Puschkin-Institut: Russisch online lernen

Foto: Alamy/Legion Media

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In diesem Jahr hat das Puschkin-Institut die Online-Plattform „Russian@edu“ (zu Deutsch: „Bildung auf Russisch“) gestartet, um das Lernen der russischen Sprache im Ausland zu fördern. 80 000 Teilnehmer nutzen das Angebot bereits – eine Million sollen es einmal werden.

Das Puschkin-Institut für russische Sprache hat die Kompetenzen von 70 Hochschullehrern aus zehn russischen Hochschulen gebündelt und 2014 das Online-Projekt „Russian@edu", zu Deutsch etwa „Bildung auf Russisch", gestartet.

Drei Angebote gibt es zurzeit: „Russisch als Fremdsprache" ist für Ausländer bestimmt, die Russisch lernen wollen. „Russische Schule" richtet sich an russischsprachige Schüler im Ausland und deren Eltern. „Professioneller Support" bietet Weiterbildungsmöglichkeiten, um Russisch als Fremdsprache zu unterrichten. Bislang ist die Internetseite nur in russischer und englischer Sprache verfügbar.

Nach Angaben der Institutsdirektorin Margarita Rusezkaja sind aktuell etwa 80 000 Lerner im Portal angemeldet. Rund 50 000 lernen Russisch auf dem Anfängerniveau A1 und A2. „Bis zu 15 000 Personen nutzen die anderen Programme, etwa die Lehrer-Weiterbildung", berichtet Rusezkaja. Bis März 2015 soll das Lernangebot auf alle Niveaustufen, einschließlich C2, ausgeweitet werden. Die Anmeldung ist bereits jetzt möglich. Ziel sei es, eine Million Nutzer zu haben, so die Direktorin.

„Wir bauen unser Projekt zu einer Ressource für Hochschulen und philologische Fakultäten, für Zertifizierungszentren und Schulen mit russischer Sprache aus. Es ist ein ausgereiftes System, das es ermöglicht, die russische Sprache online von den Anfängen bis zum perfekten Sprachgebrauch zu erlernen", ist Rusezkaja überzeugt. Dabei stehe das Programm den Angeboten von Hochschulen in nichts nach.

 

Russisch als Fremdsprache mit Zertifikat

Die Rubrik „Russisch als Fremdsprache" bietet sechs Lernstufen. Das entspricht dem klassischen internationalen Zertifizierungssystem beim Fremdsprachenerwerb. Kostenlos sind die Stufen A1 und A2, dabei handelt es sich um ein reines Selbstlernangebot. Die Reihenfolge, in der die Übungen absolviert werden, kann selbst bestimmt werden. In den fortgeschrittenen Kursen müssen sich die Teilnehmer an das Kursprogramm halten. Sie werden beim Lernen durch einen Tutor unterstützt. Virtueller Gruppenunterricht ergänzt das Angebot, zusätzlich sind Webinare geplant. Die Lerninhalte können jederzeit abgerufen werden.

Der Sprachkurs A1 besteht aus vier Modulen. Modul 1 bietet eine phonetische und grammatische Einführung und ist in fünf Unterrichtseinheiten zum Erlernen des Alphabets aufgeteilt. Zunächst sollen die Kursteilnehmer einen Buchstaben auf ihrer Tastatur suchen und dann das Schreiben per Hand üben. Im nächsten Schritt wird die Aussprache trainiert. Der Buchstabe wird vorgesprochen, über ein Mikrofon wird er nachgesprochen und die eigene Aussprache mit dem Original verglichen.

Ähnliche Übungen helfen die Intonation in Frage- und Ausrufesätzen zu trainieren. Dafür steht den Lernenden eine sprachphonetische Lernumgebung zur Verfügung.

Modul 2 ist ein Intensivkurs zur Aussprache des Russischen. Diese Rubrik besteht aus Texten und Dialogen zu den klassischen Themen wie Kennenlernen, Einkaufen, Post, Geschäftstreffen. Nach dem Lesen respektive Hören müssen Aufgaben gelöst werden. Modul 3 beinhaltet Grammatikübungen. In dieser Rubrik gibt es Material- und Übungssammlungen zu allen Aspekten des Russischen: Konjugation, Deklination von Substantiven und Adjektiven sowie Zeitenbildung.

In Modul 4 wird ein Abschlusstest absolviert. Das Ergebnis ist online abrufbar. Wer ein offizielles Zertifikat wünscht, muss eine zusätzliche Prüfung unter Aufsicht ablegen, darauf weist Rusezkaja hin. Die Prüfung ist kostenpflichtig. „Die Prüfungsgebühren liegen bei aktuell 6 000 Rubel (rund 89 Euro) für russische Teilnehmer. Ausländische Teilnehmer zahlen die 6 000 Rubel in ihrer jeweiligen Landeswährung." Zurzeit ist es lediglich möglich, die Prüfung am Puschkin-Institut abzulegen. Nach Angaben von Rusezkaja sucht das Institut allerdings Partner, die die Organisation und die Durchführung der Prüfung im Ausland übernehmen würden. „Wir bieten Universitäten an, ihre nationalen Module in unser Programm zu integrieren", fügt sie hinzu.

 

Russische Schule für russische Schüler im Ausland

Das Angebot „Russische Schule" vereint die Kompetenzen von 20 russischen Hochschulen. Als Lehrer treten dort Fachleute auf – Journalisten, Programmierer, Reiseführer, Historiker. Das Angebot richtet sich in erster

Linie an russischsprachige Schüler im Ausland und deren Eltern. Es besteht aus den Bereichen „Schulprogramm" mit Fächern wie Russisch, Literatur, Mathematik und Physik sowie „Zusatzkurse". Letzteres Angebot bietet zum Beispiel eine Einführung in die Grundlagen der Roboter-Programmierung, vermittelt Wissen über alte russische Bräuche, die Zubereitung russischer Gerichte oder die Herstellung traditioneller russischer Spielzeuge. Unter anderem wird auch gezeigt, wie ein 3-D-Drucker funktioniert. Schülern höherer Klassen steht eine digitale journalistische Schreibwerkstatt zur Verfügung. Außerdem wird ein Workshop veranstaltet, in dem das Schreiben verschiedener Textsorten geübt werden kann. Für jedes Modul sind Online-Seminare mit Lehrern im Elternabend-Format vorgesehen. Die meisten Lerneinheiten sollen ab 2015 zur Verfügung stehen.

 

Unterstützung von Lehrern für Russisch als Fremdsprache

Das Ziel dieser Rubrik ist die Professionalisierung der Lehrer für Russisch als Fremdsprache. Jede Lerneinheit ist zielgruppenspezifisch konzipiert und hat spezielle Zugangsvoraussetzungen. Die Teilnahme am Kurs für die Didaktik des Russischen als Fremdsprache beispielsweise erfordert einen philologischen Bachelorabschluss und den Nachweis von Russischkenntnissen mindestens auf dem Niveau C1.

Für die Sprachlern- und Weiterbildungsprogramme des Projekts „Russian@edu“ haben sich zahlreiche Teilnehmer angemeldet. Die Mehrzahl, etwa 50 000, nutzt die Möglichkeit, online Russisch zu lernen. Etwa 10 000 bis 15 000 Teilnehmer interessieren sich für die Angebote „Russische Schule“ und „Professioneller Support“.

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