Russland bietet qualifizierten Fachkräften die russische Staatsbürgerschaft an

Medizinisches und technisches Personal profitiert von der neuen Regelung. Foto: Jurij Smitjuk/TASS

Medizinisches und technisches Personal profitiert von der neuen Regelung. Foto: Jurij Smitjuk/TASS

Angehörige bestimmter Berufsgruppen können nun leichter die russische Staatsbürgerschaft beantragen. Davon könnten vor allem Fachkräfte aus Medizin und Technik profitieren, also Bereiche, in denen es an qualifizierten Bewerbern mangelt.

Ausländer, die einer bestimmten Berufsgruppe angehören oder die über besondere Qualifikationen verfügen, können in Russland zukünftig leichter die russische Staatsbürgerschaft erhalten. Das russische Arbeitsministerium veröffentlichte eine entsprechende Liste. Nach dem Gesetz "Über die Staatsbürgerschaft" müssen Antragsteller aus auf der Liste vermerkten Branchen nun weitaus geringere bürokratische Hürden überwinden. Es reicht aus, drei Jahre in Russland gearbeitet zu haben und auch weiterhin gesicherte Einkünfte nachweisen zu können. Ebenso werden russische Sprachkenntnisse gefordert. Eine Doppelstaatsbürgerschaft ist allerdings nicht erlaubt.

74 Berufe und Qualifikationen stehen auf der Liste des Arbeitsministeriums. Es ist das, was nach langen Debatten von ursprünglich 211 Vorschlägen übrig geblieben ist. Zunächst standen auf der Liste auch seltene oder alte Berufe wie Markscheider, also Vermessungsingenieur im Bergbau, oder Käser.

Nun sind vor allem Berufe aus den Bereichen Medizin und Technik übrig geblieben. Hier herrscht nach Ansicht des Arbeitsministeriums Fachkräftemangel. In der Medizin fehlen Humanmediziner aller Fachrichtungen vom Allgemeinarzt bis zum spezialisierten Facharzt aber auch Veterinäre. Ebenso mangelt es an Hebammen und qualifiziertem Pflegepersonal. Im technischen Bereich werden Ingenieure gesucht, aber auch Fräser, Schweißer oder Elektriker.

 

Vor allem medizinisches Personal fehlt

Pawel Lebedew, Forschungsleiter der HR-Agentur Superjob.ru, kann das bestätigen: „Die Nachfrage der Arbeitgeber nach Bewerbern in den Bereichen Industrie und Produktion und in der Medizin ist groß, gleichzeitig gibt es in diesen Bereichen aber auch einen Bewerbermangel."

Was halten ausländische Fachkräfte von der Möglichkeit, nun leichter russischer Staatsbürger werden zu können? Wollen sie das überhaupt? RBTH hat sich umgehört und traf Wusal Gabibow, einen 24-jährigen Mediziner. Gabibow ist Staatsbürger Aserbaidschans. Für ihn ändert sich nicht viel. „Außer mir sind alle Familienmitglieder russische Staatsbürger. Ich könnte schon jetzt die Staatsangehörigkeit nach vereinfachten Regelungen bekommen", erzählt er. Er könnte sich jedoch vorstellen, dass manch ein ausländischer Kollege durchaus interessiert sei.

Er hat jedoch Zweifel, dass es wirklich einen Ärztemangel gibt, jedenfalls sei davon in der russischen Hauptstadt nichts zu spüren: „In Moskau gibt es massive Kürzungen im medizinischen Bereich und es ist daher nicht einmal für erfahrene Ärzte leicht, eine Anstellung zu bekommen. Moskau ist überfüllt von allen möglichen Ärzten."

Chancen für ausländische Mediziner sieht Gabibow daher eher in der Provinz: „Dort gibt es möglicherweise einen Mangel an qualifiziertem Personal. Doch ob ein ausländischer Arzt auch bereit wäre, in weiter entfernten kleineren Städten oder auf dem Dorf zu arbeiten?"

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