Die Kathedral-Moschee von Moskau erstrahlt in neuer Pracht

Kommersant
Zehn Jahre dauerten die Umbaumaßnahmen an Moskaus wichtigster Moschee in der Wypolsow-Gasse. Ab dem 23. September können sich dort bis zu 10 000 Gläubige zum Gebet versammeln. Doch noch immer fehlen in Moskau Moscheen.

Am Vorabend des Islamischen Opferfestes, am 23. September, öffnet die Kathedral-Moschee in Moskau nach einer umfangreichen Sanierung wieder ihre Türen. Sie ist die wichtigste und bekannteste Moschee der russischen Hauptstadt. Zehn Jahre dauerten die Umbauarbeiten. Nun bietet das fünfstöckige Gebäude Platz für bis zu 10 000 Gläubige. Sieben Aufzüge machen die klimatisierte Moschee barrierefrei. Das Minarett ist 72 Meter hoch. Den Mittelpunkt des Gebetshauses bildet die 46 Meter hohe vergoldete Kuppel, die Sprüche aus dem Koran zieren.

Ein wahres Kunstwerk

1902 war das Grundstück in der Wypolsow-Gasse von tatarischen Geschäftsleuten erworben worden, um ein Gebetshaus für Muslime zu errichten. Schon zwei Jahre später wurde die Moschee eingeweiht. Zum hundertjährigen Bestehen im Jahr 2004 wurde der Sanierungsplan beschlossen.

Im Inneren der Moschee wurden Marmor und Malachit verbaut. Bei der Farbgestaltung dominieren Gold und Türkis. Für tatarische Moscheen typische Malereien schmücken die Wände, den Mihrāb (Gebetsnische), die Fenster und die Kuppel. Sie sind das Werk türkischer Kalligraphiekünstler unter Anleitung von Husein Kutlu. Die Moschee ist ein wahres Kunstwerk geworden. Die Minarette erinnern an die Türme der Kreml von Moskau und Kasan.

„Ein Akt der Barbarei!“

Die Umbauarbeiten begannen 2005, das frühere Gebetshaus wurde 2011 abgerissen, was öffentliche Proteste auslöste und Denkmalschützer auf den Plan rief.  Rustam Rachmatullin vom Denkmalschutzverein Archnadsor nannte den Abriss „einen Akt der Barbarei, der auf Behördenwillkür beruht“. Die alte Moschee sei von besonderem kulturellem und historischem Wert gewesen, nicht nur für Muslime, sondern auch für die Stadt Moskau.

Andere islamische Vereine und Führer sahen den Abriss ebenfalls kritisch und warfen dem russischen Muftirat vor, widerrechtlich gehandelt und „historisches Kulturgut“ zerstört zu haben. Der Muftirat hingegen rechtfertigte den Abriss mit der Begründung, das alte Gebäude sei baufällig gewesen und hätte wegen Einsturzgefahr nicht mehr betreten werden dürfen. Der Co-Vorsitzende des Rats Mukaddas Bibarsov erklärte in einem Interview für muslimische Nachrichtenportale im Internet, es sei „in der alten Moschee während der Sanierungsarbeiten nicht möglich gewesen, zu predigen und zu beten. Sie war eng und baufällig“. Moscheen hätten im Islam keine sakrale Bedeutung. „Moscheen wurden auch früher umgebaut, so war es schon immer und so wird es bleiben“, sagte Bibarsov. „Unsere Moschee hatte nicht einmal ein richtiges Fundament und entsprach nicht den Bauanforderungen an moderne Gebetshäuser“, bestätigte Ruschan Abbjasow, erster stellvertretender Vorsitzender des russischen Muftirats, gegenüber RTBH.

Gemeinschaftsarbeit

Der Bau der neuen Moschee wurde ausschließlich aus Spenden der Gemeindemitglieder finanziert. Vor allem Sulejman Kerimow, Mitglied des Föderationsrates Russlands und Vertreter der Republik Dagestan, zeigte sich sehr großzügig. Er gab mehr als 90 Millionen Euro und stemmte so den größten Teil der Baukosten allein.

„Als Geschenk von der Türkei erhielten wir den Minbar, also die Kanzel, und den Mihrāb“, sagt Abbjasow, der weitere Spender nennt: „Einen Beitrag leistete auch Kasachstan. Zudem gab der palästinensische Staatschef Mahmud Abbas im Namen der Kinder Palästinas 22 000 Euro.“

Zu wenige Moscheen in Moskau

Die neue Moschee wird russlandweit eine der größten sein. Aber noch immer fehlen Gebetsstätten für Russlands Muslime. Zu wichtigen islamischen Feiertagen, wenn nach unterschiedlichen Schätzungen 60 000 bis 100 000 Muslime die Moskauer Kathedral-Moschee besuchen wollen, werden alle umliegenden Straßen und Grundstücke weiterhin voll  belegt sein.

„Allein zum Freitagsgebet besuchen uns wöchentlich zwischen 6 000 und 10 000 Muslime“, stimmt Abbjasow zu. „Daher wird die Moschee bereits nach ihrer Wiedereröffnung überfüllt sein. In Moskau gibt es zu wenig Moscheen, aber wir haben nach wie vor die Hoffnung, gemeinsam mit dem Moskauer Bürgermeisteramt Lösungen zu finden.“

Gemeindemitglied Albir Scharafutdinow freut sich zwar über die schöne neue Moschee, doch der 39-Jährige hätte sich statt einer großen Moschee lieber mehrere kleine gewünscht, verteilt auf verschiedene Moskauer Stadtviertel. „Um aus den umliegenden Moskauer Bezirken zur Kathedral-Moschee zu gelangen, braucht man eine bis eineinhalb Stunden“, bedauert Scharafutdinow.

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