Todesfalle Smartphone: So gefährlich sind Selfies

 Immer mehr Unfälle gehen in Russland gehen auf das Konto von missglückten Selfie-Aufnahmen.

Immer mehr Unfälle gehen in Russland gehen auf das Konto von missglückten Selfie-Aufnahmen.

Sergej Sawostjanow/TASS
Obwohl die russische Polizei bereits eine Kampagne gestartet hat, in der über Gefahren bei der Aufnahme von spektakulären Selfies gewarnt wird, ist es auch in jüngster Zeit wieder zu zahlreichen Unglücken gekommen. Wie kann der gefährliche Trend gestoppt werden?

Wieder einmal endete der Versuch, ein besonders cooles Selfie mit dem Smartphone aufzunehmen, tödlich. Anfang August kletterte ein 14-jähriges Mädchen an der Eisenbahnstation Tolstopalzewo im Moskauer Gebiet auf eine Zisterne. Sie blieb an einem Stromkabel hängen und 27 Kilowatt flossen durch den Körper des Mädchens, der dabei buchstäblich verkohlte.

Im Moskauer überregionalen Fahndungszentrum, das in dem Fall ermittelt, wurde bestätigt, dass Unfälle im Russlands Eisenbahnverkehr noch immer zur Tagesordnung gehören. Auch die in Zusammenarbeit mit weiteren staatlichen Einrichtungen und Organisationen getroffenen Maßnahmen konnten daran bislang wenig ändern.

Es war bereits der vierte Fall in einer Reihe von Unfällen mit fast identischem Ablauf. Schon einmal starb eine Frau an einem Stromschlag, als sie auf eine Zisterne an einer Bahnstation kletterte. Regelmäßig kommt es auch zu Unglücken mit mehreren Opfern: In Taganrog kamen zwei 16-jährige Mädchen durch einen tödlichen Stromschlag ums Leben, ein anderes Mal starb ein junges Paar, weil es in ein starkes elektromagnetisches Feld geriet. Laut offiziellen Informationen verunglückten im ersten Halbjahr 2015 allein im Eisenbahnnetz in Zentralrussland insgesamt 556 Personen tödlich und weitere 257 wurden schwer verletzt. Unter anderem kamen 25 Minderjährige ums Leben. Ebenso viele erlitten schwere Körperverletzungen. Immer mehr Unfälle gehen dabei auf das Konto von missglückten Selfie-Aufnahmen.

Im russischen Innenministerium wurde daher eine Aufklärungskampagne gestartet. In allen russischen Regionen sind Gruppen gebildet worden, die Kindern und deren Eltern nahebringen sollen, welches Gefahrenpotenzial ein Selfie bergen kann. 

Ausgefallene Aufnahmen den Profis überlassen

Für ein ausgefallenes Foto und damit möglichst viele „Likes“ in den sozialen Netzwerken haben schon viele Russen mit ihrem Leben bezahlen müssen.

Eine Büroangestellte schoss sich versehentlich in den Kopf und zertrümmerte sich dabei den Schädelknochen. Sie wollte mit einer Waffe, die ein Sicherheitsmitarbeiter vergessen hatte, posieren und drückte gleichzeitig den Auslöser und den Abzug. Ein junger Mann geriet bei dem Versuch, ein Selfie auf Gleisen zu machen, unter einen Zug. Obwohl zufällig in dem Zug ein mobiles Reha-Zentrum untergebracht war und die dort anwesenden Mediziner sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen begannen, kam jede Hilfe zu spät. Der junge Mann hatte sein letztes Selfie gemacht, der Augenblick wurde für ihn zur Ewigkeit.

Eine junge Frau verunglückte bei dem Versuch, sich auf einer Autobahnbrücke gegenüber der Wolkenkratzer von Moscow City zu fotografieren. Sie fiel aus 16 Metern Höhe auf die Fahrbahn. Im russischen Fernen Osten gibt es sogar ein Bauwerk, das im Volksmund die „Todesbrücke“ heißt. Dort sind schon viele Selfie-Fans in den Tod gestürzt.

Um die Anzahl der Unfälle zu minimieren, wurden auf dem Internetportal des russischen Innenministeriums Hinweise für Freunde waghalsiger Aufnahmen veröffentlicht. Sie wurden auch als Broschüre herausgegeben, die unter Schülern und Studenten im Unterricht und in den Vorlesungen verteilt werden soll. Wer nicht auf ein spektakuläres Motiv verzichten will, sollte sich nicht selbst fotografieren, wird geraten. Die Aufnahme sollte von einer anderen Person, idealerweise einem Profi, gemacht werden. Dies können professionelle Bergsteiger, Taucher oder Mitarbeiter von Fahr- oder Flugschulen sein, je nachdem welches Selfie man gerne hätte. Und man sollte sich unbedingt an die Sicherheitsregeln halten.

Russische Parlamentsabgeordnete wollen, dass mögliche Gefahrenzonen für Selfie-Aufnahmen durch Warnschilder gekennzeichnet werden. Die Missachtung soll mit einer Geldbuße von 10 000 Rubeln, etwa 123 Euro, bestraft werden. Diese Idee findet auch bei einzelnen Abgeordneten der Moskauer Stadtduma Unterstützung.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Rossijskaja Gaseta.

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