Frau lebt sechs Monate ausschließlich in Moskaus Geschäftsviertel

Moscow City bietet ausreichend Möglichkeiten für seine Bewohner.

Moscow City bietet ausreichend Möglichkeiten für seine Bewohner.

AP
Die junge Immobilienmaklerin Xenia arbeitete und lebte in Moscow City. Wie das Internetmagazin Buro 24/7 nun berichtet, verließ sie das Viertel in einem Zeitraum von sechs Monaten nur ein einziges Mal. Den Rest der Zeit verbrachte sie im Geschäftsviertel, das ihr alles Nötige bot.

Die Immobilienmaklerin Xenia lebte sechs Monate lang im Geschäftsviertel Moscow City, ohne je in die Stadt zu fahren. Ihre Geschichte griff nun das Internetmagazin Buro 24/7 auf.

Die junge Frau zog sich Ende Oktober 2013 nach Moscow City zurück. Der Sommer war endgültig vorbei und die Tage wurden merklich länger und kälter. „Mir war klar, dass ich nicht mehr in die Stadt gehen würde: Es war völlig unnötig“, erzählt Xenia. Ihr Arbeitsplatz lag im Geschäftsviertel und auch die meisten ihrer Freunde lebten dort.

 

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Фото опубликовано Ksenia_diem (@ksenia_diem)

Zunächst mietete Xenia zusammen mit einer Bekannten ein Appartement im 59. Stock des Moscow Tower. Später zog sie in eine eigene Wohnung im selben Gebäude. Unterhaltung habe es in der Wohnanlage ausreichend gegeben: Kino, Karaoke, Restaurants. „Wenn ich den Wunsch hatte, andere Leute zu sehen, konnte ich durch das Einkaufscenter AfiMall schlendern“, sagt Xenia. Auch an Bewegung mangelte es ihr nicht: Das Fitnesscenter des Viertels bot genügend Möglichkeiten zur sportlichen Betätigung. Die Natur vermisste sie nicht. Selbst ihre romantischen Verabredungen lud sie zu sich nach Moscow City ein.

 „Meine Tage gestalteten sich meist so: Ich bin aufgewacht und habe mein Frühstück bei einem Deli um die Ecke bestellt. Wenn ich aus der Dusche kam, stand das Essen schon bereit“, berichtet Xenia. Danach sei sie zur Arbeit gegangen oder habe sich mit Freunden getroffen. „Ich bin mit Freundinnen zum Lunch gegangen, habe einem Kunden ein Büro gezeigt, unterwegs mit jemandem geplaudert – und schon war der Tag vorbei.“ Einmal verließ Xenia allerdings die City. An Silvester musste sie eine Freundin vom Kiewer Bahnhof abholen. Der liegt aber auch nur rund 2 Kilometer vom Geschäftsviertel entfernt.

Das Frühjahr weckte ihre Lebensgeister

Die zurückgezogene Lebensweise der jungen Frau endete schließlich im März, als eine Freundin sie zu einem Erkundungsspaziergang in die Stadt einlud. Auch ihre Garderobe habe einer Überholung bedurft, denn das Hauptproblem Moscow Citys bestehe darin, dass es kaum Boutiquen gebe: „Wenn man neue Schuhe braucht, muss man rausfahren“, sagt Xenia. Ein weiterer Nachteil seien überfüllte Aufzüge, auf die man mitunter eine Viertelstunde lang warten müsse. Insbesondere während der regulären Arbeitszeiten sei dies ein Problem. Schließlich befänden sich in 19 der 75 Stockwerke des Mosow Tower Büros, erzählt sie.

Xenia gibt zu, dass viele in der City so lebten wie sie. Für einige ihrer Nachbarn habe es kein Leben außerhalb des Geschäftsviertels gegeben: „Als ob nichts anderes existiere; es gibt nur diese kleine Insel. Nirgends sonst ist etwas los, als ob alles rundum überflutet wäre.“

Heute lebt Xenia in Sydney.

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