Wie leben russische Rentner?

Oft liegt ihre Rente unter dem Existenzminimum.

Oft liegt ihre Rente unter dem Existenzminimum.

Ria Novosti/Konstantin Chalabow
Die Zahl der Rentenbezieher in Russland steigt stetig an. Die Bezüge reichen jedoch oft nicht für die Sicherung des Lebensunterhaltes aus. Viele Rentner müssen sich etwas hinzuverdienen. Dabei wird oft ihr großes Potential verkannt.

In Russland gibt es die Altersrente seit dem Jahr 1932. Die Altersgrenze wurde damals für Frauen auf 55 Jahre, für Männer auf 60 Jahre festgelegt. In Fällen erschwerter Arbeitsbedingungen ist ein vorgezogenes Renteneintrittsalter möglich.

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Im Jahr 2014 bezogen in Russland fast 34 Millionen Menschen eine Rente. Nach Angaben von Goskomstat, dem staatlichen Komitee der Russischen Föderation für Statistiken, steigt auch der Anteil nicht erwerbsfähiger Menschen im erwerbsfähigen Alter zunehmend an. Diese Tendenz ist weltweit zu beobachten, in Russland ist sie jedoch besonders ausgeprägt. Bis 2016 wird jeder vierte Einwohner im erwerbsfähigen Alter eine Rente beziehen, jeder weitere vierte wird eine Altersrente erhalten.

Zu wenig zum Leben

Die russische Basisrente reicht oft nicht aus. Die Differenz bis zum festgelegten Existenzminimum wird aus den Mitteln der Region geleistet, in der ein Rentenberechtigter lebt. Die Regionen regeln ebenso die Vergünstigungen für öffentliche Verkehrsmittel und kommunale Leistungen und legen zudem die Höhe der Rentenzuschläge fest, etwa für Veteranen des Großen Vaterländischen Krieges.

Das konkrete Niveau der Renten wie auch der Basisrenten in Russland kann je nach Region stark variieren. So beträgt die Basisrente im Jahr 2015 in Moskau 9 046 Rubel, rund 123 Euro, in der Stadt Sankt Petersburg 6 621 Rubel, also 90 Euro, in Krasnodar 6 735 Rubel, 92 Euro, und im Gebiet Swerdlowsk 7 161 Rubel, umgerechnet in etwa 97 Euro. Der landesweite Durchschnitt liegt bei 7 476 Rubel, rund 101 Euro.

Wie Dmitri Rogosin, Leiter des Zentrums für Methodologie föderativer Forschungen der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und Staatsdienst (RANChiGS) erklärt, versuchen ältere Generationen trotz der bescheidenen Renten oft noch, jüngere Generationen zu unterstützen. „Ältere Menschen wollen selbstständig bleiben und keine Hilfe annehmen. Dieses Phänomen ist unabhängig von der Höhe ihrer Rente“, sagt Rogosin.

Arbeiten im Rentenalter

Außer den niedrigen Renten haben ältere Menschen in Russland zudem mit einigen grundlegenden Problemen zu kämpfen, etwa mit Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche, wenn sie sich etwas hinzuverdienen wollen, Vereinsamung und Unzulänglichkeiten in der sozialen und medizinischen Versorgung.

Wie Maria Morosowa, Direktorin der Wohltätigkeitsstiftung Elena und Gennadi Timtschenko erzählte, erkennen selbst soziale Organisationen für Rentner deren Potenzial oft nicht. In Sankt Petersburg etwa, wo der Großteil der Rentner über höhere Bildungsabschlüsse verfügt und vor dem Renteneintritt qualifizierte Arbeiten ausführte, vermittelt man ihnen Jobs als Fahrkartenverkäufer oder Garderobiere. „Ich fragte sie, warum sie das intellektuelle Potenzial der Rentner nicht nutzen. Es stellte sich heraus, dass sie darüber noch nicht einmal nachgedacht hatten und somit das Vorurteil bestätigten, Rentner könnten nur einfache und gering bezahlte Arbeiten ausführen, die für Menschen mittleren Alters nicht interessant sind“, sagt Morosowa.

Was wird getan?

Auf Initiative Wladimir Putins wurde nun ein Programm für Rentner vorbereitet, das bis 2025 umgesetzt werden soll. Es basiert auf den Richtlinien der staatlichen Sozialpolitik für Menschen hohen Alters und soll spezifisch eine verlängerte Lebenszeit sowie den allgemeinen Anstieg der Lebensqualität berücksichtigen. Insbesondere sollen die soziale und wirtschaftliche Integration älterer Menschen vorangetrieben werden. Zu den Aufgaben des Programms zählen die Herstellung spezieller, an die Bedürfnisse älterer Menschen angepasster Kleidung, aber auch eine gezielte Vorbereitung Freiwilliger, die älteren Menschen in Altersheimen und im Alltag helfen sollen. Als eines der Hauptziele formulierte die Regierung zudem, alle öffentlichen Nahverkehrsmittel bis 2025 für alle Altersgruppen zugänglich zu machen. 

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