Russische Regionen verteufeln Halloween

Halloween verwässere die Grenzen zwischen Gut und Böse, mahnen Kritiker.

Halloween verwässere die Grenzen zwischen Gut und Böse, mahnen Kritiker.

TASS
Halloween wird längst nicht mehr nur in den USA gefeiert, sondern auf der ganzen Welt, auch in Russland. In jedem Jahr gibt es aufs Neue Diskussionen über Sinn und Unsinn dieses Festes. Sogar einen negativen Einfluss auf die Jugend soll es haben.

Am 31. Oktober ist Halloween. In der Republik Karelien, in der Region Krasnodar, in der Oblast Omsk und in der Stadt Blagoweschtschensk ist es jedoch verboten, das Fest zu feiern. Die härtesten Halloween-Gegner kommen meist aus den Reihen der orthodoxen Kirche, aber auch Politiker und Beamte sind kritisch.

In diesem Jahr verhängte das Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Oblast Archangelsk ein Verbot, Halloween in Schulen und Bildungseinrichtungen zu feiern. Man berief sich dabei auf Forschungsergebnisse des Instituts für pädagogische Innovationen der Russischen Akademie für Bildung und des Instituts für Familie und Erziehung. Dort heißt es, Halloween wirke sich negativ auf die Entwicklung und Sozialisation von Kindern aus. Außerdem, so das Ministerium, entspreche das Fest „nicht den Zielen und Aufgaben des Bildungsprozesses“.

Es ist nicht das erste Mal, dass solch ein Verbot ausgesprochen wurde. Im vergangenen Jahr wandte sich Georgi Fjodorow, ein Mitglied der Gesellschaftskammer, an den russischen Kulturminister Wladimir Medinski. Er wollte ein Halloween-Feierverbot in nachgeordneten Institutionen erreichen. Fjodorow begründete seinen Vorstoß nicht nur mit dem für Russland fremden Charakter des Festes, sondern auch mit außenpolitischen Erwägungen. Halloween ist in den USA ein äußerst populäres Fest.

Gefährlicher Einfluss auf die Kinder?

Viktor Slobodtschikow vom Institut für die Erforschung der Kindheit, Familie und Erziehung an der Russischen Akademie für Bildung meint, dass die zu Halloween üblichen Verkleidungen als negativ besetzte Figuren durchaus Schaden anrichten können: „Kinder sind sehr leicht zu beeinflussen. Wenn das Böse zum Spiel wird, könnten sie den Begriff für sich verwässern.“ Zudem gebe es Untersuchungen, dass Heranwachsende und später auch Erwachsene Gut und Böse nicht mehr voneinander unterschieden und oft unangemessen brutal reagierten, führt Slobodtschikow aus. „Was werden wir tun, wenn das, was Gut oder Böse ist, nur noch durch das Strafgesetzbuch definiert wird?“, fragt er. Doch er ist überzeugt, dass der möglicherweise schädliche Einfluss nur auf Schulkinder wirke. Gereifte Persönlichkeiten könnten unbesorgt an Kostümfesten teilnehmen, denn sie träfen bereits bewusste Entscheidungen und liefen nicht mehr Gefahr, Erlaubtes und Verbotenes zu verwechseln.  

Russische Mythologie bevorzugt

Georgi Geraskin, Geschäftsführer des Online-Kostümhandels Arlekino, sagt, dass Halloween noch nicht zu den beliebtesten unter den russischen Festen zähle. Im letzten Jahr tendierte der Verkauf entsprechender Kostüme gegen null. „Die Kunden fragen Kostüme in der Regel im Zusammenhang mit Motto-Betriebsfeiern oder studentischen Festen nach, einzelne Käufe sind die Ausnahme“, berichtet der Unternehmer.

In Moskau ist Halloween dagegen sehr beliebt. Die meisten angesehenen Lokale sind voll und Zutritt gibt es nur kostümiert. Michail Klimanow, geschäftsführender Partner von My, einer Eventagentur, betrachtet Halloween vor allem als Fest für Bars und Restaurants. „In der russischen Clubkultur hat Halloween längst einen festen Platz. Jedes Lokal, das etwas auf sich hält, veranstaltet am letzten Oktoberwochenende eine Motto-Party, um mehr Gäste anzulocken“, sagt er.

Und mit einem Vampir- oder Hexenkostüm getarnt oder versteckt hinter einer Zombiemaske ließen es manche Gäste richtig krachen. Dennoch betont Klimanow: „Halloween ist nie tief in unsere Kultur eingedrungen. Selbst die typischen Halloween-Naschereien Candy Corn und Candy Pumpkins sind bei uns nicht sonderlich verbreitet. Es gibt überhaupt keine Attraktionen wie nebelige Maislabyrinthe, Geisterhäuser und andere Grusel-Inszenierungen.“ Den russischen Veranstaltungsmarkt bestimmen laut Klimanow schon seit zehn bis zwölf Jahren mythologische Feste mit althergebrachten russischen Figuren wie Koschtscheje, Wurdalake, Domowoje und Kikimore. Der Halloween-Manie wird so immerhin ein wenig Nationalkolorit eingehaucht.

Halloween: Geh als Russe!

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