Flugzeug-Tragödie nach Badeurlaub

Bestürzung bei den Angehörigen der Passagiere des Unglücksfluges. Nach vergeblichem Warten am Flughafen Pulkowo in Sankt Petersburg zerbrachen alle Hoffnungen: Es gibt keine Überlebenden.

Bestürzung bei den Angehörigen der Passagiere des Unglücksfluges. Nach vergeblichem Warten am Flughafen Pulkowo in Sankt Petersburg zerbrachen alle Hoffnungen: Es gibt keine Überlebenden.

TASS
Experten gehen davon aus, dass technische Störungen die Ursache für den Absturz der russischen Passagiermaschine am Samstagmorgen über der Halbinsel Sinai sind. Spekulationen über einen gezielten Abschuss wurden nicht bestätigt.

Die ägyptischen Behörden gehen davon aus, dass ein technischer Defekt die Ursache für den Absturz der russischen Passagiermaschine am Samstagmorgen über der Halbinsel Sinai war. Das Flugzeug vom Typ Airbus-321 der sibirischen Fluggesellschaft Kolavia befand sich auf dem Weg nach Sankt Petersburg. Es hob am Samstagmorgen um 06.51 Uhr Moskauer Zeit (04.51 Uhr MEZ) vom ägyptischen Flughafen Scharm el Scheich am Roten Meer ab und verschwand dreiundzwanzig Minuten später vom Radar der Flugüberwachung.

An Bord der Unglücksmaschine befanden sich 200 Erwachsene, 17 Kinder und sieben Besatzungsmitglieder. Übereinstimmend berichten russische und ägyptische Behörden, dass es keine Überlebenden gibt. Fast alle Passagiere waren russische Staatsbürger. Zunächst hatte die Agentur Reuters gemeldet, dass in einem der Flugzeugteile noch Stimmen zu hören gewesen wären. Rettungsmannschaften bergen gegenwärtig die Leichen und Wrackteile des völlig zerstörten Flugzeuges.

Unter Berufung auf Quellen in Ägypten berichten russische Nachrichtenagenturen, dass der Pilot in seiner letzten Funkverbindung mit der Bodenstation eine Notlandung auf dem Flughafen in Kairo gefordert hatte. Bereits kurz nach dem Start hätte er den Lotsen vom Flughafen Scharm el Scheich über technische Störungen informiert. Seitens der Besatzung des Flugzeuges habe es bereits früher mehrere Klagen über den schlechten Zustand des Flugzeuges gegeben.  

Russlands Präsident Wladimir Putin hat den Hinterbliebenen der Opfer sein Beileid ausgesprochen. Das Ministerium für Katastrophenschutz wurde beauftragt, die Bergungsarbeiten am Ort des Absturzes mit Experten zu unterstützen. Ministerpräsident Medwedjew soll eine staatliche Kommission zur Aufklärung der Katastrophe bilden. Der 1. November wurde zum offiziellen Trauertag erklärt.

Laut der russischen Agentur Interfax können Touristen, die beim Moskauer Reiseveranstalter Brisco eine Reise nach Ägypten gebucht haben, diese kostenlos stornieren.

Spekulationen über Terroranschlag wurden nicht bestätigt

Der Norden der Halbinsel Sinai, über dem das Flugzeug abgestürzt ist, gilt als politisch instabil. Die Gruppierung «Wilajjat Sinaj» verfügt über aktive Kontakte zur Terrororganisation „Islamischer Staat“. Regelmäßig kommt es zu Zusammenstößen mit den ägyptischen Sicherheitskräften.  

Auf eine angebliche Bekennerbotschaft des IS reagierte der russische Verkehrsminister Maxim Sokolow laut russischen Nachrichtenagenturen mit Skepsis. Die Behörden seines Landes seien in engem Kontakt mit den ägyptischen Kollegen und den Luftfahrtbehörden des Landes. Diese verfügten derzeit über keinerlei Anhaltspunkte, die derartige Spekulationen bestätigten könnten, erklärte Sokolow.

Das Luftfahrtunternehmen Kolavia, auch als Metrojet bekannt, wurde 1993 gegründet. Russische Medien berichten, dass es bereits mehrfach Probleme mit den Flugzeugen dieser Fluggesellschaft gegeben habe. So sei am 1. Januar 2011ein Flugzeug vom Typ TU-154 im Flughafen Surgut noch vor dem Abheben innerhalb von zehn Minuten vollständig ausgebrannt. Drei Menschen starben.

Nach Angaben des Internetportals Gazeta.ru handelt es sich bei der Tragödie über Sinai um die bislang größte Katastrophe in der russischen Luftfahrt. Bei einem Absturz in Usbekistan einer TU-154 der Fluggesellschaft Aeroflot auf dem Weg von Taschkent nach Leningrad (heute Sankt Petersburg) waren am 10. Juli 1985 aufgrund eines Pilotenfehlers 200 Menschen ums Leben gekommen. 

 

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