Polizei-Merkzettel: Selfies gefährden die Gesundheit

„Wir haben versucht, in Piktogrammen die gefährlichsten Beispiele für missglückte Selfies anschaulich zu machen“, heißt es auf der Webseite der Polizei. Foto: TASS

„Wir haben versucht, in Piktogrammen die gefährlichsten Beispiele für missglückte Selfies anschaulich zu machen“, heißt es auf der Webseite der Polizei. Foto: TASS

Bei Selbstporträts mit dem Smartphone, den sogenannten Selfies, gilt oft: je spektakulärer die Aufnahme, desto mehr Aufmerksamkeit in sozialen Netzwerken. Vor den möglichen Folgen warnt nun die russische Polizei mit einem Merkzettel. Denn in Russland gab es bereits erste Selfie-Tote.

Die russische Polizei hat einen Leitfaden für sichere Selfies herausgegeben. Das zweiseitige Merkblatt richtet sich in erster Linie an Jugendliche. Trauriger Hintergrund dieser scheinbar kuriosen Aktion sind zahlreiche, teils tragische Unglücksfälle, die sich in jüngster Zeit in Russland bei dem Versuch, ein möglichst spektakuläres Selbstporträt mit dem Smartphone zu machen, ereignet haben.

„Ein sicheres Selfie“ heißt die Kampagne der Polizei. „Wir haben versucht, in Piktogrammen die gefährlichsten Beispiele für missglückte Selfies anschaulich zu machen. Wir wollen die Bürger für die Gefahren sensibilisieren, die bei einem Versuch, sich selbst zu fotografieren, auftreten können“, heißt es auf der Webseite der Polizei. Die Gesundheit eines Menschen sollte mehr wert sein als Millionen „Likes“ in den sozialen Netzwerken, meint die Behörde.

Die größte Gefahr bestehe durch Ablenkung von den Ereignissen in der Umgebung. Es wird nicht mehr wahrgenommen, was rechts und links von einem geschieht, Gefahren werden unterschätzt. Manche Pose führt dazu, dass man das Gleichgewicht verliert und stürzt. „Machen Sie das Selfie erst, wenn Sie sich vergewissert haben, dass der Ort sicher ist und keine Gefahr für Ihr Leben besteht“, warnt die russische Polizei.

 

Ernster Hintergrund: Tote und Verletzte

Die Piktogramme in Form eines Verbotsschildes raten ab von Selfies auf Eisenbahnschienen, im Wasser, auf Dächern von Gebäuden oder Zügen, am Steuer, auf der Skipiste, mit Tieren oder auch mit Waffen. Untertitel konkretisieren die Gefahren. So heißt es etwa: „Selfies auf der Piste: So schnell kannst Du nicht klicken“ oder „Selfies am Steuer machen Deinen Weg kürzer“.

Nach Polizeiangaben sind seit Anfang des Jahres mehr als 100 Personen bei dem Versuch, sich selbst mit dem Smartphone zu verewigen, zu Schaden gekommen. Zehn Menschen kamen dabei ums Leben. So erlitt am 21. Mai im Moskauer Vorort Ramenskoje ein 17-Jähriger einen Stromschlag und einen Schädelbasisbruch, als er für ein Selfie auf eine Betonkonstruktion geklettert war und sich an einem Stromkabel festhalten wollte. Bei einem anderen tragischen Fall erlitt eine 21-jährige Frau einen tödlichen Kopfschuss, als sie sich mit einer Waffe ablichten wollte. Und erst in der vergangenen Woche starb eine junge Frau, weil sie bei dem Versuch, ein Selfie zu machen, von einer Brücke stürzte.

 

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