzählige Male in Russland gewesen und konnte auch seinen Traum verwirklichen: mit der Transsibirischen Eisenbahn durch Russland (damals noch die Sowjetunion) reisen. Die Reise hatte er 1987 in der damals sehr populären Spielshow „Mensch Meier“ gewonnen. „8 530 Kilometer von Moskau bis Chabarowsk – da habe ich Land und Leute hautnah erlebt“, sagt er. Obwohl er nur ein paar Brocken Russisch gesprochen habe, habe er sich in diesen zweieinhalb Wochen mit vielen einfachen russischen Menschen angefreundet. Inzwischen spricht Uwe Schoch fließend Russisch. „Wenn man Lieder singt, muss man verstehen, was dahintersteckt“, meint er.

Er ist in der ganzen Welt herumgekommen und hat unterschiedliche Menschen kennengelernt. Doch die russische Seele hat es ihm besonders angetan. Aber ist die berühmte geheimnisvolle russische Seele nicht einfach nur ein uraltes Klischee? Für den deutschen Sänger ist sie kein Mythos, sondern Realität, die er bei seinen mehr als 50 Reisen nach Russland erlebt hat: „Die russische Seele ist für mich die Herzlichkeit und die Wärme der Menschen. Wenn Sie kein Geld in der Tasche haben, aber zehn Freunde, werden Sie immer satt.“

Jetzt in der Vorweihnachtszeit haben Uwe Schoch und seine Gruppe „Zarewitsch“ besonders viel zu tun. Neben vielen Konzerten in Wuppertal und Umgebung gehen sie auf Tournee nach Österreich. Er wird wie schon

so oft „Schwarze Augen“ und „Moskauer Abende“ als Zugabe singen. Und wie immer werden ihn die Zuschauer fragen, wie es kommt, dass er russische Folklore singt, ob er vielleicht ein Wolgadeutscher sei. Und sie werden versuchen, mit ihm über die politische Situation zu diskutieren. Doch da blockt Uwe Schoch ab: „Die Politik klammere ich aus. Ich mag das Land, die Leute und die russische Seele. Punkt!“

Politik hin oder her, der deutsche Künstler Uwe Schoch versteht sich als Vertreter der russischen Kultur und der russischen Musik. Und sie kommt nach wie vor sehr gut an. Davon ist der deutsche Sänger überzeugt.  

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