Exilrussen sollen ein positives Russlandbild vermitteln

Russland will mehr Kontakt zu russischen Gemeinden im Ausland.  Auf dem Bild: Der New Yorker Bezirk Brighton Beach, wo viele Exilrussen leben. Foto: Alamy/Legion Media

Russland will mehr Kontakt zu russischen Gemeinden im Ausland. Auf dem Bild: Der New Yorker Bezirk Brighton Beach, wo viele Exilrussen leben. Foto: Alamy/Legion Media

In aller Welt leben Russen, die in ihrer Wahlheimat integriert sind, sich Russland aber dennoch verbunden fühlen. Sie sollen nun ein positiveres Russlandbild im Ausland vermitteln. Dazu will die russische Regierung enger mit den russischen Gemeinden im Ausland zusammenarbeiten.

Konstantin Kosatschew, Kommissionspräsident des Föderationsrates für Auswärtige Angelegenheiten, erklärte bei einem Runden Tisch im Föderationsrat am 5. März, russische Bürger lebten im Ausland nun in einem veränderten geopolitischen Umfeld. „Es könnte eine Stimmung wie im Kalten Krieg entstehen", gab Kosatschew zu bedenken. Exilrussen könnten unter diesen Umständen eine wichtige Vermittlerrolle zwischen der russischen Politik und Gesellschaft und den Einwohnern der Wahlheimat einnehmen. Russland setze damit zukünftig auf „soft power", so der Kommissionspräsident.

 

Türkische Gemeinden in Deutschland als Vorbild

Senator Igor Morosow erklärte beim Runden Tisch, wie Russland zukünftig die Beziehung zu russischen Exilgemeinden gestalten wolle. Zum Vorbild wolle man sich etwa die türkische Gemeinde in Deutschland nehmen, die integriert und in zahlreichen Vereinen und Gremien organisiert sei und zu denen die türkische Führung aktiv den Kontakt suche. Er könne sich eine vergleichbare Entwicklung für russische Gemeinden in Europa vorstellen, sagte er, was in einigen Ländern auch bereits zu beobachten sei. So sei kürzlich in Deutschland die Partei Einheit von russischen Spätaussiedlern gegründet worden. Eine ähnliche Partei gebe es auch in Frankreich und bald auch in Italien, berichtete Morosow.

Nach Einschätzung des Senators könnte diese Entwicklung in Zukunft voranschreiten, denn in vielen Regionen der Welt, wie im Nahen Osten, in Afrika, Lateinamerika oder Zentralasien, lebe eine große Zahl von russischstämmigen Menschen, die noch immer vieles mit Russland verbinde. Das seien junge Leute im Alter zwischen 30 und 35 Jahren, die aktiv, gebildet und motiviert seien und sich mit der russischen Welt, wie die russischen Gemeinden im Ausland auch genannt werden, identifizieren könnten. Sie fühlten sich ihrer Heimat Russland noch sehr verbunden, ist Morosow überzeugt.

Alexander Radkow, stellvertretender Leiter von Rossotrudnitschestwo, der staatlichen Agentur für Angelegenheiten der GUS-Länder und der Russischstämmigen im Ausland, verwies ebenfalls auf die große Bedeutung der „soft power" für zukünftige politische Konzepte. Er finde es sehr wichtig, mit den Eliten und mit der Zivilgesellschaft anderer Länder zusammenzuarbeiten.

 

Russische Gemeinden sind uneinheitlich

Experten sehen das eher kritisch. Alexandra Dokutschaewa, Leiterin der

Abteilung für Exilgemeinden und Migration am Institut für GUS-Länder, erklärt, dass es aktuell gewisse Fortschritte gebe, wie die Aktivitäten einiger Exilgemeinden zeigten. Allerdings handele es sich dabei bislang um Einzelfälle. Im Ausland gebe es keine pro-russische Massenbewegung innerhalb der russischen Gemeinden. Das zeige, dass die Kooperation zwischen der russischen Führung und den Landsleuten im Ausland in den letzten Jahren unzureichend gewesen sei.

Der Runde Tisch hat jedoch gezeigt, dass die russische Führung bereit ist, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und neue Konzepte im Umgang mit Russischstämmigen im Ausland zu entwickeln.

 

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