Seelower Höhen: Mit Flieder und Tauben gegen das Vergessen

In Brandenburg wurde der Schlacht um die Seelower Höhen gedacht.  Foto: Dmitry Vachedin

In Brandenburg wurde der Schlacht um die Seelower Höhen gedacht. Foto: Dmitry Vachedin

Am Freitag gedachten Politiker und Würdenträger aus Russland und der Bundesrepublik in Brandenburg der Schlacht um die Seelower Höhen. Zehntausende Soldaten fanden auf beiden Seiten den Tod, als die Rote Armee die letzte Bastion der Wehrmacht einnahm.

1945 waren die Seelower Höhen in Brandenburg die letzte Bastion der Wehrmacht gegen den Vormarsch der Roten Armee auf ihrem Weg nach Berlin. 120 000 deutsche Soldaten der 9. Armee sollten sie aufhalten. Die Erste Weißrussische Front unter dem Befehl von Marschall Schukow durchbrach die deutschen Stellungen in einer beispiellosen Drei-Tage-Attacke. Zwischen dem 16. und 19. April 1945 starben auf den Höhen Zehntausende Soldaten auf beiden Seiten.

Am vergangenen Freitag, den 17. April, fanden am Ehrenmal für die sowjetischen Soldaten auf den Seelower Höhen, auf dem Friedhof für die deutschen Soldaten und im Kulturhaus Seelow Gedenkfeiern zum siebzigsten Jahrestag der Schlacht statt. Daran nahmen auch der Botschafter der Russischen Föderation in der Bundesrepublik, Wladimir Grinin, der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke, der Vorsitzende des Deutsch-Russischen Forums Matthias Platzeck und der frühere russische Ministerpräsident Wiktor Subkow teil. „Jahrzehnte hat es gedauert, bis sich die Beziehungen zwischen unseren Ländern seit dieser Katastrophe normalisiert hatten", sagte Wladimir Grinin und fügte mit Blick auf die aktuelle politische Lage hinzu: „Wir müssen alles tun, um das, was wir auf diesem Weg erreicht haben, nicht zu gefährden."

Botschafter der Russischen Föderation in der Bundesrepublik Deutschland Wladimir Grinin. Foto: Dmitry Vachedin

Als Symbol der Hoffnung wurden zu Beginn des Festaktes von den deutschen und russischen Politikern und Schülern zweier Berliner Schulen Fliedersträucher gepflanzt. Die Schüler erwiesen sich dabei als die geschickteren Gärtner. Es war wenig zu spüren von alten und neuen Ressentiments, deutsche und russische Politiker standen am Ehrenmal einträchtig Seite an Seite. „Mehr als 50 Millionen Opfer, sechs Millionen ermordete Juden, 25 Millionen Tote unter den Bürgern der Sowjetunion, darunter acht bis neun Millionen sowjetische Soldaten hat der Zweite Weltkrieg gefordert", sagte Dietmar Woidke in seiner Rede. „Wir trauern um jeden Einzelnen und wir werden die Opfer nicht vergessen", versprach er.

 

Historische Dankbarkeit

Anwesende Journalisten stellten den Teilnehmern Fragen zur Zukunft der deutsch-russischen Beziehungen, unter den Gästen waren auch Vertreter des Petersburger Dialogs. Matthias Platzeck und Wiktor Subkow demonstrierten Zuversicht. Die Arbeit gehe weiter, sagten sie, auf der Agenda stünden Reformen. An der Notwendigkeit einer Plattform für den Dialog bestehe kein Zweifel, unterstrichen die Politiker. Die historisch gewachsenen Beziehungen würden weiter gepflegt werden, versicherten sie.

„Wenn wir den Opfern des Zweiten Weltkriegs gedenken, haben wir in Deutschland einen Grund, der Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten dankbar zu sein. Das sollten wir nicht vergessen, wenn wir in diesem Jahr 25

Jahre Deutsche Einheit feiern", sagte Woidke. Nach der Kranzniederlegung am Ehrenmal, an der auch Vertreter des kasachischen und der ukrainischen Botschaft teilnahmen, und nach einer russisch-orthodoxen Predigt ging es weiter zum Friedhof für die deutschen Soldaten.

Obwohl die Vergangenheit schrecklich war, sind die Seelower von heute auch stolz auf die historische Bedeutung ihrer Stadt. Regelmäßig besuchten noch die Enkel gefallener Soldaten die Stadt, erzählt ein Bewohner. Sie kämen aus aller Welt, aus Russland, den USA und Kanada. Im Kulturhaus Seelow fand später ein Konzert statt. Die Kinder der Stadt hatten für die Veranstaltung zuvor fleißig weiße Tauben aus Papier gebastelt, als Friedenssymbol. Am Abend stiegen außerdem hundert echte Tauben in den Himmel über Seelow auf. Sie kreisten über den Höhen, wo seit siebzig Jahren Frieden herrscht.

 

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