Deutsche und russische Kommunen treffen sich in Karlsruhe

Diskussion im Plenum. Foto: Deutsch-Russisches Forum

Diskussion im Plenum. Foto: Deutsch-Russisches Forum

Auf der 13. Deutsch-Russischen Städtepartnerkonferenz diskutieren die 600 Teilnehmer in Karlsruhe über die kommunale Zusammenarbeit.

70 Jahre nach Kriegsende: Die Kraft der kommunalen Begegnung“ lautet das Motto der Veranstaltung. Vertreter aus über 50 russischen und mehr als 30 deutschen Städten tauschen sich bis zum heutigen Dienstag im Plenum und fünf Arbeitsgruppen zu Fragen wie berufliche Bildung, lokale Wirtschaft und Stadtentwicklung aus.

„Ich bedanke mich bei Ihnen allen, dass Sie zu dieser Konferenz angereist sind. Ihr Engagement zeigt, dass Sie auf die Kraft der kommunalen Begegnung bauen und dass Sie auch in einer schwierigen Phase der deutsch-russischen Beziehungen im Austausch und Gespräch bleiben wollen“, so Dr. Frank Mentrup, Oberbürgermeister der Gastgeberstadt Karlsruhe, bei seiner Begrüßung.

Matthias Platzeck, Vorstandsvorsitzender des Deutsch-Russischen Forums e.V. appellierte an die russischen Teilnehmer: „Haben Sie Mut in Russland zur Zivilgesellschaft und tragen Sie den Gedanken in die russische Bevölkerung hinein, dass eine aktive Zivilgesellschaft entscheidend für die Entwicklung des Landes ist“. Er setzte sich insbesondere für die Beförderung von Begegnungen junger Leute beider Länder ein und rief zu Visaerleichterungen auf. Der Mehr- und Nährwert derartiger Veranstaltungen bestehe insbesondere im Aufbau möglichst lebensfähiger Netzwerke.

In einer der Arbeitsgruppen berichteten Jessica Dedic, Leiterin der Abteilung für internationale Angelegenheiten der Landeshauptstadt Düsseldorf und Sergey Tscherjomin, Minister der Moskauer Stadtregierung, über die seit 1992 bestehende offizielle Städtepartnerschaft. Im April des Jahres hatte eine 30-köpfige Delegation unter Leitung von Oberbürgermeister Thomas Geisel Moskau besucht. Diskutiert wurde die Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Kultur und Transport. Eine wichtige Rolle spiele auch der Erfahrungsaustausch zur effizienten Verwaltung einer Stadt.

Das Stadtoberhaupt von Perm, Igor Sapko, betonte die Rolle der Bürgerdiplomatie. So hätte anlässlich des 70. Jahrestages des Endes des 2. Weltkrieges eine repräsentative Delegation der Partnerstadt Duisburg an der Festveranstaltung in Perm teilgenommen. Besonders in der dualen Ausbildung, im humanitären Bereich und bei der Verbesserung der Situation für Menschen mit Behinderungen arbeite man eng zusammen. Roland Methling, Oberbürgermeister der Hansestadt Rostock regte an, dass bei den Kranzniederlegungen anlässlich des 75-Jahrestages des Kriegsendes in Berlin-Treptow und -Tiergarten auch die Landräte und Bürgermeister deutscher Kommunen teilnehmen sollten.

Manfred Blumenschein, Leiter des Rechnungsprüfungsamtes der Landeshauptstadt Stuttgart, berichtete über gemeinsame Projekte mit der Partnerstadt Samara bei der Korruptionsprävention und  -bekämpfung in Kommunen, Organisationen und Unternehmen. Zwischen beiden Städten besteht ebenfalls ein enger Austausch zur Mittelstandsförderung durch die kommunale Verwaltung.

Aleksey Laptev, 1. Stellvertretender Gouverneur des Gebietes Kaluga, einem wichtigen Zentrum der Automobilindustrie, erklärte, die beste Antwort auf Sanktionen sei eine weitere Verbesserung des Investitionsklimas. Kaluga sei auf dem jüngsten Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg diesbezüglich als zweitbeste Region Russlands ausgezeichnet worden.  

Die Gemeinde Michendorf (Brandenburg) und Novo-Devjatkino (Leningrader Gebiet) unterzeichneten in Karlsruhe eine gemeinsame städtepartnerschaftliche Vereinbarung. Derzeit gibt es 97 deutsch-russische Städtepartnerschaften. Die nächste Deutsch-Russische Städtepartnerkonferenz findet 2017 in Krasnodar, Partnerstadt der Stadt Karlsruhe, statt.

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