Arbeitsmigration nach Russland geht zurück

Wegen der Rubelkrise kann Russland Fachkräftemangel drohen. Foto:  Sergej Bobylew/TASS

Wegen der Rubelkrise kann Russland Fachkräftemangel drohen. Foto: Sergej Bobylew/TASS

Die Zahl der Einreisenden nach Russland ist deutlich gesunken. Das gilt auch für die so wichtigen Arbeitskräfte aus dem Ausland. Grund zur Panik sehen bisher weder die Behörden, noch Experten.

Mit der Einwanderungsreform Anfang des Jahres sind in Russland Gesetzesänderungen in Kraft getreten. Den neuen Regeln zufolge müssen Arbeitsmigranten eine Russisch-Prüfung ablegen, eine ärztliche Untersuchung durchlaufen und eine Arbeitsgenehmigung erwerben. Die Gebühr, die zur Ausstellung der Arbeitsgenehmigung erhoben wird, variiert von Region zu Region. In Moskau, zum Beispiel, seien einmalig 180 Euro fällig, danach weitere 50 Euro monatlich. Die neuen Regeln gelten nicht für Bürger aus Weißrussland und Kasachstan, die gemeinsam mit Russland der Eurasischen Union angehören.

 

Der Statistik fehlt die Aussagekraft

Angaben der russischen Einwanderungsbehörde zufolge kamen seit Beginn des Jahres etwa 270 000 Ausländer nach Russland. Das wären 70 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Ein Rückgang war bereits im gesamten vergangenen Jahr zu beobachten. Zudem präsentierte die Behörde eine Statistik für die erste Hälfte des Januars, der zufolge viele Arbeitsmigranten das Land verlassen hätten. In dieser Zeit fahren die Gastarbeiter traditionell zu ihren Familien und kommen im Frühjahr mit Beginn der Sommersaison in der Landwirtschaft und im Bauwesen wieder zurück. „In nächster Zeit sehen wir keine weitere Abwanderung von Arbeitsmigranten", erklärt Konstantin Romodanowski, Chef der russischen Einwanderungsbehörde. „In Russland verdienen sie etwa das Fünf- bis Zehnfache dessen, was sie in ihren Heimatländern bekommen würden."

 

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Wie Nikita Mkrtschyan, Soziologe an der Russischen Hochschule für Ökonomie, gegenüber RBTH sagt, sei es schwierig, nach den ersten Zahlen darüber zu urteilen, wie stark der Migrantenstrom noch zurückgehen könnte. „Die Einwanderungsbehörde nimmt die Angaben für die ersten zehn Tage des Jahres und vergleicht sie mit den ersten zehn Tagen des Vorjahres." Um aber objektive Angaben zu bekommen, brauche man eine Statistik über zwei bis drei Monate, so der Experte. Sollte der Zustrom an Arbeitsmigranten wirklich empfindlich zurückgehen, dann sei zu klären, wie Russland diese fehlenden Kräfte ersetzen wolle. „Ich glaube nicht, dass ein Russe freiwillig die Straße fegen würde. Uns fehlen die Arbeitskraftreserven", so der Soziologe weiter. „Bereits jetzt zieht es viele Arbeitslose aus Zentralrussland und dem Wolgagebiet nach Moskau." Wer kann und wolle, der arbeite schon in Moskau, Sankt Petersburg oder in einer anderen russischen Großstadt. „Probleme mit dem Ausbleiben der Gastarbeiter haben wohl eher die kleineren Städte mit etwa 500 000 Einwohnern."

 

Teure Fachkräfte

Bei den hochqualifizierten Fachkräften ist die Lage etwas anders. Die grundlegende Besonderheit dieser Spezialisten bestehe in deren hohem Arbeitslohn, der mindestens 25 500 Euro im Jahr betrage. In diesem Jahr, so Romodanowski, würde man diesen Personenkreis auch aktiver prüfen, weil es Betrugsfälle gegeben habe. So seien Personen mit durchschnittlichem Lohn und Standardqualifikation als hochqualifizierte Fachkräfte eingereist.

Die Statistik des vergangenen Jahres versetzte die Behörden unerwartet in Erstaunen: In den ersten elf Monaten des Jahres 2014 war die überwiegende Mehrheit der hochqualifizierten Fachkräfte aus dem asiatisch-pazifischen Raum eingereist, teilte der Pressedienst der Einwanderungsbehörde gegenüber RBTH mit. Laut Experten stammen Fachkräfte aber größtenteils aus EU-Ländern oder den USA. Nun würde man, um eine Wiederholung solcher Fälle zu vermeiden, die Strafen für derartige Gesetzesverstöße durch Unternehmen ab März 2015 drastisch erhöhen. Falls sich herausstellen sollte, dass eine solche Gesetzesverletzung geduldet wurde, verlieren die

betreffenden Firmen für zwei Jahre das Recht, sich mit vergleichbaren Tätigkeiten zu befassen.

In diesem Jahr wird es zudem allerhand Änderungen für die hochqualifizierten Fachkräfte selbst geben – die Gebühr für die Ausstellung der Arbeitsgenehmigung wird von 25 auf 45 Euro erhöht. Gleichzeitig wird der Mindestlohn für die Berufskategorie auf 12 800 Euro im Jahr gesenkt, wenn die betreffende Person zur Arbeitsaufnahme in die Republik Krim oder nach Sewastopol kommt.

Wie Mkrtschyan weiter erklärt, werde die Zahl der Fachkräfte auf absehbare Zeit rückläufig sein. Das liege aber nicht daran, dass sich die Gesetze geändert haben: „Hochqualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland gibt es in Russland generell nicht viele, insgesamt etwa 15 000 bis 20 000 Personen." Diese Zahl könne durchaus noch sinken, weil der Rubel gegenwärtig auf Talfahrt ist und die Löhne deshalb in der Umrechnung ebenfalls weniger würden, schlussfolgert der Experte.

 

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